Im Werk Sevel entstehen Transporter im Akkord.

Im Werk Sevel entstehen Transporter im Akkord. (Foto: © Stellantis)

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Weiße Ware im Eiltempo

Der Fiat Ducato und seine baugleichen Geschwister von Citroën, Opel und Peugeot sind aus dem Handwerk nicht mehr wegzudenken. Aber wie entsteht eigentlich ein Nutzfahrzeug? Wir haben uns die Stellantis-Fabrik in Italien näher angeschaut.

Jede Minute rollt ein nagelneuer Transporter vom Band. In 15 Schichten pro Woche. Die leichten Nutzfahrzeuge der Stellantis-Gruppe heißen Citroën Jumper, Fiat Ducato, Opel Movano, Vauxhall Movano oder Peugeot Boxer. Leichte Nutzfahrzeuge wie die baugleichen Modelle entstehen am Fließband im Akkord. Aufgereiht wie an einer Perlenschnur ziehen silberfarbenen Rohkarossen von Citroën, Fiat, Opel, Vauxhall und Peugeot auf mehreren Etagen vorüber. Dabei ist es egal, ob auf dem Montageband gerade ein Kastenwagen, ein Bus, eine Pritsche oder einfach nur ein Fahrgestell gefertigt wird.

Eine logistische Herausforderung

Ein Arbeiter baut das Cockpit in den Transporter ein. Foto: © StellantisEin Arbeiter baut das Cockpit in den Transporter ein. Foto: © Stellantis

Auf dem 1,2 Millionen Quadratmeter großen Gelände nahe der Adriaküste entstehen am Fließband baugleiche Transporter. Ob als Kastenwagen in verschiedenen Längen und Höhen bis hin zur Schwerlastversion mit einer Nutzlast von gut 4,2 Tonnen. Hinzu kommen verschiedene gewerbliche Aufbauten, als Kühltransporter, Pritschenwagen oder beispielsweise als reines Fahrgestell. Schließlich dient im privaten Bereich insbesondere der Ducato als eine beliebte Basis für Reisemobile.

Die extreme Vielfalt der leichten Nutzfahrzeuge stellt eine große logistische Herausforderung dar und der Entstehungsprozess ist sehr komplex. Denn neben den unterschiedlichen Radständen und Aufbauten kommen noch zahlreiche Ausstattungskombinationen in Sachen Sitze, Cockpitausführungen hinzu. Auch die etlichen Personalisierungsmöglichkeiten machen die Angelegenheit nicht gerade einfacher.

Das italienische Werk Sevel, offiziell als Società Europea Veicoli Leggeri bekannt, liegt in den Abruzzen nahe der Gemeinde Atessa, rund zweieinhalb Autostunden von der Hauptstadt Rom entfernt. Das Werk wurde 1981 als Joint Venture zwischen Fiat und Citroën/Peugeot (PSA) gegründet und ist heute die weltweit größte Fabrik für leichte Nutzfahrzeuge. Insgesamt wurden hier bereits mehr als 7,3 Millionen Fahrzeuge hergestellt. Für die wirtschaftlich schwache Region Atessa ist das mehr als nur ein Segen. Aber auch für den Stellantis-Konzern, der mit seinen 14 verschiedenen Marken der fünftgrößte Automobilhersteller der Welt ist und rund ein Drittel seines Nettoumsatzes mit leichten Nutzfahrzeugen erwirtschaftet.

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Qualitätsprüfung mit hohem Frauenanteil

Am Montageband geht es überraschend ruhig zu. Foto: © StellantisAm Montageband geht es überraschend ruhig zu. Foto: © Stellantis

Dabei entfallen rund die Hälfte aller in Atessa produzierten Karosserievarianten auf den Kastenwagen, knapp über 40 Prozent sind Basisfahrzeuge für Wohnmobile, die von den Reisemobilherstellern anschließend individuell aufgebaut werden und 11 Prozent sind Spezialumbauten, wie Kleinbusse, Kipper oder etwa Pritschenwagen. Rechnet man alle unterschiedlichen Versionen zusammen, ergeben sich insgesamt 247 Karosserievarianten. Bei den Motoren steht der 2,2-Liter-Turbodiesel in drei Leistungsstufen zur Wahl, der mit einem Handschalter oder mit einer neuen Achtstufenautomatik kombiniert werden kann.

Von der enormen Vielfalt ist in der Fabrik nichts zu spüren. Die 740 Roboter verrichten ihre Arbeit mit Bravour, schweißen die Rohkarossen zusammen, und die vielen Arbeiter am Fließband strahlen eine beruhigende Ruhe aus. Jeder Handgriff sitzt. Professionell, aber auch sehr leise geht es zu. Und nichts wird dem Zufall überlassen. Es gibt mehrere Kontrollebenen, an denen Messtoleranzen und Qualität immer wieder überprüft werden. Meist von weiblichen Mitarbeitern, die mit geschultem Blick prüfen, ob alles richtig montiert wurde. Der Frauenanteil liegt übrigens bei hohen 20 Prozent.

Alternative Antriebe von elektrisch bis Wasserstoff

Für die baugleichen Modelle von Citroën, Fiat, Opel und Peugeot gab es jüngst ein Facelift. Foto: © StellantisFür die baugleichen Modelle von Citroën, Fiat, Opel und Peugeot gab es jüngst ein Facelift. Foto: © Stellantis

Die aktuelle Nutzfahrzeuggeneration ist seit 2006 auf dem Markt und wurde im Laufe der Jahre immer wieder modellgepflegt. Die jüngste Aktualisierung ist gerade erfolgt. Von außen präsentieren sich die Modelle von Citroën, Fiat, Opel, Peugeot sowie Vauxhall und optisch aufgefrischt, im Innenraum gibt es neue Technologien. Zum Beispiel ein digitales Kombiinstrument oder neue Telematikdienste.

Im Werk Atessa werden seit kurzem auch vollelektrische Transporter komplett gefertigt. Vom Karosseriebau über die Lackiererei bis hin zur Montage. Das war früher anders. Bisher mussten die Stromer quer durch Europa zur Endmontage gefahren werden. Dafür wurde das Werk modernisiert und gleichzeitig auf die für 2024 angekündigte neue Variante mit Wasserstoff-Brennstoffzelle vorbereitet. Sie soll eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern haben. Bei der rein batterieelektrischen Variante sind es derzeit 420 Kilometer.

Vielleicht würde die Brennstoffzelle auch als zukünftiger Antrieb unter den Wohnmobilen dienen, da sie kompakter baut und leichter ist als ein rein elektrischer Stromer. Für den Fiat Ducato, der als Basisfahrzeug für Reisemobile dient, ist Deutschland mit einem Anteil von 21 Prozent der größte Markt. Zählt man die Marken von Citroën, Opel und Peugeot noch hinzu, hat Stellantis mit rund 33.800 zugelassenen Campern im letzten Jahr erneut die Spitzenposition eingenommen. Aber auch insgesamt liegt das Unternehmen weit vor Ford, Mercedes, Renault oder VW. Jedes vierte in Deutschland neu zugelassene leichte Nutzfahrzeug stammte 2023 von einer Stellantis-Marke – damit war der Verbund aus Groupe PSA und Fiat/Chrysler (FCA) den vierten Monat in Folge hierzulande die klare Nummer eins.

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Text: / handwerksblatt.de

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