Foto: © Andreas Buck
HWK Münster | Oktober 2026
Handwerkskammer feiert 1.440 neue Meistertitel
Neun von zehn Jungmeistern blicken optimistisch in ihre berufliche Zukunft – am 11. Oktober fand die Freisprechung in der Halle Münsterland statt.
Ulrich Scheppan ist Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank des Landes Brandenburg. Er verfügt über große Expertise im Bankensektor. Er war unter anderem Direktor bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und Vorstandsmitglied der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. (Foto: © ILB / Karoline Wolf)
Vorlesen:
14. Oktober 2026
Im DHB-Interview verrät ILB-Vorstandsvorsitzender Ulrich Scheppan, wie die Investitionsbank Brandenburg gezielt kleinen und mittleren Handwerksbetrieben hilft.
DHB: Wie bewerten Sie die aktuelle Stimmung in der brandenburgischen Wirtschaft? Wo wird besonders investiert?
Ulrich Scheppan: Die Stimmung in der brandenburgischen Wirtschaft ist derzeit von einem gewissen Spannungsfeld geprägt. Einerseits belasten hohe Kosten, Fachkräftemangel und die gesamtwirtschaftlich verhaltene Entwicklung viele Unternehmen. Andererseits sehen wir weiterhin eine bemerkenswerte Investitionsbereitschaft, insbesondere dort, wo Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und neue Wachstumschancen erschließen wollen. Das bedeutet, dass aktuell insbesondere Programme zur Innovations- und Forschungsförderung stark nachgefragt werden. Hier haben wir 2025 ein Rekordergebnis verzeichnet – mit 107 Millionen Euro. Auch Themen wie Digitalisierung und Energieeffizienz gewinnen zunehmend an Bedeutung, weil sie wirtschaftlichen Nutzen und Transformation miteinander verbinden. Und die Förderungen aus dem Strukturstärkungsgesetz des Bundes sowie aus dem Just Transition Fund (JTF) in der Lausitz und Uckermark sind natürlich wichtige Dauerbrenner für die übergeordneten Strukturwandel-Themen.
DHB: Innovationen, Transformation und Fachkräftesicherung sind also weiterhin große Themen, die den Mittelstand in Brandenburg umtreiben. Wie hilft hier die ILB?
Ulrich Scheppan: Im Zusammenspiel mit der Politik achten wir darauf, unsere Angebote sowohl in der Landesförderung als auch bei unseren eigenen Kreditprogrammen eng am Bedarf der Unternehmen und der Bürgerinnen und Bürger auszurichten. Das bedeutet, dass die genannten Themen aktuell auch einen Schwerpunkt unserer Fördermöglichkeiten darstellen.
Mit ProFIT Brandenburg können wir beispielsweise die Erforschung und Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren genauso unterstützen, wie deren anschließende Markteinführung. Bis zu drei Millionen Euro sind hier an Zuschüssen möglich. Mit BIG Digital fördern wir ganz vielfältige Digitalisierungsbestrebungen von Unternehmen, und für Energieeffizienz-Maßnahmen gibt es gleich eine ganze Reihe möglicher Programme. Auch unsere Angebote zur Fachkräfteentwicklung und Qualifizierung werden aktuell wieder stärker nachgefragt. Das freut mich sehr, denn der Strukturwandel wird umso besser gelingen, wenn wir parallel in Kompetenzen investieren.
DHB: Gibt es in Ihrem Haus Produkte, die besonders geeignet sind für die oft kleinteilig aufgestellten Handwerksbetriebe?
Ulrich Scheppan: Kleine und mittlere Unternehmen machen rund 98 Prozent unserer Betriebe aus und sind daher unsere wichtigste Zielgruppe. Für klassische Investitionsvorhaben, also die Anschaffung neuer Maschinen, Kapazitätserweiterungen von Betriebsstätten et cetera, bietet der JTF aktuell die besten Konditionen, wenn der Unternehmensstandort in der Lausitz oder Uckermark liegt. Hier sind bis zu 70 Prozent Zuschuss zu den förderfähigen Kosten eines Projekts möglich. Im Kreditbereich bieten der Brandenburg-Kredit Mikro und der Brandenburg GO Finanzspritzen zu attraktiven Konditionen mit einem geringen bürokratischen Aufwand. Entscheidend ist, für jedes mögliche Vorhaben unser Team aus der Förderberatung zu kontaktieren. Die Kolleginnen und Kollegen können meist sofort eine Ersteinschätzung geben, ob und wie ein Projekt förderfähig ist. Alle Details lassen sich dann kurzfristig in einem Beratungsgespräch klären.
DHB: Für viele Handwerksbetriebe sind sowohl Unternehmensübergaben als auch Neugründungen wichtige Themen. Gibt es auch dafür Unterstützung durch die ILB?
Ulrich Scheppan: In der Tat werden vor allem Gründungs- und Übergabe-/Übernahmeförderungen überproportional oft durch Handwerksbetriebe bei uns nachgefragt. Die Meistergründungsprämie ist ein wichtiges Tool dafür und bietet unkomplizierte Zuschüsse von bis zu 19.000 Euro. Dieses Jahr haben bereits 67 Unternehmen davon Gebrauch gemacht. Aus dem zinsgünstigen Brandenburg-Kredit Gründung haben wir entsprechende Vorhaben dieses Jahr schon mit rund 14 Millionen Euro finanziert. Ich freue mich bei jedem Einzelnen über den Mut, auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zu gründen.
DHB: Handwerk und Mittelstand sind Träger und zugleich Nutzer der Effekte der Energiewende im Land. Welche Förderprogramme hat die ILB dafür im Angebot?
Ulrich Scheppan: Deutschland ist Hochpreisland in Bezug auf die Energiekosten, und das hat natürlich einen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Die Energiewende zu unterstützen, ist daher eine aktuelle Kernaufgabe von Förderbanken. Wir können derzeit sowohl PV-Anlagen und Speichertechnologien als auch Wasserstoffprojekte und Energieeffizienzberatungen und -maßnahmen bezuschussen.
DHB: Die ILB fördert seit vielen Jahren den Brandenburger Zukunftspreis. Worin sehen Sie den besonderen Sinn dieser Auszeichnung?
Ulrich Scheppan: Für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort sind auch Wirtschaftspreise wie der Zukunftspreis Brandenburg und im Übrigen auch Initiativen wie deGUT und BPW wichtig. Sie bieten Handwerksunternehmen, Start-ups und dem Mittelstand eine Bühne und unterstützen auch die Vernetzung untereinander. Der Innovationsgrad der Brandenburger Unternehmen ist beeindruckend, ebenso wie ihre Resilienz in Krisenzeiten. Dies mit einem gemeinsamen Preis aller Kammern anzuerkennen und den besten Unternehmen ein entsprechendes Gütesiegel zu verleihen, ist gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten einfach eine gute Sache. Umso mehr, da der Zukunftspreis trotz seines Namens nicht nur digitale Tech-Unternehmen und dergleichen schmückt, sondern eben auch an besonders innovative Handwerksunternehmen vergeben wird. Als enger Partner der Brandenburger Unternehmen und Kammern unterstützen wir das ausdrücklich.
DHB: Wann hatten Sie zuletzt einen Handwerker im Haus, und wie waren Sie mit den erbrachten Leistungen zufrieden?
Ulrich Scheppan: An kleine, unverfängliche Arbeiten traue ich mich tatsächlich ganz gern selbst ran. Es ist dann aber schnell der Punkt erreicht, an dem man versteht, warum Handwerksdisziplinen Ausbildungsberufe sind. Kürzlich mussten bei mir ein paar Elektrofacharbeiten erledigt werden, die ja auch mit einem gewissen Risiko einhergehen. Da ist man dann froh über qualifizierte Kollegen, die den Job zuverlässig, pünktlich und auch noch gepaart mit guter Beratung erledigen.
DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!
Kommentar schreiben