Bei Rückenschmerzen gebe es Defizite in der Versorgungspraxis. Hier werde das Potenzial der konservativ-technischen Versorgung bislang zu selten genutzt, so der BIV-OT.

Bei Rückenschmerzen gebe es Defizite in der Versorgungspraxis. Hier werde das Potenzial der konservativ-technischen Versorgung bislang zu selten genutzt, so der BIV-OT. (Foto: © Ngampol Thongsai/123RF.com)

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Orthopädietechniker: "Verwaltung kostet immer mehr Zeit"

Handwerkspolitik

Bei einem gesundheitspolitischen Dialog mit der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kritisierte das Orthopädietechnikerhandwerk den steigenden bürokratischen Aufwand für die Betriebe. So bleibe immer weniger Zeit, die Menschen mit Hilfsmitteln zu versorgen.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) traf in Stuttgart auf Vertreter des Orthopädietechnikerhandwerks zu einem gesundheitspolitischen Dialog. Ein wichtiges Thema bei dem Austausch war die wachsende Bürokratiebelastung in der Hilfsmittelversorgung, der Beitrag ambulanter Versorgung zur Kostendämpfung im Gesundheitssystem, die Auswirkungen administrativer Überlastung und der Fachkräftemangel.

Investitionen in Hilfsmittel seien Voraussetzung dafür, teurere stationäre Behandlungen, Komplikationen und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zumindest zu verzögern, sagte Joachim Glotz, Vorstandsmitglied des Bundesinnungsverbands für Orthopädie-Technik (BIV-OT). "Die Ausgaben für die ambulante Hilfsmittelversorgung werden steigen. Und sie müssen steigen – wenn wir Versorgung aus der Klinik nach Hause verlagern wollen,"

Mehr Effizienz und Ordnung gewährleisten

Warken nannte die gesundheitspolitischen Zielsetzungen der Bundesregierung: "Ambulantisierung ist ein zentrales Ziel meiner Gesundheitspolitik. Damit Versorgung wohnortnah und effizient funktioniert, brauchen wir klare und verlässliche Strukturen. Das Bundesministerium für Gesundheit wird deshalb Regelungen auf den Weg bringen, die mehr Effizienz und Ordnung gewährleisten – bei gleichzeitiger Wahrung des solidarischen Prinzips."

Laut Glotz gibt es Defizite in der Versorgungspraxis, etwa bei Kniearthrose und Rückenschmerzen werde das Potenzial der konservativ-technischen Versorgung bislang zu selten genutzt. Nur bei etwa der Hälfte der Versicherten werde vor einer Operation überhaupt ernsthaft versucht, die Mobilität zu verbessern. "Wenn nicht frühzeitig konservativ versorgt wird, wird es später teuer – für das System und für die Betroffenen", erklärte Glotz.

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BIV-OT spricht von "Verwaltungswahnsinn"

Auch für die Belastung im Versorgungsalltag durch Bürokratie gebe es einige Beispiele. Darin unter anderem enthalten: Wenn ein Sanitätshaus die Versicherten aller Krankenkassen in Deutschland mit Hilfsmitteln versorgen können möchte, müsse es rund 700 Versorgungsverträgen beitreten. Diese Verträge füllten 700 Ordner. "Das ist kein geordnetes Versorgungssystem. Das ist Verwaltungswahnsinn", so Glotz.

Die Versorgung eines Patienten mit einer Kniebandage dauere durchschnittlich 22 Minuten, die zugehörige Verwaltung zusätzliche 31 Minuten. Bei der Folgeversorgung mit einem medizinischen Kompressionsstrumpf fielen 44 Minuten Versorgung und 42 Minuten Verwaltung an. Glotz: "Wir investieren immer mehr Zeit in die Verwaltung und immer weniger in die Versorgung der Menschen."

Fachkräftemangel verschärft sich

Glotz warnte vor den Folgen dieser Entwicklung: "Hilfsmittel sind kein Kostentreiber. Sie sind ein zentrales Instrument, um Menschen mobil und vielfach in Arbeit zu halten und stationäre Versorgung zu vermeiden. Wenn wir hier sparen, zahlen wir später doppelt." Der Fachkräftemangel werde durch die Bürokratie zusätzlich verschärft: Auf 100 offene Stellen in der Orthopädie-Technik kämen derzeit nur 16 qualifizierte Arbeitssuchende.

Der BIV-OT habe gemeinsam mit dem Bündnis "Wir versorgen Deutschland" Vorschläge zur Absicherung der Hilfsmittelversorgung vorgelegt. Ziel sei ein deutlicher Bürokratieabbau durch klare Vorgaben für Qualifikation, Dokumentation und Genehmigungen, erklärte BIV-OT-Präsident Alf Reuter. "Wir brauchen für die Regelversorgung: Standardisierte Verträge und einheitliche Rahmenbedingungen. Dann fließt Geld in Versorgung – und nicht in Bürokratie."

Quelle: BIV-OT

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Text: / handwerksblatt.de

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