Landesregierung im Dialog mit dem Handwerk
Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz und das Handwerk setzen zum Start der Legislaturperiode auf enge Zusammenarbeit. Ministerpräsident Gordon Schnieder hob die Bedeutung des Handwerks für das Land hervor.
Eine gemeinsame Sitzung des gesamten Landeskabinetts unter Vorsitz von Ministerpräsident Gordon Schnieder mit den vier rheinland-pfälzischen Handwerkskammern setzt gleich zu Beginn der Legislaturperiode ein deutliches Zeichen für die Bedeutung des Handwerks im Land. "Wir stehen vor großen Herausforderungen, den Wirtschaftsstandort fit für die Zukunft zu machen", betonte Schnieder zu Beginn der Sitzung und unterstrich die Bereitschaft der Landesregierung zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Handwerk.
Das Treffen fand im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Rheinhessen statt – und damit "mitten im Handwerk", wie Hans-Jörg Friese, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz, in seiner Begrüßung hervorhob. Während Landesregierung und Handwerksvertreter miteinander diskutierten, lief in den benachbarten Werkstätten und Unterrichtsräumen der Ausbildungsbetrieb weiter: Junge Menschen lernten und trainierten dort ganz praktisch handwerkliche Fertigkeiten.
Berufsorientierung und Ausbildung im Mittelpunkt
Einen Schwerpunkt der Gespräche bildeten Bildung, Berufsorientierung und Ausbildung. Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) betonte die besondere Bedeutung, die sie der Vorbereitung von Schülerinnen und Schülern auf das spätere Berufsleben beimisst. Berufsorientierung und ökonomische Bildung seien keine Themen, die sich an einem einzelnen Tag abhandeln ließen. Vielmehr müssten sie sich kontinuierlich durch die gesamte Schullaufbahn ziehen.
Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) zeigte sich erneut beeindruckt von der Bildungsinfrastruktur des Handwerks. Bei seiner Antrittsreise durch die Kammerbezirke habe er hochwertige und modern ausgestattete Bildungszentren erlebt. "Genau so muss man es machen, um jungen Menschen Wertschätzung in der Ausbildung entgegenzubringen", betonte Ebling. Zugleich bekannte er sich zur weiteren Unterstützung der Bildungszentren und der überbetrieblichen Ausbildung durch die Landesregierung.
Bürokratieabbau: Handwerk bietet Mitarbeit an
Finanzministerin Doris Ahnen (SPD), die künftig auch für das Thema Staatsmodernisierung zuständig ist, stellte den Anwesenden die ambitionierten Pläne der Landesregierung zum Bürokratieabbau vor. So sollen zunächst alle landesrechtlich angeordneten Berichts- und Dokumentationspflichten auf den Prüfstand gestellt und nur diejenigen beibehalten beziehungsweise neu geregelt werden, die tatsächlich erforderlich sind.
Auch bei den Formerfordernissen soll es deutliche Erleichterungen geben: Wo bislang ausgedruckte und unterschriebene Dokumente notwendig sind, soll künftig in vielen Fällen eine einfache E-Mail ausreichen.
"Wenn dieses Vorhaben gelingt, wäre das ein riesiger Schritt nach vorne", begrüßte Anja Obermann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Rheinhessen, die Pläne der Landesregierung. Gleichzeitig warb sie dafür, auch die konkreten Vorschläge des Handwerks zum Bürokratieabbau ernsthaft zu prüfen und die Erfahrungen der Betriebe in den weiteren Prozess einzubeziehen.
Gemeinsame Schwerpunkte vereinbart
Die Sitzung blieb dabei nicht beim grundsätzlichen Austausch. Landesregierung und Handwerkskammern verständigten sich unter anderem darauf, die Unternehmensnachfolge stärker gemeinsam in den Blick zu nehmen. Angesichts der demografischen Entwicklung und zahlreicher in den kommenden Jahren anstehender Betriebsübergaben soll das Thema stärker in den Fokus rücken. Auch bei der Vorsorge gegenüber hybriden Bedrohungen soll das Handwerk stärker einbezogen werden. Handwerksbetriebe können dabei sowohl bei der IT-Sicherheit als auch im Falle von Angriffen oder Störungen kritischer Infrastrukturen eine wichtige Rolle spielen.
Rundgang durch die Werkstätten des Berufsbildungszentrums
Zum Abschluss erhielt Ministerpräsident Schnieder bei einem Rundgang durch die Werkstätten des Berufsbildungszentrums einen unmittelbaren Einblick in die moderne Ausbildung des Handwerks. Dabei wurde sichtbar, wie selbstverständlich heute klassische handwerkliche Fähigkeiten, moderne Technik und zeitgemäße Ausbildungsmethoden miteinander verbunden werden – und mit welchem Engagement Auszubildende und Ausbilder dabei bei der Sache sind.
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Text:
Anja Obermann /
handwerksblatt.de
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