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"Olympianorm" für Teilnehmer der WorldSkills

Bei den WorldSkills 2017 war die Medaillenausbeute relativ überschaubar. Hubert ­Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Germany, erklärt, wie man künftig wieder zur Spitze aufschließen will.

Foto: © WorldSkills Germany/Laura Herrmann

Handwerksblatt: Keine Goldmedaille, einmal Silber, zweimal Bronze, 17 Exzellenzauszeichnungen. Die Bilanz der WorldSkills 2017 ist im Vergleich zu den Vorjahren eher mager ausgefallen. Welche Konsequenzen haben Sie und die Fördermittelgeber daraus gezogen?
Romer: Wenn man die Statistiken genau anschaut, lässt sich erkennen, dass es eine Medaille weniger ist, als in Sao Paulo. Und wenn man den Vergleich bis 2007 zurück geht, lässt sich tatsächlich ein Rückgang erkennen, aber nicht im Sinne eines Quantensprungs.

Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Welt deutlich besser geworden ist und die Standards in einigen Ländern sehr hoch sind. Wir haben bereits seit 2014 konsequent begonnen, an allen möglichen Stellen und Positionen Optimierungen vorzunehmen. Wichtigstes Element hierbei ist die Einführung einer Qualifizierungsnorm, die ein Teilnehmer erfüllen muss, sonst kann eine Teilnahme nicht stattfinden. Man kann das mit einer Olympianorm vergleichen. Trainingspläne wurden ausgeweitet und bindend festgelegt. Es wird verstärkt auf die Schlüsselpunkte hin trainiert. Alle Experten sind dauerhaft in engem Kontakt und Austausch. internationale Vergleichswettbewerbe wurden ins Training aufgenommen.

Neben den fachlichen Trainings sind auch Mentaltrainings angesetzt, um die Teilnehmer mit allen Kompetenzen auszustatten, die sie benötigen. Der Fördermittelgeber hat weiterhin eine finanzielle Unterstützung ermöglicht, die zusätzliche Trainings und Investitionen zulassen. Mit all diesen Mitteln wollen wir zur oberen Gruppe aufschließen. Wunder dürfen wir aber nicht sofort erwarten, bei den aktuellen Möglichkeiten, die nach wie vor begrenzt sind. WorldSkills Germany wird von sehr viel Ehrenamt und Enthusiasmus getragen. Und hier leisten alle Beteiligten Großartiges!
 
Handwerksblatt: Kann es sein, dass es in Deutschland bei der Vorbereitung in Sachen Intensität und Professionalität ein großes Gefälle zwischen den Berufen gibt?
Romer: Die einzelnen Disziplinen sind tatsächlich – auch historisch bedingt – unterschiedlich aufgestellt. Das hängt davon ab, ob ein ganzer Verband aktiv dahinter steht oder ob kleinere Gruppen aktiv an WorldSkills arbeiten. Wir arbeiten auch hier seit Jahren daran, den Skills eine Unterstützung zukommen zu lassen und mit ihnen gemeinsam Strukturen aufzubauen. Das geht aber leider nur in dem Maße, wie unsere Ressourcen es zulassen. Auch braucht es seine Zeit, bis alles Früchte trägt.

Handwerksblatt: Man hört von Staaten, die ihre Teilnehmer sehr früh für internationale Wettkämpfe wie die WorldSkills nominieren und regelrecht drillen, damit sie beim Wettbewerb erfolgreich abschneiden. Viele deutsche Starter können diesen Aufwand gar nicht betreiben, weil sie "nebenher" noch arbeiten müssen. Sind die Leistungen bei den WorldSkills überhaupt noch vergleichbar?
Romer: Die gleiche Frage könnte ich Ihnen bei den olympischen Spielen stellen! Ist es dort nicht Dasselbe? Es gibt auch im Spitzensport zahlreiche unterschiedliche Standards und Grundvoraussetzungen – von Land zu Land unterschiedlich.

Sehen wir es doch einmal so: Experten aus allen Ländern, auch die Deutschen, Österreicher oder Schweizer, haben sich im Vorfeld darauf geeinigt, festzulegen, wie man Exzellenz und berufliches Talent messen und feststellen kann. Auf dieser Basis werden Wettkampfaufgaben erstellt, die von einer Jury nach fest vorgegebenem Bewertungsraster bewertet werden. Somit sind die Ergebnisse vergleichbar. Viele Nationen haben bekanntermaßen unterschiedliche Ausbildungssysteme. Wenn ein Auszubildender dabei ganztägig in einem College geschult wird, kann er oder sie auch ganztägig an WorldSkills-Themen trainieren, wenn die Aufgabe gestellt ist. Von Drill will ich nicht sprechen. Auch, weil die Aufgaben in immer mehr Skills geheim sind. Man kann sich nicht mehr zu 100 Prozent vorbereiten, wie es eventuell früher möglich war.

Aber auch hier die Frage an Sie: würden Sie einem österreichischen Skispringer das vorwerfen wollen, wenn er sich intensiv auf die Vierschanzentournee vorbereitet? Kann man einem Athleten vorwerfen, dass er sich intensiv vorbereitet? Ich spreche hier zum Beispiel ganz konkret von einer Teilnehmerin einer mitteleuropäischen Skills-Nation, die sich 2016 mehr als doppelt so viel auf ihren Wettbewerb vorbereitet hat, als alle anderen Teilnehmer. Sie gewann verdient Gold. Kann man ihr diesen „Drill“ vorwerfen?

Handwerksblatt: Welche neuen Skills werden in Kasan als Demonstrationswettbewerb vertreten sein?   
Romer: Der Skill "Water Technology" hat sich im Vergleich zu Abu Dhabi inzwischen als regulärer Skill etabliert (Skill Nr. 55). Es ist geplant, dass Deutschland in den "Future Skills" Industry 4.0 (2er Team) und Robot System Integration (1 Teilnehmer/in) teilnimmt.

Text: / handwerksblatt.de
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