"Ausgebildet wird im Betrieb. Wer jetzt bei der fachlichen Qualifizierung unseres Nachwuchses spart, macht das Ausbildungsengagement für kleine Betriebe zur Kostenfrage", sagt Thomas Radermacher.

"Ausgebildet wird im Betrieb. Wer jetzt bei der fachlichen Qualifizierung unseres Nachwuchses spart, macht das Ausbildungsengagement für kleine Betriebe zur Kostenfrage", sagt Thomas Radermacher. (Foto: © goodluz/123RF.com)

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Tischler gegen Kürzungen bei der ÜLU und den ÜBS

Im Haushalt für das nächste Jahr sieht die Bundesregierung weniger Fördermittel für die Modernisierung der Bildungsstätten und die Lehrlingsunterweisung vor. Das Tischlerhandwerk warnt vor negativen Folgen für die Ausbildungsbetriebe.

Die Bundesregierung plant im Haushalt für das Jahr 2027 die Mittel, die für die überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) und die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) eingesetzt werden sollen, zu kürzen. Das Wirtschaftsministerium will im laufenden Haushaltsjahr 55 Millionen Euro für Förderung der Modernisierung und der Ausstattung in den Bildungszentren ausgeben. Für das kommende Jahr sind dort aber nur noch 47,8 Millionen Euro vorgesehen. Gleichzeitig soll der ÜLU-Bundeszuschuss von 90 Millionen Euro auf knapp 80 Millionen sinken.

Der Bundesverband Holz und Kunststoff (TSD) fordert die Rücknahme der im Bundeshaushalt 2027 vorgesehenen Kürzungen. In einem Brief an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) warnt er vor "steigenden Belastungen für Ausbildungsbetriebe und einer Schwächung der Fachkräftesicherung im Handwerk". Bund und Länder könnten die Betriebe jeweils mit bis zu einem Drittel der ÜLU-Kosten entlasten. Davon sei die Förderpraxis sowohl des Bundes als auch in den Ländern jedoch weit entfernt.

Kürzungen belasten die Betriebe

ZDH-AppellAuch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) setzt sich für eine verlässliche Förderung für Bildungsstätten ein. Mehr dazu lesen Sie hier: ZDH fordert verlässliche Förderung für Bildungsstätten. Nach Berechnungen des Verbands fallen über die acht Lehrgangswochen der ÜLU fallen je Auszubildenden rund 7.100 Euro Lehrgangskosten an. "Selbst bei einer vollständigen Beteiligung von Bund und Ländern verbleiben rund 3.600 Euro beim Betrieb. Damit tragen die Ausbildungsbetriebe bereits heute mehr als die Hälfte der Lehrgangskosten", so der Verband. Hintergrund sei, dass die Grundstufe nicht vom Bund gefördert wird und sich die Kostensätze seit 1999 je nach Lehrgang auf das Doppelte bis nahezu Vierfache erhöht haben. Jede zusätzliche Kürzung verschiebe die Kosten zusätzlich zulasten der Betriebe. 

"Ausgebildet wird im Betrieb. Wer jetzt bei der fachlichen Qualifizierung unseres Nachwuchses spart, macht das Ausbildungsengagement für kleine Betriebe zur Kostenfrage – und das in einem Handwerk, das gegen den Trend ausbildet", sagt TSD-Präsident Thomas Radermacher. Hauptgeschäftsführerin Dr. Katharina Gamillscheg ergänzt: "Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der dualen Ausbildung. Sie stellt sicher, dass Auszubildende unabhängig von der Größe ihres Ausbildungsbetriebs alle wesentlichen Fertigkeiten und Technologien ihres Berufs erlernen. Sie ergänzt die betriebliche Ausbildung dort, wo einzelne Betriebe nicht alle Inhalte selbst vermitteln können."

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Stärken der Berufsbildung nicht infrage stellen

Der Tischlerverband fordert deswegen, den ÜLU-Bundeszuschuss für 2027 mindestens bei 90 Millionen Euro zu belassen. Die Förderpauschalen müssten so bemessen sein, dass der Betriebsanteil ein Drittel der tatsächlichen Kosten nicht übersteigt. Zudem müssen beide Förderlinien in der mittelfristigen Finanzplanung verankert und die ÜBS-Investitionsmittel wieder auf 55 Millionen Euro angehoben werden. Radermacher: "Der Bundestag hat die Mittel für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung für 2026 erhöht, die Länder haben nachgezogen. Diesen Weg gilt es fortzusetzen. Gerade in Zeiten, in denen Defizite im Bildungssystem offen zutage treten, dürfen wir die Stärken der beruflichen Bildung nicht infrage stellen", betont Radermacher.

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Text: / handwerksblatt.de

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