Mit KI einfach mal anfangen
Håndverksgruppen hatte zum Kamingespräch eingeladen. Geht es um KI im Handwerk lautet die Botschaft: einfach mal ausprobieren.
Geht es um KI, ist die einhellige Meinung, dass es ohne sie nicht geht. Aber womit anfangen, was lässt sich von der Künstlichen Intelligenz tatsächlich wie umsetzen, wenn ich Kompetenz im Handwerk, aber nicht in der IT habe? Genau dieser spannenden Frage widmete sich das Kamingespräch (Chimney Chat) von Håndverksgruppen in Düsseldorf.
Marcel Martini, Geschäftsführer des KI-Spezialisten Susi&James GmbH, lieferte einen Überblick über KI für Handwerksbetriebe. Foto: © HåndverksgruppenTatsächlich setzt mittlerweile jeder zweite Betrieb KI im Unternehmen ein, allerdings in völlig unterschiedlichen Ausprägungen und Intensitäten. "Wichtig ist, dass jeder die KI als Werkzeug sieht, die die Arbeit vereinfachen und effizienter machen soll", sagt Marcel Martini, Geschäftsführer des KI-Spezialisten Susi&James GmbH. Größter Vorteil ist, dass die KI mittlerweile in der Lage ist, selbst Aktionen und Handlungen auszulösen, um ein vordefiniertes Ergebnis zu erzielen.
Mit einfachen Lösungen starten
Allerdings gilt auch: Lösungen müssen jeweils individuell an das Unternehmen angepasst werden, vor allem dann, wenn es um komplexere Strukturen geht, in die Tools von Software-Anbietern implementiert werden müssen. Anfangen lässt sich aber im Handwerk mit einfachen Produkten wie einem Smart Office, bei der KI als "Ersatz" für die Telefonzentrale einspringt. Die KI kann mittlerweile komplette Gespräche führen, Informationen abfragen und dabei mit bestehenden Programmen interagieren. Anrufer erhalten automatisch die gewünschten Informationen, selbst wenn es nur die Auskunft ist, dass der Chef sich telefonisch meldet – ohne von der KI genervt zu sein. Dann gilt allerdings, dass der Rückruf auch innerhalb von 24 Stunden erfolgen sollte.
Vier Stufen für den KI-Einsatz
Der Einstieg, so machte Martini deutlich, sollte langsam erfolgen. Dabei darf man auch nicht einen sorgsamen Umgang mit personenbezogenen Daten und Unternehmensknow-how vergessen. Sein KI-Unternehmen definiert vier Stufen:
Stufe 1: Nutzung typischer Services wie ChatGPT, Microsoft Copilot, Gemini oder Claude zu überschaubaren Kosten. Der Copilot kostet 30 Euro pro Monat, liefert beispielsweise Besprechungsberichte, fasst E-Mails zusammen oder kann in wenigen Minuten eine einfache Webseite erstellen.
Stufe 2: Low-Code-Automatisierung etwa mit Microsoft Power Automate oder Zapier, um Unternehmensprozesse per "Klicken, Schieben, Zusammenziehen" abzubilden. Damit lässt sich zum Beispiel eine Reklamation automatisch prüfen und an den Serviceleiter weiterleiten.
Stufe 3: Anbindung der eigenen Unternehmenssoftware.
Stufe 4: Komplette Eigenentwicklung einer KI, die allerdings sehr teuer ist und in erster Linie für Großunternehmen in Frage kommt.
Lebendige Diskussion
Intensive Diskussion rund um den Einsatz von KI gab es schon vor, aber auch nach dem Vortrag von Marcel Martini Foto: © HåndverksgruppenWie sehr das Thema den Handwerkern unter den Nägeln brennt, zeigte die anschließende Diskussion. Dabei geht im Handwerk vor allem um sinnvolle Einsatzfelder für eine KI. Sie sehen einen ersten Ansatz in der telefonischen Entlastung, wenn die KI hilft, stets elektronisch erreichbar zu sein. Auch bei der Baustellendokmentation kann die KI helfen, fehlende Angaben wie technische Details zu erkennen und gesprochene Texte wie Befunde oder Tätigkeiten in Vorlagen zu übertragen. Gleiches gilt für eine Angebotserstellung oder die Prüfung von Ausschreibungen.
Wie das in der Praxis funktioniert, zeigte eine Live-Demonstration mit Microsoft Copilot, bei der ein Kunde die Abweichungen von Angebot und Rechnung monierte. Der Prompt mit der Analysevorgabe der Kommunikation, der Abweichungen und der Formulierung einer freundlichen, ausführlichen Mail lieferte nach nicht einmal zwei Minuten aus den echten Daten eine gelungene Antwort – und sparte so dem Handwerker reichlich Zeit.
Die wiederum kann der Chef nutzen, um Mitarbeiter einzubinden, die ihn zum Beispiel im Social Media-Bereich unterstützen, etwa bei der automatisierten, KI-gestützten Formulierung und Gestaltung von Posts. "Pilotprojekte belegen klare Effizienzgewinne," so Martini. "Ein Mitarbeiter reduzierte die Zeit für ein Projekt um 60 Prozent allein durch KI-unterstützte Kalkulationen." Sein Fazit: "Geduld und Beständigkeit sind entscheidend für die Implementierung."
Für Håndwerksgruppen (HG) war es ein gelungener Auftakt, auch wenn die Veranstaltung noch mehr Teilmnehmer verdient hätte. Der Group CEO von HG, Øyvind Emblem, zeigte sich ebenso wie der Managing Director HG Deutschland, Sascha Gellrich, beeindruckt von der interessierten und praxisorientierten Diskussion rund um das Thema KI. "Damit haben wir einen entscheidenden Nerv getroffen", so Emblem. "Und ich glaube, dass wir unseren Partnern auch in dem Bereich entscheidende Impulse geben können."
Håndverksgruppen Håndverksgruppen (HG) ist der größte und am schnellsten wachsende Anbieter von Maler-, Bodenbelags-, Fliesenleger- und Maurerdienstleistungen. Seit ihrer Gründung 2020 hat HG ein Netzwerk aus mittlerweile über 170 Betrieben in Norwegen, Schweden, Dänemark und seit 2023 in Deutschland aufgebaut und sucht noch weitere Partner in Deutschland.
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Text:
Stefan Buhren /
handwerksblatt.de
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