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Direktversicherung: doppelt abkassiert!

Betroffene wehren sich dagegen, dass sie bei der Auszahlung ihres Sparvertrags auf eine Kapitallebensversicherung Sozialbeiträge zahlen müssen. Doch ihre Aussichten sind schlecht.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Direktversicherung: zweimal abkassiert!
Foto: © convisum/123RF.com

Die Wut ebbt nicht ab. Keine anderen Beiträge auf handwerksblatt.de werden so oft kommentiert wie die zum Thema Direktversicherung. Empörte Betroffene klagen darüber, viel weniger Geld als geplant von ihrer Altersvorsorge übrig zu haben. Das Problem: Auf die ausgezahlte Versicherungssumme werden Beiträge für Krankenkasse und Pflegeversicherung fällig. Das Gesetz, das dafür verantwortlich ist, trat bereits 2004 in Kraft. Doch noch heute fallen Sparer aus allen Wolken, wenn ihre Beiträge ausgezahlt werden, denn sie werden zur Kasse gebeten, obwohl sie ihren Vertrag lange vor 2004 abgeschlossen haben. Zuletzt haben wir 2013 über das Thema berichtet, noch immer treffen fast täglich wütende Kommentare ein.

Der gelernte Fleischermeister Gerhard Kieseheuer hat als Verkaufsberater für eine Gewürzfirma gearbeitet. 1986 schloss er einen Sparvertrag auf eine Kapitallebensversicherung ab, weil er privat fürs Alter vorsorgen wollte. Der Versicherungsvertreter gab ihm den Tipp, seinen Chef darum zu bitten, das Geld direkt vom Gehalt zu überweisen, um Lohnsteuer zu sparen. Darauf ging der Arbeitgeber ein und war im Vertrag als Versicherungsnehmer eingetragen.


Kieseheuer fiel in Ohnmacht
Da seit 1983 auf Betriebsrenten Sozialabgaben gezahlt werden mussten, entschied sich Kieseheuer bewusst für eine Direktversicherung mit Kapitalauszahlung, erzählt er. Dann trat am 1. Januar 2004 das Gesundheitsmodernisierungsgesetz in Kraft – und als Kieseheuer den Bescheid über die tatsächliche Summe aus seinem Sparvertrag bekommen hat, sei er "in Ohnmacht gefallen". Statt der vereinbarten 75.000 Euro waren es wegen der negativen Zinsentwicklung nur 55.000 Euro. Mit dem Geld, das er jetzt auch noch für die Sozialabgaben aufbringen sollte, blieben ihm knapp 45.000 Euro, sagt er. Einbezahlt hatte er 35.000 Euro. Damit hat er über die Jahre nur 10.000 Euro gewonnen.

Enttäuscht zog Kieseheuer vor Gericht. Sein Argument: "Ich habe eine Kapitalzahlung bekommen, das kann kein Versorgungsbezug sein wie eine monatliche Rente." Doch er verlor. Seit 2012 engagiert er sich deshalb bei der Interessengruppe GMG-Geschädigte. Damals machten nur etwa neun Betroffene mit, heute sind es 700. Die Mitglieder tauschen Informationen über Gerichtsurteile aus, schreiben Politiker an, wenden sich an die Presse, organisieren Mahnwachen und Demons­trationen.

Text: Melanie Dorda
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Leserkommentare

05.03.2017 04:35:50 Uhr
Ruf Tatjana

Abgezockt und betrogen

Ich bin auch betroffen und betrogen worden. Ich habe meine Direktversicherung in Oktober 2014 gekündigt und Sozialversicherungen an AOK bezahlt. Ab November habe ich dann Krankengeld bezogen. Die Krankenkasse ignorierte dies als Beitragspflichtige Einahme bei Berechnung Krankengeld.Es ist zu berücksichtigen genau wie Weihnachtsgeld ,bis bestimmte Höhe.

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23.01.2017 04:53:43 Uhr
Norbert Wichmann

Zum Bericht " Direktversicherung: doppelt abkassiert!"

zitiere R. Koch:

Auch ich bin ein total Enttäuschter und Wütender Betroffener.
Seit 1992 habe ich jeden Monat nur mein eigenes Geld in eine DV eingezahlt. Jetzt kann ich jeden Monat von 150,-€ Sofortrente aus dieser DV 75,-€ in die Krankenkasse einzahlen. Ich wähle 2017 keine der sogenannten Volksparteien mehr!

Kommentar:
Und was machst du dagegen? Lässt du das einfach so laufen, oder unterstützt auch du diejenigen, die hiergegen vorgehen?

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31.08.2016 06:05:46 Uhr
Dieter Weisz

Abzocke bei Direktversicheurngen

Kein Mensch kann es mir nachfühlen wie es mir geht. Am 1.12.2016 bekomme ich meine Lebensversicherung ausbezahlt, welche ich vor 25 Jahren abgeschlossen habe. damals war ich überzeugter SPD-Wähler, bis zum Jahre 2004. Da habe ich zum ersten Male erfahren was diese "Roten Socken" per Gesetz verabschiedet hatten. Unter der Schirmherrschaft von Ulla Schmidt, damals überzeugte Pharmalobbyistin und auf der Gehaltsskala von Pharmaunternehmen, wurde ein Gesetz verabschiedet, welches es in dieser Form NOCH NIE gab. Es gab keinen Bestandsschutz und mit Unterstützung der Judikative konnte man nun die "Besserverdienenden" abzocken. Obwohl ich über der Beitragsbemessungsgrenze in der Sozialversicherung lag, sahnt jetzt die GKV richtig ab. 18,5 % meiner Auszahlungssumme. Ärgerlich ist, dass wieder einmal die BEAMTEN und Selbstständigen verschont werden. WIR LEBEN IN EINEM BEAMTENSTAAT der seines Gleichen an Unfairness sucht. Eines steht fest, CDU, SPD und GRÜNE sind für mich solange ich lebe GESTORBEN!!!!

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31.08.2016 11:20:18 Uhr
Dr. Schwerdtner, Wol

Krankenkassenbeiträge auf kapitalbildende Lebensversicherungen

Nach 8 Jahren Rechtsweg vor allen Sozialgerichten warte ich nun schon 2 Jahre auf einen Beschluß des Bundesverfassungsgerichtes gegen die höchst "unintelligente", besser zu verstehen als dumme Rechtsprechung der Sozialgerichte. Wer etwas intelligent ist, muß erkennen, daß es sich bei einer kapitalbildenden Lebensversicherung um eine Sparleistung handelt, die dann irgendwann zur Auszahlung kommt. Es ist aber keine Einnahme im Sinne des Sozialgesetzbuches und nur diese, wie auch Renten, Pensionen oder Ä. unterliegen der Verbeitragung. Allenfalls noch die Zinsgewinne, aktuell ja durch Negativzinsen pervertiert, dürfen als Einnahmen wie Mieteinnahmen mit Beiträgen belegt werden. Bei mir als sog. freiwilligem Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse, ich war immer in einer solchen Krankenkasse. Habe mich also immer sehr solidarisch an den Krankheitskosten beteiligt.
Nur einnahmen, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit stärken sind zu verbeitragen. Ich spare für meine winterliche Ölheizung monatlich 120 Euro in meinem Sparschwein. Mit der gleichen dummen Logik der Sozialrichter müßte ich nach Zerschlagen des Schweins auf das Ersparte Krankenkassenbeiträge für 10 Jahre bezahlen. Das ist ein intelligenzadaptiertes Beispiel für Sozialrichter. Die haben meines Wissens keine Fortbildungspflicht. Ich habe erleben müssen, daß diese Richter nichts verstehen, zum Teil haben sie mich in der Verhandlung angelogen. Ich war selbständig und hatte keine Möglichkeit einer Absicherung von Krankengeld, jetzt muß ich aber den vollen Beitrag mit Absicherung von Krankengeld bezahlen. Das versteht nur ein Sozialrichter oder besser alle, die sind schon gar nicht mehr für das Richteramt fähig. Alle angeschriebenen Politiker haben erklärt, das Gesetz aus 2004 ändern zu wollen. Beruhigungspille für uns Betrogene, jetzt müssen sie eine Beruhigungspille bekommen. Nämlich Abwahl der Abgeordneten von SPD/Grünen, Mittäter der CDU. Wer nicht hören will, muß fühlen.

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03.03.2016 10:24:36 Uhr
Norbert Wichmann

Die nächsten Schritte werden entscheiden!

8 Mil. Direktversicherungsgeschädigte bei den anstehenden Wahlen unschlüssig!
Ein Großteil der ca. 8 Mil. betroffenen Geschädigten aus den betrieblichen Direktversicherungen ist noch unschlüssig, welcher Partei sie bei den nächsten Wahlen ihr Vertrauen schenken.
Nach einer Gesetzesänderung der Rot / Grünen Koalition im Jahre 2004, § 229 SGB V, damit einhergehend und gesetzeswidrig ältere Direktversicherungen vor 2002, die ausschließlich der Arbeitnehmer finanziert hat, der Arbeitgeber fungierte hier lediglich als Dienstleister, wurden diese plötzlich mit Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen in aller Stille belegt. Das Ergebnis dessen: über 10 Jahre zahlt jetzt jeder Versicherte noch einmal ca. 18% von seiner mühsam angesparten Altersvorsorge.
Bisher ist bei den regierenden Parteien kein Verständnis vorhanden, diese missliche Situation zu verändern. Wenn dann noch Gerichte zusätzlich Verfassungsgrundsätze wie den Eigentums- und Vertrauensschutz, eine Typisierung den Gleichheitsgrundsatz aufheben und es erlaubt ist, dass völlig ungleiche Vertragsbestände gleich gestellt werden, verliert der Bürger zurecht und massiv das Vertrauen in seinen Staat.
„Das Hemd ist hierbei näher als die Hose“, durch die immer kleiner werdenden Renten will man seine Alterszusagen als wieder gesichert zurückgewinnen. Daher auch die Bereitschaft vieler Betroffener zur Wechselwahl!
In einer Demokratie entscheiden bekanntlich Mehrheiten und Mehrheiten gewinnt man nur durch Wähler. Hierzu zählen auch die Betroffenen.
Schlussendlich bleibt abzuwarten wie sich die Regierungsvertreter entscheiden. Auch die Möglichkeiten Forderungen an die ehemaligen Arbeitgeber und die Versicherer, auf Grund der mangelhafter Informationspolitik zu stellen, ist in Bearbeitung.

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08.02.2016 05:13:11 Uhr
Rudi Birkmeyer

Direktversicherung

Teil 2:
Das haben die Wähler inzwischen wohl erkannt.
Deshalb muss unser Sozialversicherungssystem generell dringend umgestellt werden. 1. Muss man von seiner Rente vernünftig leben können. Und 2. kann es nicht sein, dass die gesetzlich Versicherten, neben anderen Ungereimtheiten, ausländischen „Familienversicherten“ (sogar bis zu den Großeltern) die Gesundheitskosten finanzieren, obwohl dieser Personenkreis noch nie in Deutschland gelebt und gearbeitet hat! Dies wird sich bestimmt, durch den starken Zustrom, noch wesentlich erweitern.

Warum erhöht man die Kapitalertragssteuer nicht um einige Punkte und nimmt diese zur zusätzlichen Finanzierung der SV und warum zahlt nicht jeder „Deutsche“ und in Deutschland Arbeitende in die gesetzliche KV seinen Beitrag?

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08.02.2016 05:10:11 Uhr
Rudi Birkmeyer

Direktversicherung

Mein Bruder, langjähriges Parteimitglied, Ortsbürgermeister, ist wegen dieser Thematik, aus „seiner Partei“ ausgetreten und wird, mit der gesamten Familie, so schnell nicht wieder eine der etablierten Partei!
Wenn man dann noch - den wahrscheinlichen Wählerverlust - durch die „Flüchtlingsproblematik“ mal mit einkalkuliert, stellt sich, zumindest für mich, die Frage „Schafft eine große Koalition 2016 (Landtagswahlen) oder 2017 auf Bundesebene überhaupt noch eine Mehrheit???
Zu der generell miserablen Rententhematik möchte ich, auf ein wohl in Politikerkreisen bekannt Tatsache, hinweisen. Wer monatlich 2600 Euro brutto verdient, muss mehr als 33 Jahre Vollzeit arbeiten, um später nicht auf dem Sozialamt zu landen. Da jeder dritte sozialversicherte Beschäftigte weniger als 2500 Euro erhält, droht Millionen Menschen ein würdeloses Altern. So sieht dies in Deutschland aus, dabei haben wir aber keine Probleme, Kriege, Banken und den Rest der Welt zu finanzieren (retten)!

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08.02.2016 05:03:18 Uhr
Rudi Birkmeyer

rudi.birkmeyer@web.de

Mein Bruder, langjähriges Parteimitglied, Ortsbürgermeister, ist wegen dieser Thematik, aus „seiner Partei“ ausgetreten und wird, mit der gesamten Familie, so schnell nicht wieder eine der etablierten Partei! Wenn man dann noch - den wahrscheinlichen Wählerverlust - durch die „Flüchtlingsproblematik“ mal mit einkalkuliert, stellt sich, zumindest für mich, die Frage „Schafft eine große Koalition 2016 (Landtagswahlen) oder 2017 auf Bundesebene überhaupt noch eine Mehrheit? Zu der generell miserablen Rententhematik möchte ich, auf ein wohl in Politikerkreisen bekannt Tatsache, hinweisen. Wer monatlich 2600 Euro brutto verdient, muss mehr als 33 Jahre Vollzeit arbeiten, um später nicht auf dem Sozialamt zu landen. Da jeder dritte sozialversicherte Beschäftigte weniger als 2500 Euro erhält, droht Millionen Menschen ein würdeloses Altern. So sieht dies in Deutschland aus, dabei haben wir aber keine Probleme, Kriege, Banken und den Rest der Welt zu finanzieren (retten)!

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05.01.2016 09:31:59 Uhr
R. Koch

Auch ich bin ein total Enttäuschter und Wütender Betroffener.
Seit 1992 habe ich jeden Monat nur mein eigenes Geld in eine DV eingezahlt. Jetzt kann ich jeden Monat von 150,-€ Sofortrente aus dieser DV 75,-€ in die Krankenkasse einzahlen. Ich wähle 2017 keine der sogenannten Volksparteien mehr!

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03.01.2016 01:23:21 Uhr
Lindinger Kurt

Wissentlich, dass man bei Abschluss keine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen hat, weil damals der Arbeitgeber diese bezahlte, hat man durch Netto-Entgeltumwandlung Vorsorge für seinen Lebensabend angespart.
Bei der Auszahlung greift dann der Statt durch die Krankenkassen ohne Vorwarnung in deine Tasche. In einem Rechtstaat eigentlich nicht möglich.
Darum an alle Betroffenen - Wahltag ist Zahltag!

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