Foto: © Handwerkskammer des Saarlandes
HWK des Saarlandes | August 2026
Fachkräftesicherung im Mittelpunkt
Arbeitsminister Dr. Magnus Jung war zu Besuch bei der Handwerkskammer des Saarlandes.
"Weiterhin haben 2,76 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. Und nicht einmal mehr 19 Prozent der Betriebe bilden aus – mit spürbaren Folgen für zu viele Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden. Arbeitgeber müssen endlich stärker in die Verantwortung – wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch ausbilden", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. (Foto: © goodluz/123RF.com)
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August 2026
Die DGB-Jugend hat den Ausbildungsreport 2026 veröffentlicht und fordert darin eine umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie, um allen jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen. Das Handwerk lehnt das ab.
Die DGB-Jugend hat ihren neuen Ausbildungsreport vorgestellt. Darin berichtet sie von einem Rückgang der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2025 um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zurückzuführen sei diese Entwicklung auf die Rückgänge bei den betrieblichen Ausbildungsverträgen und das geringere betriebliche Ausbildungsangebot. Gleichzeitig sei die Nachfrage junger Menschen nach einer Ausbildung leicht um 0,7 Prozent gestiegen. Die Zahl der erfolglos suchenden Ausbildungsbewerber sei im Vergleich zu 2024 um 19,9 Prozent gestiegen. Unbesetzte Ausbildungsstellen gebe es weniger – die Zahl ging um 21,6 Prozent zurück.
Einen deutlichen Einbruch habe es bei der Ausbildungszufriedenheit gegeben. "Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der Auszubildenden, die mit ihrer Ausbildung "zufrieden" oder sogar "sehr zufrieden" sind, um 5,9 Prozentpunkte zurückgegangen und erreicht mit 65,7 Prozent den niedrigsten jemals im Rahmen des Ausbildungsreports ermittelten Wert", heißt es in dem Report. "Die duale Berufsausbildung ist und bleibt ein Erfolgsmodell", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Umso wichtiger sei, dass alle jungen Menschen eine echte Chance auf einen Ausbildungsplatz bekommen.
Hannack weiter: "Doch weiterhin haben 2,76 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. Und nicht einmal mehr 19 Prozent der Betriebe bilden aus – mit spürbaren Folgen für zu viele Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden. Arbeitgeber müssen endlich stärker in die Verantwortung – wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch ausbilden." Sie fordert deshalb eine bundesweite umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie, die Ausbildungskosten solidarisch verteilt, ausbildende Betriebe stärkt und alle Betriebe in die Verantwortung nimmt.
Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), verweist auf die "deutlich gestiegenen" neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk im ersten Halbjahr dieses Jahres. Dies spreche für die Attraktivität der dualen Ausbildung. "Wie positiv die Ausbildung in den Betrieben von den Auszubildenden selbst bewertet wird, belegt auch eine im Juli veröffentlichte Studie, wonach neun von zehn Auszubildenden angaben, mit ihrer Ausbildung im Betrieb zufrieden zu sein. Die große Mehrheit bescheinigt ihren Ausbilderinnen und Ausbildern umfassende Fachkenntnisse und die Fähigkeit, dieses Wissen gut und verständlich zu vermitteln."
Das bedeute aber nicht, dass es keine Herausforderungen gibt. Immer mehr Schulabgänger kämen mit erheblichen Lücken bei Grundkompetenzen und Sprachkenntnissen in die Ausbildung. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen der Berufsbilder. Schwannecke: "Handwerksbetriebe übernehmen hier bereits viel Verantwortung und unterstützen junge Menschen vielfach weit über die eigentliche Ausbildung hinaus. Zugleich bleiben gerade in kleinen Betrieben zu viele Ausbildungsplätze wegen fehlender Bewerbungen unbesetzt. Umso wichtiger sind eine gute Berufsorientierung, die Förderung von Grund- und Sprachkompetenzen sowie Instrumente, die Jugendliche und Betriebe zusammenbringen."
Der ZDH-Generalsekretär kritisiert in dem Zusammenhang das geplante Auslaufen des Programms "Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen" Ende 2027, obwohl die Passungsprobleme noch nicht gelöst seien. "Für viele junge Menschen entscheidet sich schon an der Frage, ob sie eine Wohnmöglichkeit am Ausbildungsort finanzieren und sich den täglichen Weg zum Betrieb oder zur Berufsschule leisten können, ob sie eine Ausbildung antreten können. Deshalb braucht es bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen in der Ausbildung, etwa durch mehr Azubi-Wohnheime und gezielte Wohnkostenzuschüsse. Ebenso muss für eine von Auszubildenden bezahlbare Mobilität gesorgt werden."
Die vom DGB geforderte Ausbildungsumlage lehnt der ZDH ab. "Sie bietet für keine der bestehenden Herausforderungen einen überzeugenden Lösungsansatz und würde die Betriebe in einer ohnehin schwierigen Phase mit an vielen Stellen zunehmenden Belastungen zusätzlich belasten", erklärt Schwannecke. Statt weiterer finanzieller Lasten für die Betriebe seien gezielte Maßnahmen am Übergang von der Schule in Ausbildung und zur Behebung von Passungsproblemen nötig. Dazu gehöre eine Stärkung der Berufsorientierung, eine intensive Förderung von Grund- und Sprachkompetenzen und ein besseres Matching auf dem Ausbildungsmarkt.
Entscheidend sei, die Betriebe bei ihrer Ausbildungsleistung zu unterstützen, statt ihnen zusätzliche Belastungen aufzuerlegen. "Betriebe müssen bei ihrer Ausbildungsleistung verlässlich unterstützt werden. Dazu gehört auch eine angemessene Finanzierung der handwerklichen Bildungsstätten, den Hochschulen des Handwerks. Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, die in diesen Bildungsstätten stattfindet, ist ein unverzichtbarer Bestandteil des dualen Systems. Wer das hohe Ausbildungsengagement des Handwerks erhalten und weiterentwickeln will, muss dafür auch die notwendigen Mittel bereitstellen."
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