Papier, Stift und Taschenrechner für Buchhaltung oder Baustellendokumentation: So sieht auch heute noch der Alltag in vielen kleineren Handwerksbetrieben aus.

Papier, Stift und Taschenrechner für Buchhaltung oder Baustellendokumentation: So sieht auch heute noch der Alltag in vielen kleineren Handwerksbetrieben aus. (Foto: © plaifahwannapa11/123RF.com)

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Wo die Digitalisierung im Handwerk stockt

Betriebsführung

Neue Studie von Hero zeigt: Im Handwerk wird zwar digitalisiert – aber oft nicht durchgängig. Buchhaltung oder Lagerverwaltung werden oft noch auf Papier gemacht. Die Kluft zwischen kleinen und großen Betrieben wächst.

Papier ist im Handwerkeralltag immer noch weit verbreitet. 30 Prozent der Betriebe machen ihre Buchhaltung noch mit Stift und Zettel, 42 Prozent ihre Baustellendokumentation und jeder zweite Betriebe die Lagerverwaltung. Auch die Zeiterfassung ist oft Zettelwirtschaft. Und das, obwohl man mit Automatisierung und KI-Anwendungen schneller und fehlerärmer arbeiten könnte. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Softwareanbieters Hero in Kooperation mit dem Statistik-Portal Statista.

Es gibt demnach vor allem eine deutliche Schere zwischen größeren und kleineren Betrieben: Größere Handwerksbetriebe investieren deutlich konsequenter in Digitalisierung, automatisieren Prozesse und nutzen KI, so die Studie. In den letzten fünf Jahren investierten Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitenden zu 100 Prozent in die Digitalisierung – Kleinstbetriebe mit zwei bis fünf Beschäftigten dagegen nur zu 16 Prozent.

"Viele kleine Betriebe hingegen verharren im Papiermodus – und lassen dadurch wichtige Effizienz- und Entlastungspotenziale ungenutzt", heißt es da. Der Großteil der Handwerksbetriebe in Deutschland ist allerdings klein bis sehr klein. "Wenn kleinere Betriebe deutlich seltener investieren, bremst das den digitalen Fortschritt der Branche insgesamt", so Hero. 

Zehn bis 20 Stunden Zeitgewinn in der Woche

Dr. Michael Kessler, Gründer und Geschäftsführer von Hero Software Foto: © Hero SoftwareDr. Michael Kessler, Gründer und Geschäftsführer von Hero Software Foto: © Hero Software

Betriebe, die Digitalisierungsmaßnahmen umsetzen, würden wirtschaftlich profitieren: "Kein befragter Betrieb berichtet von unverändertem Umsatz – alle verzeichnen Umsatzwachstum. Dank digitaler Komplettlösungen sparen viele Betriebe zudem spürbar Zeit in Verwaltung und Organisation: Je nach Aufgabe liegt die Zeitersparnis häufig bei zehn bis 20 Stunden pro Woche, in einzelnen Bereichen berichten Betriebe sogar von mehr als 20 Stunden Zeitgewinn."

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Analoge Betriebe hingegen würden Zeit und Qualität verlieren: "41 Prozent berichten von Fehlern durch manuelle Abläufe, ein Viertel kämpft mit besonders zeitaufwendiger Verwaltung und zwölf Prozent verlieren regelmäßig den Überblick über laufende Projekte. Damit bleiben nicht nur Effizienz und Transparenz auf der Strecke – auch ein entscheidendes Potenzial zur Entlastung beim Fachkräftemangel wird verschenkt, weil administrative Aufgaben weiterhin erheblich Arbeitszeit binden."

Ebenfalls eine Erkenntnis der Umfrage: Das Selbstbild entspricht nicht unbedingt der Realität. 54 Prozent der Befragten halten sich für digitaler als die Konkurrenz – gleichzeitig bleiben bei ihnen aber viele Abläufe analog. "Diese Selbsteinschätzung kann dazu führen, dass Digitalisierungsbedarf unterschätzt und notwendige Veränderungen zu spät angegangen werden."

Trotz Zeitersparnis: Kleine Betriebe verzichten auf KI Tools

47 Prozent der Betriebe nutzen laut der Studie bereits automatisierte Abläufe in Verwaltung und Buchhaltung – in der Lagerverwaltung sind es 17 Prozent.

Viele kleine Betriebe würden gar kein Interesse an Automatisierung zeigen (je nach Bereich 33 bis 45 Prozent). Obwohl die Anwender deutliche Vorteile melden würden: 70 Prozent arbeiten dadurch schneller, 63 Prozent fehlerärmer. Bei KI zeige sich ein ähnliches Bild: 96 Prozent kennen KI Tools – doch 35 Prozent nutzen sie nie. Gerade kleine Betriebe verzichten darauf, obwohl KI etwa bei Dokumentation oder Kommunikation spürbar Zeit sparen könnte.

"Digitalisierung ist kein Nice-to-have im Handwerk"

Dr. Michael Kessler, Gründer und Geschäftsführer von Hero Software, warnt die Betriebe davor, auf diese Weise Fachkräfte zu verlieren. "Digitale Lösungen stärken die Betriebe", so Kessler. Analoge Strukturen würden das Potenzial, das im Handwerk heute dringend benötigt wird, um zentrale gesellschaftliche Modernisierungsziele voranzubringen, bremsen. "Digitalisierung ist kein Nice-to-have im Handwerk – sie entscheidet darüber, ob wir die großen Aufgaben der Zukunft schaffen oder nicht."

Quelle: Hero Software

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Text: / handwerksblatt.de

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