Navid Kermani (3. v. l.) erhielt die Europapreis des Handwerks im Kölner Rathaus.

Navid Kermani (3. v. l.) erhielt die Europapreis des Handwerks im Kölner Rathaus. (Foto: © Lars Heidrich)

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Europapreis des Handwerks für Navid Kermani

In einer Feierstunde überreicht das nordrhein-westfälische Handwerk seinen Europapreis 2026 an den Publizisten und Intellektuellen Navid Kermani für sein Engagement und Wirken für Europa.

In einer Feierstunde überreicht das nordrhein-westfälische Handwerk seinen Europapreis 2026 an den Publizisten und Intellektuellen Navid Kermani für sein Engagement und Wirken für Europa.

Um die Welt ist es derzeit nicht gut bestellt, angesichts all ihrer kriegerischen Auseinandersetzungen, den Handelskonflikten und dem Abdriften in rechte, autoritäre Richtungen. Umso wichtiger werden Menschen, die für ein Europa als offene Wertegemeinschaft und als Freiheitsprojekt jenseits bürokratischer Hemmnisse kämpfen. Genau dafür steht Dr. Navid Kermani, dem in einer überreichte. "Kermani ist ein unbestechlicher, selbstkritischer Intellektueller, der die europäischen Werte stets verteidigt", sagte der Präsident von Handwerk.NRW Andreas Ehlert in seiner Laudatio.

Die Idee des Westens und Europas gründe auf universellen, säkularisierten Werten wie Pluralismus, Freiheit und Subsidiarität, so Ehlert. Europa müsse als politisches Freiheits- und Friedensprojekt verstanden und handlungsfähig gemacht werden und sich so auch in der Welt präsentieren. Hier setze Dr. Navid Kermani als untypischer Medienintellektueller an: Er reise, hinterfrage vorgefasste Meinungen und überzeuge durch unbestechliche intellektuelle Redlichkeit. Kermani setzt dem Huntingtonschen Konzept des "Kampfs der Kulturen" ein Modell der Verflechtung, gegenseitigen Inspiration und universellen Werteordnung entgegen. Aber: "Sie drängen uns nicht ihre Meinung auf, sondern zum Wahrnehmen der Welt", hob Ehlert Kermanis Rolle hervor.

Nachlassende Neugier auf die Welt

Navid Kermani Foto: © Lars HeidrichNavid Kermani Foto: © Lars Heidrich

Thomas Radermacher, Präsident der Handwerkskammer zu Köln, unterstrich das ebenso überzeugende wie kritische Engagement Navid Kermanis für Europa: "Navid Kermani zeigt, dass Europa Haltung verlangt – und dass sich diese Haltung lohnt. Mit seinen Texten stößt er wichtige Debatten an und macht deutlich, dass Vielfalt und gemeinsame Werte zusammengehören und eine große Stärke Europas sind. Auch im Handwerk arbeiten und lernen Menschen über Länder und Religionen hinweg Seite an Seite und bauen etwas auf. Dass Navid Kermani so eindrucksvoll für Europa wirbt, ist für uns ein Ansporn, unsere europäischen Werte täglich zu leben."

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Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester würdigte Kermani als "scharfsinnigen Beobachter unserer Zeit" und "unermüdlichen Handwerker des Wortes und des Geistes". "Seine Texte und Reden bauen Brücken zwischen Kulturen und Religionen und zeigen immer wieder, dass das europäische Friedensprojekt ein kostbares Gut ist. Sie erinnern uns daran, dass eine lebendige Demokratie und ein geeintes Europa keine Selbstverständlichkeiten sind. Die Stadt Köln verneigt sich vor Navid Kermanis Schaffen und freut sich mit ihm über diese bedeutende Auszeichnung."

In seiner Dankesrede würdigte Kermani das europäische Gesellschaftsmodell und seine sozialen, demokratischen und wirtschaftlichen Stärken. Zugleich warnte er vor zunehmender Ungleichheit, nachlassender Aufmerksamkeit für globale Entwicklungen und einem politisch geschwächten Europa. Er forderte mehr Geschlossenheit, damit Europa seine Werte und Interessen in einer veränderten Welt wirksam vertreten könne. "Denn Deutschland, Europa als Modell ist ins Wanken geraten", so Kermani. Probleme im Zusammenwirken der einzelnen Länder, Abstiegsängste, soziale Ungleichheit und der Vertrauensverlust in politische Institutionen setzen Deutschland wie auch Europa unter Druck.

"Nationalismus kann die Probleme nicht lösen"

Immer häufiger gelingt es nicht mehr, Krisen und ihre Ursachen rechtzeitig zu erkennen. Kermani nennt es die nachlassende Neugier auf die Welt. "Das Wissen von der Welt ist heute dramatisch weniger geworden als noch in zehn oder zwanzig Jahren", analysierte Kermani. Das ließe sich auch wissenschaftlich belegen. Er macht das am Beispiel der Hungerkatastrophe im Süden Madagaskars 2021 fest. "Das war die erste kausal diskutierbare, wandelbedingte Hungerkatastrophe weltweit," sagte der Publizist. "Obwohl unsere Lebensweise unmittelbar mit der Katastrophe dort zusammenhängt, bekommen wir so gut wie nichts damit, was dort passiert."

Dies weitete er auf weitere Bereiche aus, zeigte auf, dass die Fehler in der Neuzeit unmittelbare Folgen für alle hatten. Der Abzug aus Afghanistan etwa habe das Bild verbreitet, der Westen sei schwach – und Putin dazu veranlasst den Krieg in der Ukraine anzufangen. Globale Entwicklungen wirkten heute unmittelbar auf Europa zurück, etwa durch Fluchtbewegungen, Kriege, Pandemien, Klimafolgen und Lieferketten.

Aber er verbreitete auch Hoffnung: Europa verfüge weiterhin über wirtschaftliches Gewicht und ein attraktives Gesellschaftsmodell, das nur wegen Uneinigkeit und einer fehlenden gemeinsamen Außenpolitik hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibe. Seine Warnung: Nationalismus könne die Probleme nicht lösen, im Gegenteil: Nationale Alleingänge würden Europas Einfluss weiter schwächen. Eine handlungsfähige europäische Zusammenarbeit sei daher nötig, um gemeinsame Interessen und Werte zu schützen.

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Text: / handwerksblatt.de

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