Pendelordner waren gestern: Heute kommunizieren die Unternehmen über Laptop, PC und Smartphone mit ihrer Steuerkanzlei.

Pendelordner waren gestern: Heute kommunizieren Selbstständige und Unternehmen über Laptop, PC und Smartphone mit ihrer Steuerkanzlei. (Foto: © DATEV eG)

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Steuerberatung gestern und heute: Vom Lochstreifen zu KI

Mit dem Wirtschaftswachstum und der Einführung der Mehrwertsteuer Mitte der 60er Jahre holten sich viele Unternehmer eine Steuerkanzlei zur Seite. Das war auch die Geburtsstunde der IT-Genossenschaft Datev.

Als Datev am 14. Februar 1966 gegründet wurde, lernte die Welt gerade, den Weltraum zu erobern: Der erste Mensch hatte die Erde im All umrundet, aber auf dem Mond war noch niemand gelandet. Computer, die auch für die Raumfahrt wichtig waren, füllten ganze Räume, Daten wurden auf Lochstreifen erfasst. Begriffe wie Cloud oder Künstliche Intelligenz brachten die meisten eher mit Science-Fiction in Verbindung.

Sechzig Jahre später ist der Orbit fast überfüllt und auf der Erde ist die digitale Zusammenarbeit selbstverständlich – auch im Handwerk. Kommunikation mit Kunden, Angebote, Rechnungen, Lohnabrechnungen oder der Belegaustausch mit den Steuerberaterinnen und Steuerberatern laufen heute über digitale Prozesse.

Ein zentraler Möglichmacher des technischen Wandels in den kaufmännischen Abläufen handwerklicher Betriebe und in deren Zusammenarbeit mit Steuerberatungskanzleien ist der IT-Dienstleister Datev. Unter dem Motto "Schon immer Zukunft" feiert die IT-Genossenschaft in diesem Jahr ihren 60. Gründungstag.

Elektronische Datenverarbeitung wurde notwendig

Mitte der 1960er-Jahre standen die Unternehmen in Deutschland unter Druck. Wirtschaftswachstum verbunden mit Fachkräftemangel und der Einführung der Mehrwertsteuer ließen die Anfragen aus Betrieben bei Kanzleien massiv ansteigen. Aber auch die Steuerberater fanden nicht ausreichend Personal. 

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Das machte effizientere und damit elektronische Datenverarbeitung in kaufmännischen und steuerlichen Prozessen notwendig. Die Lösung: Gemeinsam lässt sich mehr erreichen.

65 Steuerbevollmächtigte gründeten 1966 in Nürnberg die Datev eG als genossenschaftliche Antwort auf technische und wirtschaftliche Umbrüche. Oder, wie es der Mitgründer und langjährige Vorstandsvorsitzender Dr. Heinz Sebiger formulierte: "Die Idee ist, gemeinsam anzupacken, was jeder Einzelne von uns nicht geschafft hätte." Dieser Gedanke prägt die Genossenschaft bis heute. 

Technologische Pionierarbeit für das Büro

1960er-Jahre

Schon 1969 nahm Datev ihr eigenes Rechenzentrum in Betrieb – ausgestattet mit vier IBM-Großrechnern und einer Speicherkapazität von 320 Kilobyte. Was aus heutiger Sicht sehr bescheiden wirkt, war damals ein technologischer Sprung in die Zukunft. Finanzbuchführungen und Steuerberechnungen konnten kostengünstiger und schneller erstellt werden.

1970er-Jahre

1974 folgte ein weiterer Meilenstein: Über das eigene Netz zur Datenfernübertragung (DFÜ) bekamen Datev-Mitglieder die Möglichkeit, Daten "online" per Telefonleitung nach Nürnberg ins Rechenzentrum zu senden – visionär in einer Zeit lange vor ISDN, Internet und Remote-Arbeit.

1980-er Jahre

In den 1980er-Jahren entstand mit dem Datev-Verbundsystem (DVS) eine integrierte Prozess- und Datenwelt, die PC-Programme mit Prozessen im Rechenzentrum verband und so Effizienz und Datensicherheit deutlich erhöhte.

1990-er Jahre

Mit der wachsenden digitalen Vernetzung zwischen Datev und ihren Kunden weitete sich der digitale Austausch in den 1990er Jahren auch auf die Finanzverwaltung aus. Daten der Steuererklärung konnten über die Elektronische Datenübertragung (EDÜ) digital an die Finanzbehörden übermittelt werden. Die heutige ELSTER-Anwendung der Finanzbehörden basiert auf diesem EDÜ-Verfahren von Datev.

2000-er Jahre

Ein entscheidender Schritt in Richtung Cloud erfolgte 2007 mit Datev Unternehmen online. Was damals als "Buchführung mit Zukunft" vermarktet wurde, ist in immer mehr Handwerksbetrieben gelebter Alltag: Belege werden digital erfasst, Rechnungen medienbruchfrei verarbeitet, Löhne sicher abgerechnet. Betrieb und Steuerkanzlei arbeiten standortunabhängig und nahezu in Echtzeit digital zusammen.

Heute

Die Genossenschaft vernetzt als einer der großen europäischen Softwareanbieter Unternehmen sowie Kanzleien, Banken, Behörden und Sozialversicherungsträgern zu einem digitalen Ökosystem.

Anwendungen von Softwarepartnern, etwa Branchenlösungen aus dem Handwerk oder für Warenwirtschaft und Zeiterfassung, lassen sich integrieren; Daten fließen durchgängig zwischen Baustelle, Büro und Steuerkanzlei; cloudbasierte Finanz- und Lohnprozesse schaffen Transparenz und Effizienz. 

Wachstum in Zahlen – Stabilität im Wandel

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Kunden auf über 850.000 fast verdreifacht. Der Umsatz liegt inzwischen bei über 1,5 Milliarden Euro, mehr als 9.000 Mitarbeitende arbeiten an 22 Standorten.

Monatlich werden fast 15 Millionen Lohn- und Gehaltsabrechnungen über Datev-Software erstellt.

Gleichzeitig nutzt das Unternehmen seine Datenkompetenz, etwa mit dem Datev Mittelstandsindex, um die wirtschaftliche Entwicklung im Mittelstand sichtbarer zu machen – auch in der Öffentlichkeit.

An der Spitze des Unternehmens standen in sechs Jahrzehnten lediglich drei Vorstandsvorsitzende. Nach Dr. Heinz Sebiger und Prof. Dieter Kempf führt seit 2016 Prof. Dr. Robert Mayr die Genossenschaft.

Ausblick

Die Datev-Welt entwickelt sich hin zu einer vollständig cloudbasierten Infrastruktur mit integrierten KI-Anwendungen, die einerseits von lästigen Routinen entlasten und andererseits Mehrwerte etwa bei der betriebswirtschaftlichen Analyse und Prognose schaffen.

"Was Datev seit 60 Jahren ausmacht, ist gemeinschaftliche Stärke und die Verbindung von genossenschaftlicher Stabilität mit Innovation", sagt Datev-CEO Prof. Dr. Robert Mayr. "Von Anfang an ging es nicht um Technik um der Technik willen, sondern darum, die Arbeit zu erleichtern."

Sechzig Jahre nach der Gründung hat sich die Welt grundlegend verändert – und Datev und ihre Kunden sich mit ihr. Vom Lochstreifen zur Cloud, vom Großrechner zur KI-gestützten Plattform, vom Pendelordner zum automatisierten Belegaustausch. Was geblieben ist, ist der Anspruch von Datev, mit den Kunden aus Mittelstand und steuerberatendem Berufsstand Zukunft zu gestalten.

Gastbeitrag von Claudia Specht, DATEV eG

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Text: / handwerksblatt.de

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