Steigende Material- und Energiekosten können den kalkulierten Gewinn aufzehren. Handwerksbetriebe sollten deshalb auch bereits vereinbarte Aufträge regelmäßig nachrechnen.

Steigende Material- und Energiekosten können den kalkulierten Gewinn aufzehren. Handwerksbetriebe sollten deshalb auch bereits vereinbarte Aufträge regelmäßig nachrechnen. (Foto: © alexraths/123RF.com)

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Steigende Kosten im Handwerk: Wenn Aufträge zum Verlustgeschäft werden

Teure Energie, steigende Materialkosten, zurückhaltende Kunden: Im Handwerk drohen kalkulierte Aufträge zum Verlustgeschäft zu werden. Beispiele aus dem Dachdecker- und Bäckerhandwerk zeigen die Folgen.

Die nächste Kostenwelle rollt durch Werkstätten, Backstuben und über Baustellen. Im August 2026 lagen die Importpreise um 8,3 Prozent über dem Vorjahresniveau – der stärkste Anstieg seit Dezember 2022. Importierte Energie verteuerte sich um 43 Prozent, Vorleistungsgüter um elf Prozent, meldet das Statistische Bundesamt (destatis).

Teure Energie frisst die Marge

Besonders kräftig stiegen die Importpreise für Energie: Strom war im August 2026 um 63,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Erdgas um 41,9 Prozent. Bei Diesel und leichtem Heizöl betrug der Anstieg 80,9 Prozent, bei Motorenbenzin 52,1 Prozent. Das erhöht den Kostendruck auf Backstuben, Werkstätten und betriebliche Fuhrparks.

Die Importpreissteigerungen schlagen allerdings nicht eins zu eins auf Energie-, Tank- oder Lieferantenrechnungen durch. Wie stark einzelne Betriebe belastet werden, hängt von ihren Lieferverträgen und Beschaffungszeitpunkten ab. Wo Verkaufspreise bereits feststehen und Einkaufskosten steigen, schrumpft jedoch der kalkulierte Gewinn.

Dachdecker: Fest kalkuliert, teuer eingekauft

Dachdecker Thomas Märkl schilderte dem Fachmagazin DDH bereits im April 2026, wie kurzfristige Materialpreissteigerungen seine Kalkulation belasteten: Bei Bitumen und Dämmstoffen seien die Preise zunächst um zehn bis 15 Prozent erhöht worden; für Anfang Mai waren weitere Aufschläge von zwölf bis 18 Prozent angekündigt. Sein Betrieb kalkuliere Angebote und Aufträge mit mehreren Monaten Vorlauf. Das Beispiel zeigt, wie aufeinanderfolgende Preisrunden einen bereits kalkulierten Gewinn aufzehren können. Die genannten Aufschläge beziehen sich auf die damalige Situation.

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Wie schnell der Gewinn verschwindet, zeigt eine Modellrechnung mit angenommenen Nettobeträgen: Ein Auftrag bringt 100.000 Euro Umsatz bei 95.000 Euro kalkulierten Kosten, davon 30.000 Euro für Material. Steigen allein die Materialkosten um 20 Prozent, kommen 6.000 Euro hinzu. Aus 5.000 Euro geplantem Überschuss werden bei unverändertem Auftragspreis 1.000 Euro Verlust.

Lieferprobleme verschärfen die Lage. In einer im Mai veröffentlichten ZVDH-Umfrage unter mehr als 900 Innungsbetrieben berichteten zwei Drittel der Teilnehmer von Verzögerungen. Teilweise mussten Baustellen unterbrochen werden. Zusätzliche Anfahrten und Umplanungen können die Kosten weiter erhöhen.

Kupfer: Der Zuschlag entscheidet mit

Elektro-, SHK- und Metallbetriebe geraten ebenfalls unter Druck. Die Importpreise für Kupfer und Halbzeug daraus stiegen laut Statistischem Bundesamt um 38,1 Prozent, für Aluminium und entsprechende Halbzeuge um 22,3 Prozent.

Beim Kabelhersteller Lapp lässt sich nachvollziehen, wie Metallpreise den Einkauf beeinflussen: Auf Kabel und Leitungen werden Metallzuschläge erhoben, berechnet aus Metallpreis und kalkulatorischem Metallgewicht. Für Elektrobetriebe mit großen Kabelmengen kann deshalb schon ein veränderter Zuschlag die Kalkulation empfindlich treffen. Der Importpreisanstieg ist dabei keine pauschale Verteuerungsrate für fertige Kabel oder Rohre.

Bäckereien: Mehrkosten trotz abgesicherter Energie

Auch langfristige Verträge schützen nur einen Teil der Ausgaben. Andreas Schmitt, Inhaber der "Café Ernst Bäckerei & Konditorei" in Neu-Isenburg mit 23 Filialen und zwei Produktionsstätten, hat Gas und Strom langfristig abgesichert. Dennoch rechnet er laut DHZ bei Heizöl und Kraftstoff mit mehreren tausend Euro zusätzlichen Kosten pro Monat. Wegen der Kaufzurückhaltung könne er die Belastung nur schwer weitergeben.

Zwar wurden importierte Nahrungsmittel laut Statistischem Bundesamt im August durchschnittlich um 7,4 Prozent günstiger. Ob das einen einzelnen Betrieb entlastet, hängt aber von Zutaten und Lieferkonditionen ab. Günstigerer Rohkakao bezahlt nicht automatisch die höhere Tankrechnung.

Die Kosten steigen, die Kunden sparen

Der Spielraum für höhere Verkaufspreise ist eng. Im ZDH-Konjunkturbericht für das zweite Quartal lagen die Umsatzindikatoren aller Gewerkegruppen im negativen Bereich. Gleichzeitig erreichte der Absatzpreisindikator ein Vierjahreshoch. Damit stehen Betriebe vor einer schwierigen Entscheidung: Höhere Preise können Kunden abschrecken; unveränderte Preise können den Gewinn aufzehren. Teureres Material bindet zudem mehr Geld, bevor der Auftrag bezahlt ist.

Aktuelle Einkaufskonditionen, belastbare Lieferzusagen und die Nachkalkulation laufender Aufträge werden deshalb entscheidend. Denn ein voller Auftragsbestand hilft wenig, wenn die Aufträge beim Einkauf ihren Gewinn verlieren.Checkliste: Was Betriebe jetzt prüfen sollten✓ Einkaufspreise aktualisieren: Vor neuen Angeboten aktuelle Lieferantenpreise, Frachtkosten und Metallzuschläge abfragen. Klären, wie lange die Konditionen verbindlich gelten. Bei Kabeln und Leitungen den Kupfer- oder Aluminiumzuschlag gesondert berücksichtigen.

✓ Energieverträge prüfen: Laufzeiten, Kündigungsfristen und das Ende von Preisbindungen prüfen. Für auslaufende Strom- und Gasverträge rechtzeitig Vergleichsangebote einholen und mögliche Mehrkosten einplanen. Die Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz empfiehlt, Energieverträge regelmäßig zu überprüfen.

✓ Offene Aufträge nachrechnen: Für noch nicht ausgeführte Leistungen die kalkulierten Kosten mit den aktuellen Einkaufskonditionen vergleichen. Wo der Gewinn gefährdet ist, frühzeitig das Kundengespräch suchen. Bereits vereinbarte Festpreise lassen sich grundsätzlich nicht einseitig erhöhen, betont die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.

✓ Liquidität sichern: Ermitteln, wie viel zusätzliches Geld der teurere Materialeinkauf bis zum Zahlungseingang bindet. Lieferantenzahlungen und erwartete Kundenzahlungen im Liquiditätsplan gegenüberstellen. Bei absehbaren Engpässen frühzeitig mit der Hausbank sprechen und prüfen, ob mit den Kunden Anzahlungen oder Teilzahlungen vereinbart werden können.

✓ Neue Angebote absichern: Eine klare, möglichst kurze Angebotsbindefrist festlegen und mit den Preisbindungen der Lieferanten abstimmen. Bei länger laufenden Aufträgen prüfen, ob eine Preisanpassungsklausel vereinbart werden kann. Solche Klauseln vor der Verwendung rechtlich prüfen lassen: Besonders bei Verbraucherverträgen und vorformulierten Vertragsbedingungen gelten strenge Anforderungen. Eine kurze Angebotsbindefrist begrenzt die Zeit bis zur Annahme; vor Kostensteigerungen während der späteren Ausführung schützt sie allein nicht.

Quelle: Destatis, DDH, DHZ, ZVDH, ZDH, eigene Recherche

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Text: / handwerksblatt.de

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