Ein Smartphone wird von einer Hand gehalten. Auf dem Display ist der Schriftzug "KI-Steuerungssystem" mit dem Zusatz "by conmeet" zu sehen. Der Hintergrund des Bildes ist in einem sanften, mintgrünen Farbton gehalten, der einen futuristischen Eindruck vermittelt. Die Darstellung des Smartphones und der Hand ist stilisiert, wobei die Hand in Schwarz gehalten ist, was einen starken Kontrast zum hellen Hintergrund bildet.

Das Start-up "conmeet" aus Borken (NRW) hat ein KI-Steuerungssystem speziell für Handwerks- und Bauunternehmen von zehn bis mehreren hundert Mitarbeitern entwickelt. (Foto: © conmeet/KI-generiert mit Midjourney)

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Die Renaissance des Hängeregisters

Betriebsführung

"conmeet" hat ein KI-Steuerungssystem speziell für Mittelständler entwickelt. Im Zentrum steht das komplette Projekt. KI-Agenten können viele Aufgaben übernehmen. Am 15. September lädt das Gründer-Trio zu einem Kongress auf Schloss Raesfeld ein.

Der Markt für Handwerker-Software ist groß – und er wächst weiter. In den vergangenen Jahren haben sich dort neben den etablierten Entwicklern auch zahlreiche Neugründungen versammelt – vor allem Start-ups, die sich mit einer schlanken Lösung an Kleinst- und Kleinbetriebe richten. Ein Segment scheint jedoch vernachlässigt worden zu sein. "Es gibt kein modernes ERP-System für mittelständische Handwerksbetriebe", hat Benedikt Kisner in der Phase festgestellt, als er seine Anteile am IT-Dienstleister "netgo" verkauft und danach Unternehmen beraten hat. 2023 machte er sich auf den Weg, die Marktlücke zu schließen. Er gründete gemeinsam mit Lennart Eckerlein und Leandro Ananias "conmeet".

"Die alten IT-Häuser haben ihre Software rund um die Belegarten Angebot, Auftrag, Rechnung oder Lieferschein gebaut. Wir fokussieren uns auf komplette Projekte", vergleicht Kisner. Den Unterschied bringt er mit sechs Worten auf den Punkt: "Wir sind vorgangsführend. Andere sind belegführend." Aus seiner Sicht ist dieser Ansatz effizienter. Überraschenderweise manifestiert er sich in einem altgedienten Relikt der Büroorganisation – dem Hängeregister. "Viele erfahrene Handwerker bemängeln, dass die Informationen inzwischen überall verteilt sind. In conmeet bündeln wir alle Informationen mittels einer sauberen und durchgängigen Datenstruktur in einem virtuellen Hängeregister."

Komplexe Prozesse, einfache Handhabung

Benedikt Kisner, CEO und Mitgründer von conmeet Foto: © conmeetBenedikt Kisner, CEO und Mitgründer von conmeet Foto: © conmeet

Im Kern besteht conmeet aus vier Vorgangsarten: Anfrage, Schnellprojekt, Projekt und Wartungsvertrag. Sie unterscheiden sich vor allem in der Anzahl der zur Verfügung stehenden Funktionen. "Die Prozesse im Handwerk sind hochkomplex. Unsere Software kann sie bewältigen, ist dabei aber einfach zu bedienen", sagt der CEO des Start-ups.

Dies setzt jedoch voraus, dass sich die User intensiv mit den Einstellungen in der Software beschäftigen. Der Leitgedanke: Wer die Prozessketten anfangs gut strukturiert, profitiert später von einem hohen Grad an Automatisierung. "Nimmt der Kunde ein Angebot an, kann automatisch eine Auftragsbestätigung vorbereitet oder direkt abgeschickt werden. Ist der Materialbestand eines Fahrzeugs unterschritten, wird der Mitarbeiter im Büro darüber informiert und kann neues bestellen. Hinkt ein Kunde mit den Zahlungen hinterher, setzt sich ein individuell abgestimmtes Mahnverfahren in Gang", nennt Benedikt Kisner drei Beispiele.

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Interne und externe Kommunikation

"Kommunikation spielt in conmeet eine sehr wichtige Rolle", betont er. E-Mails können direkt aus der Software heraus bearbeitet und versendet werden.

Für Monteure gibt es eine App. Darin sehen sie beispielsweise, welche Termine in der Firma und auf der Baustelle anstehen. Sie erhalten detaillierte Arbeitsanweisungen, greifen auf alle für einen Auftrag relevanten Informationen zu (zum Beispiel Kontaktdaten, Wartungshistorie, Pläne, Checklisten), können Arbeitszeiten eintragen, Urlaubsanträge stellen, Leistungen erfassen sowie Material anfordern und veranlassen, dass sie es beim Lieferanten abholen können. Kollegen und Kunden lassen sich per Chat oder E-Mail kontaktieren. "Es wird also kein WhatsApp oder Teams gebraucht", verdeutlicht der Geschäftsführer von conmeet.

"Lasst uns ein conmeet machen!"

Die Nutzer von conmeet können aber auch andere Unternehmen einladen. Darüber lässt sich etwa gemeinsam ein Bautagebuch führen, Mängel können protokolliert, Dokumente ausgetauscht oder Nachrichten in einem Projekt-Chat übermittelt werden. Weitere Funktionen dieser Art sollen folgen, um die Zusammenarbeit zwischen den Gewerken zu verbessern. Benedikt Kisner hat eine Vision: Er wünscht sich, dass "Lasst uns ein conmeet machen!" zum geflügelten Wort auf den Baustellen wird.

ZukunftskongressAm 15. September 2026 öffnet "conmeet" die Tore von Schloss Raesfeld (NRW) und lädt zum "conmeet://next Zukunfts-Kongress" ein. "Wir wollen mit der Branche ins Gespräch kommen, wohin sich KI-Steuerung für Handwerk und Bau in den nächsten Jahren entwickeln", erklärt CEO Benedikt Kisner. Inhaltliche Impulse liefern unter anderem conmeet-Markenbotschafter und Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen, Dr.-Ing. Christiane Bucher (Leiterin der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld) und Sebastian Kühn (Geschäftsführer von Kimeo Handwerk) sowie das conmeet-Führungsteam. Der Zukunftskongress beginnt um 9 Uhr und endet um 17:30 Uhr. Der Tag klingt mit einem exklusiven Steak-Tasting im Restaurant Mahl & Meute auf Schloss Raesfeld aus. Die Teilnahmegebühr beträgt 199 Euro (netto). Leser des Deutschen Handwerksblatts können kostenlos daran teilnehmen, indem sie bei der Online-Anmeldung bis zum 11. September 2026 den Code "weltmeister-steuern" eingeben. 

KI-Unterstützung fürs Büro

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein zentraler Bestandteil in conmeet. "Bei uns kann die KI bewusst all das steuern, was auch ein User steuern kann." Damit sich die digitalen Helferlein aber nicht verselbstständigen, erhalten sie klar definierte Anweisungen, die sie Schritt für Schritt penibel abarbeiten müssen. "Der Mensch kann Assistenten und Agenten im Hintergrund autonom arbeiten lassen, aber er alleine entscheidet, welche Rechte sie haben und wer die finale Kontrolle übernimmt."

Ein Mitarbeiter aus dem Büro des Handwerksbetriebs kann einen KI-Assistenten anweisen, die Kundendaten im System anzulegen, ein Angebot zu erstellen oder eine Aufgabe anzulegen. Ein KI-Agent ist in der Lage, Termine zu vereinbaren oder sich beim Großhandel nach Materialpreisen oder Artikeldaten zu erkundigen. Über eine Schnittstelle wie IDS Connect oder OMD gelangt er deren Online-Kataloge. Ist dies nicht möglich, versendet er entweder eine E-Mail mit einem Link, der zu einem Formular führt, oder der KI-Telefonassistent ruft direkt bei einem Lieferanten an. "Alles fließt in einer Tabelle zusammen und die Daten des Lieferantenmaterials werden automatisch mit denen des Betriebs verknüpft", hebt Kisner hervor und ergänzt: "In conmeet lassen sich verschiedene Agenten bauen, etwa ein Angebotskalkulations-, Stundenprüfungs- oder Lagerbestands-Assistent, die sogar miteinander interagieren können."

Der KI-Agent könnte Material auch direkt bestellen, doch dies stößt zurzeit an Grenzen. Der Grund: Viele Schnittstellen sind veraltet. Kisner hofft, dass sich bald flächendeckend die API-Schnittstelle als Standard durchsetzt.

Erfahrenere User dürften den MCP-Server nützlich finden. Er stellt eine Verbindung zwischen KI-Modellen und KI-Agenten mit externen Quellen her. Damit lassen sich etwa CRM-Systeme wie HubSpot oder Pipedrive sicher an das KI-Steuerungssytem anbinden.

InvestorenDie conmeet-Gründer Benedikt Kisner, Leandro Ananias und Lennart Eckerlein haben ihre Software von Mitte 2023 bis Ende 2025 eigenfinanziert entwickelt. Anfang 2026 nahmen sie zum ersten Mal externes Kapital auf. Im Rahmen einer Pre-Seed-Finanzierung über 1,3 Millionen Euro beteiligte sich der Venture-Capital-Fonds May Ventures an dem IT-Unternehmen aus Borken (NRW). Zudem schoss das Gründer-Trio eigenes Kapital dazu. Anfang August folgte eine Seed-Finanzierung der Venture Capital Investoren Smedvig Ventures und Reimann Investors in Höhe von sechs Millionen Euro.

conmeet kennenlernen

Es gibt keine kostenlose Demo-Version von conmeet. Erste Einblicke in den Leistungsumfang der Software erhalten Interessenten während eines rund einstündigen Termins. Dem können sich weitere anschließen. Wem das Produkt zusagt, der bindet sich für mindestens ein Jahr. Innerhalb der ersten zwei Monate besteht ein Rücktrittsrecht. "Die meisten Unternehmen schließen einen langfristigen Vertrag ab, um sich finanzielle Vorteile zu sichern", so Benedikt Kisner.

Preismodell der Software

Der Preis für die Nutzung von conmeet hängt in erster Linie von der Anzahl der User ab. Die KI-Agenten sollen extra berechnet werden. Geplant ist eine Grundgebühr. Der Tokenverbrauch soll zusätzlich berechnet werden. 

Betreute Implementierungsphase

Das Team von conmeet begleitet seine Kunden "sehr intensiv" bei der Migration der Daten. Die längste habe acht Tage gedauert – "bei einem Unternehmen mit dreistelliger Mitarbeiterzahl", so Kisner.

Zunächst werden zentrale Nutzer der Software mit deren Systemlogik vertraut gemacht. Diese Schulung dauert rund zwei halbe Tage. "Versierte User mit betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen kommen nach zwei produktiven Vier-Stunden-Blöcken wunderbar mit conmeet klar, können bereits damit arbeiten und ihr Wissen weitergeben", sagt der CEO des Start-ups. In einigen Fällen seien während der Implementierungsphase auch einzelne Module, jeweils innerhalb von ein bis zwei Stunden, nachgeschult worden.

Jederzeit ansprechbar ist ein digitaler Assistent, der sein Wissen aus einem Dokumenten-Pool von 4.500 Seiten schöpft. Neue Funktionen, die per Update hinzukommen, werden schriftlich oder mittels eines Videos erklärt.

KI im Handwerk Auf handwerksblatt.de finden Sie weitere aktuelle Anwendungsbeispiele für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Handwerk – etwa in unserer 16-teiligen Themen-Special "Künstliche Intelligenz im Handwerk – eine Assistenz namens KaI" oder beispielsweise in den Online-Artikeln "Angebote erstellen und nachkalkulieren mit KI" (Software "das programm"), "'Kiki' ist immer zu sprechen" (KI-Telefonassistenz von "Heykiki"), "Chatbot von handz.on unterstützt im Büro und auf der Baustelle" (Chatbot von "handz.on") oder "Alle Kommunikationskanäle in einem System bündeln" (KI-System vom Softwarehaus "plancraft").

Fokus auf Datensicherheit

Die Anwender von conmeet greifen über einen Internetbrowser und über eine App auf das KI-Steuerungssystem zu. Diese befindet sich in der Cloud verschiedener Rechenzentren in Europa. "Fallen Standorte aus, sind wir also immer noch online", betont Benedikt Kisner.

Das Start-up legt höchsten Wert darauf, dass die Daten seiner Kunden sicher sind. Für Vertrauen sollen entsprechende Prüfsiegel (ISO 9001, ISO/IEC 27001, 27017 und 27018) sorgen. "Damit sind wir momentan nach meinem Kenntnisstand der durchzertifizierteste Anbieter von Handwerkersoftware am Markt." 

Als Künstliche Intelligenz setzt conmeet zurzeit auf die Modelle von Anthropic. Sie werden auf einer eigenen Instanz gehostet. "Wir garantieren unseren Kunden, dass die KI ihre Daten nicht für Trainingszwecke nutzt", verweist Kisner auf entsprechende Vertragsvereinbarungen. Künftig möchte er den Nutzern weitere KI-Lösungen anbieten, die ähnlich leistungsfähig, aber günstiger als Anthropic sind. 

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Text: / handwerksblatt.de

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