Der Luxuriöse: Sushi mit Spätzle

Mercedes steigt als erster Premiumhersteller ins Pick-up-Geschäft ein: Die neue X-Klasse will nicht nur in unwegsamem Gelände als ein robustes Arbeitstier gelten, sondern auch für frischen Lifestyle sorgen.

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Handwerk
Mit der Mercedes X-Klasse steigt die erste Premiummarke ins Pick-Up-Segment ein. Foto: © Mercedes

Knietiefer Matsch, staubige Wüstenpisten und holprige Gebirgswege: Für solche Härtefälle sind die mittelgroßen Pick-ups bestens geeignet, bei uns sind sie daher eher selten anzutreffen. In Südamerika oder Asien verkaufen sich dagegen Pritschenwagen regelrecht wie geschnittenes Brot. Dort sind sie auf den Straßen sowie abseits befestigter Wege nicht mehr wegzudenken. Das ging auch nicht unbemerkt an den Schwaben vorbei, die sich mit der neuen X-Klasse jetzt auch ein großes Stück vom Kuchen abzuschneiden wollen. Mit seinem großen Stern im Kühlergrill und seinem athletischen Design ist der Schwabe auf Anhieb als ein typischer Mercedes auszumachen. Die technische Plattform und die Motoren teilt sich die X-Klasse jedoch mit dem Nissan Navara und rollt mit ihm zusammen in Barcelona vom Band. Trotzdem ist der Mercedes anders als der Pick-up des japanischen Allianzpartners. Die Schwaben haben ihren 5,34 Meter langen Lastesel umfassend überarbeitet und möchten ihn nicht nur in der Arbeitswelt zwischen Zementsäcken und Blumenerde platzieren. Was für Bauarbeiter oder Gärtner taugt, soll auch für den Familienalltag gut sein. Deshalb bietet Mercedes seinen Pick-up ausschließlich als Doppelkabine an und verbreiterte zusätzlich die gesamte Mercedes-Karosserie um fünf Zentimeter. Das sorgt für ein gutes Raumgefühl mit besserer Schulterfreiheit als im Nissan und auf die Ladefläche passt jetzt eine Europalette quer zwischen die Radkästen. Die Nutzlast beträgt bis zu 1,1 Tonnen, das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 3.250 Kilogramm.

Bis zu fünf Personen haben in der X-Klasse Platz. Der Einstieg in den Pick-up erfolgt über weit öffnende Türen und man thront auf bequemem Mobiliar. Das Lenkrad lässt sich zwar nur in der Höhe verstellen, trotzdem findet der Fahrer eine optimale Sitzposition vor. Genauso wie außen erinnert innen nichts an die Verwandtschaft zum Nissan. Das eigenständige Cockpit wurde Mercedes-like gestaltet und verbreitet viel Flair. Die Bedienung erschließt sich auf Anhieb, gleiches gilt auch für das weit oben positionierte Multimediasystem mit seinem großen Touchscreen. Auf Wunsch ist eine Rückfahrkamera oder eine 360-Grad-Kamera erhältlich. Für weitere Sicherheit an Bord sorgen Fahrerassistenzsysteme wie der Spurhalter oder eine Verkehrszeichenerkennung. Die verwendeten Materialien wirken insgesamt sehr ansprechend. Einzig im unteren Bereich des Cockpits zeigt die X-Klasse mit ihren harten Kunststoffen, dass hier der Rotstift seine Runden drehte.

Nichts für Sparfüchse: die Mercedes X-Klasse

Das beim Navara verwendete Fahrwerk modifizierten die Schwaben für ihre X-Klasse. Eine um 70 Millimeter verbreiterte Spur in Verbindung mit einer direkter ansprechenden Lenkung soll für mehr Fahrdynamik sorgen. Und tatsächlich: Die X-Klasse fährt sich eher wie ein handlicher Pkw als ein Nutzfahrzeug und bleibt dank umfassender Geräuschdämmung angenehm leise. Auch der Fahrkomfort ist ordentlich, da an der Hinterachse anstelle von Blattfedern beim Mercedes generell Schraubenfedern verwendet werden. Staubige Buckelpisten und schweres Gelände sind für den Schwaben mit japanischen Genen ebenfalls kein Problem. Allerdings lässt sich der Allrad mit Geländeuntersetzung nicht während der Fahrt hinzu- oder abschalten. Dazu muss die X-Klasse bis zum Stillstand herunter gebremst werden.

Für Sparfüchse unter den Gewerbetreibenden ist aber auch dieser Mercedes nichts. Erst für mindestens 31.340 Euro netto wechselt das Basismodell mit 163 PS seinen Besitzer. Bei der Vierzylinder-Einstiegsvariante ist Heckantrieb Standard, der zuschaltbare Allrad kostet 1.530 Euro mehr. Zum Vergleich: Den gleichstarken Nissan Navara gibt’s mit Doppelkabine und stets serienmäßigem 4x4 schon für verhältnismäßig günstige 26.143 Euro. Auch ein VW Amarok ist gegen den Mercedes fast schon ein Schnäppchen und startet als Viertürer mit seinem V6-TDI und ebenfalls 163 Pferdestärken bereits bei 25.720 Euro. Neben dem Basismotor kann die X-Klasse mit dem hubraumgleichen 2,3-Liter Diesel und 190 PS bestellt werden. In der stärkeren Variante lässt sich das Sechsganggetriebe gegen eine Siebenstufen-Automatik austauschen. Neben den von Nissan gelieferten Triebwerken startet mit dem X 350 d im nächsten Sommer auch der einzige Mercedes-Motor. Er leistet 258 PS und verfügt über ein Drehmoment von 550 Newtonmetern. Beim neuen Topmodell sind eine Siebenstufen-Automatik von Mercedes sowie ein permanenter Allradantrieb serienmäßig.

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