Schwammstadt-Prinzip: Neues Sanierungskonzept für Wege
Keine Überschwemmungen mehr! Wasserdurchlässige Beläge von HanseGrand speichern Regenwasser und schützen Keller. Entsiegelte mineralische Beläge dienen als Alternative zu Asphalt und Beton.
Der "Starkregen" hat Einzug gehalten in die Wettervorhersagen. Immer häufiger prasselt er nieder und beschert Überflutungen in besiedelten Gebieten – vor allem im Sommer. Nicht nur im Juli 2021 sorgte anhaltender Regen für überschwemmte Straßen und vollgelaufene Keller, denn weder fassen städtische Kanalsysteme so große Wassermassen, noch gibt es dort Vegetationsflächen, die das Wasser aufnehmen und speichern können. Umgekehrt fehlt dann an heißen Sommertagen das erfrischende Nass für die Bewässerung von Bäumen und die Verdunstungskälte, die aufgeheizte Innenstädte temperieren würde.
Nachhaltige Wegedecken für bessere Wasserhaltung
Der Randstreifen der fertigen Straße in CastropRauxel ist mit Blähton gefüllt. Foto: © HanseGrandUm hier Abhilfe zu schaffen, forscht und produziert das niedersächsische Unternehmen HanseGrand seit über 20 Jahren im Bereich rein mineralischer, wassergebundener Wegedecken, die im Unterschied zu starrem Asphalt oder Pflasterbelägen anpassungsfähig und offenporig sind. Regenwasser wird somit teilweise versickert, während gleichzeitig ein Teil gespeichert wird, um später wieder zu verdunsten. Trotz fehlender "Aushärtung" können solche Beläge eine hohe Tragfähigkeit und somit auch Befahrbarkeit erreichen, wenngleich sie nicht für hohe Verkehrsfrequenzen des klassischen Straßenbaus geeignet sind, sondern vorzugsweise für extensiver genutzte Bereiche wie Plätze, Wirtschaftswege, Fuß- und Radwege oder entsiegelte Kfz-Stellplätze eingesetzt werden.
So könnte eine Terrasse aussehen: Die Oberfläche ist so wasserdurchlässig, dass der Sitzplatz auch nach einem Regenguss nutzbar ist. Foto: © HanseGrandHier können die Produkte von HanseGrand somit auch eine sinnvolle Alternative für Asphaltbeläge oder sonstige undurchlässige Oberflächen darstellen. In Castrop-Rauxel sanierte etwa die DR Wegebau aus Verl mit Materialien von HanseGrand einen stark verdichteten Waldschotterweg, der eine Häuserzeile von einer steilen Waldböschung trennte. "Das Regenwasser floss regelmäßig von der Böschung hinunter über den Weg direkt in die Keller der angrenzenden Häuser", erzählt Ralf Bera, Sachgebietsleiter Straßenunterhaltung bei der Stadt Castrop-Rauxel. Es gab zwar einen Graben am Rand der Böschung, aber der ließ das Wasser nicht ordentlich versickern, und die Straße war im Lauf der Zeit immer mehr verdichtet. "Wir wollten die Straße erneuern – wassergebunden und haltbar, als Pilotprojekt."
Regen versickert in Rigolen
Bei DR Wegebau treffen sich mit dem Gärtner Sebastian Dahlkötter und dem Schlosser Johannes Rehpöhler Handwerk und Gartenbau schon im Gesellschafterduo. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Wegesanierungen nach dem Schwammstadt-Prinzip: Das Team fräst alte Deckschichten auf, saniert alte Tragschichten auf oder baut neue ein, trägt wassergebundene Deckschichten auf und repariert Bankette von Straßen.
"In Castrop-Rauxel haben wir am Fuß der Böschung einen 70 cm tiefen Graben ausgehoben, einen unterirdischen Kanal – eine Rigole – mit Vlies ausgekleidet und mit Blähton gefüllt", erklärt Sebastian Dahlkötter. Grober Schotter schließt die Rigole von oben ab. Das Zusammenspiel von grobem Schotter und Blähton erzeuge eine sehr gute Drainage, so dass das Wasser vom Hang ungehindert versickern und abfließen kann, ohne die Keller der Anwohner zu gefährden.
Nachhaltige Straßensanierung: Effizient und kostengünstig
Die Straße links besteht aus Pflastersteinen mit wasserdurchlässigen Fugen. Regnet es sehr stark, läuft überschüssiges Wasser auf die Fläche mit HanseGrand Parking rechts, einem Klimabaustoff, der das Wasser in den Erdboden ableitet. Foto: © HanseGrandDie in die Jahre gekommene Schotterstraße wurde aufgefräst, die inhomogene Masse aus Bauschuttresten zerkleinert und homogen gemischt und als wasserdurchlässiger Straßenuntergrund wiederverwendet. Darauf kam eine dynamische Ausgleichsschicht, die besonders gut Wasser aufnehmen, bei feuchter Witterung nach unten abgeben und bei Hitze nach oben verdunsten lassen kann. Als Abschluss dient eine vier Zentimeter dicke "Robust"-Deckschicht von HanseGrand, die neben einem druckstabilen Körnungsgemisch auch die Fähigkeit besitzt, sich durch Bewitterung ein Stück weit von selbst zu regenerieren, so dass der Pflegeaufwand insgesamt deutlich reduziert wird.
"Ein solcher Weg absorbiert viel Wasser – und kann somit auch Rigolen oder Kanäle entlasten, wenn ein Platzregen herunterkommt", ergänzt Mario Rossittis, Gebietsleiter für NRW bei HanseGrand. Das Konzept funktioniere, ist er überzeugt. Seit der Sanierung vor anderthalb Jahren seien keine Probleme mehr aufgetaucht, bestätigt Ralf Bera. "Auch nach Starkregenfällen nicht." Und die Sanierung mit den Schwamm-Materialien von HanseGrand sei deutlich günstiger als Asphalt, betont er.
Schwammstadt-Projekt in Harsefeld überzeugt
Dieses Projekt aus dem Sanierungsplan einer Stadt hat indes noch Seltenheitswert. "Was befahrbare Bereiche anbelangt, entstehen 80 bis 90 Prozent der wassergebundenen Flächen als Neubau oder im Rahmen von Großprojekten", weiß Mario Rossittis. So wie im Schwammstadt-Pilotprojekt im niedersächsischen Harsefeld. HanseGrand war im Neubauviertel "SmartCity" der Viebrockhaus AG am Aufbau der Erschließungsstraßen und Wege beteiligt. Die eine Seite der schmal gehaltenen Straßen besteht aus Pflastersteinen mit wasserdurchlässigen Fugen, während auf der zweiten Seite der Klimabaustoff HanseGrand-Parking eingebaut wurde, der stark wasserdurchlässig ist.
Diese Flächen teilen sich parkende Fahrzeuge und Fußgänger, Kinderwagen und Rollatoren. Das Wasser, das auf den Flächen der Pflastersteine nicht versickern kann, läuft auf die Parkflächen und wird dort nach unten geführt. Es kann sich seinen Weg durch die verschiedenen Schichten aus HanseGrand-Materialien bahnen, durch wasserdurchlässige und Retentions-Schichten, die als Wasserspeicher dienen, bis hin zu Rigolen, die das überschüssige Wasser in Auffanggräben leiten, wo es schließlich versickern kann. So bleiben Wege und Straßen selbst bei Starkregen funktionsfähig. "Beim Dauerregen zum Jahreswechsel 2023/24 hatte der Auffanggraben bis zum Ende des Starkregens immer noch Speicherreserven", freut sich HanseGrand-Projektleiterin Kathrin Pape. "Ein Beweis, dass dieses System einer Schwamm-Siedlung funktioniert."
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Text:
Dr. Bettina Heimsoeth /
handwerksblatt.de
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