(v. l.): Sabine, Julia und Lena Schmitz

(v. l.): Sabine, Julia und Lena Schmitz (Foto: © Markus Feger)

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"Als ob der Preis von Papa kommt"

Nach zwei Schicksalsschlägen kommt die Landfleischerei Schmitz in Bitburg und Landscheid wieder auf die Beine – Gründerinnenpreis für die drei starken Chefinnen

Bis zum Juli 2021 war alles gut. Danach brach die Katastrophe gleich zweimal über die Landfleischerei Schmitz herein. Erst zerstörte das Jahrhunderthochwasser ihre Produktionsstätte in Neuerburg. Ein Jahr später dann, im August 2022, verstarb der Betriebsinhaber, Fleischermeister Guido Schmitz, plötzlich und unerwartet mit nur 57 Jahren. Sabine Schmitz verlor ihren Ehemann, die beiden Töchter Julia und Lena ihren Vater. Obwohl diese Schicksalsschläge ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen hatten, machten die drei Frauen weiter. 

Sabine, Lena, Julia und der verstorbene Familienvater Guido Schmitz (v.l.) Foto: © Landfleischerei Schmitz Sabine, Lena, Julia und der verstorbene Familienvater Guido Schmitz (v.l.) Foto: © Landfleischerei Schmitz

Den Familienbetrieb aufzugeben, war für sie keine Option. "Es musste irgendwie weitergehen. Papa hätte das auch gewollt", sagt Lena (28), die jüngere Schwester. Guido und Sabine Schmitz hatten die Fleischerei 2001 in Neuerburg übernommen. Die Produktionsstätte blieb dort, das Ladengeschäft jedoch wurde 2017 nach Bitburg verlegt. Ein Jahr vor der Flut kam ein weiteres Fleischereifachgeschäft in Landscheid hinzu. Dieses Lebenswerk führen die drei Powerfrauen nun weiter: Fleischereifachverkäuferin Sabine Schmitz, ihre Tochter Julia, Metzgermeisterin und Betriebswirtin des Handwerks, sowie Lena, Köchin und ehemalige Kapitänin der deutschen Junioren-Nationalmannschaft der Köche. 

Große Aufmerksamkeit und Anteilnahme

"Viele haben über uns in der Presse gelesen", sagt Lena. "Die Aufmerksamkeit und Anteilnahme wurde dadurch noch größer." Doch diesmal möchten die drei Frauen nicht über die Schicksalsschläge sprechen. Vielmehr wollen sie von der überwältigenden Solidarität erzählen, die sie in den letzten zwei Jahren erfahren haben. Von Geschäftspartnern, die ihnen vorübergehend Produktionsräume zur Verfügung oder eine Lieferung nicht in Rechnung stellten. Von Stammkunden, die sieben Monate darauf warteten, bis die Landfleischerei wieder öffnete. Von Menschen, die mit Blumen, Karten und Pralinen im Laden standen. Von guten Freunden und Nachbarn, die ihnen immer wieder Mut machten. Vor allem wollen die Schmitz’ eins: nach vorne schauen. Die Vergangenheit zwar nie vergessen, aber ruhen lassen. 

"Es war eine große Herausforderung, den Betrieb in dieser für uns sehr schweren Zeit aufrechtzuerhalten", betont Sabine Schmitz. "Der finanzielle Druck war enorm. Kosten wie Miete, Löhne und andere Ausgaben liefen ja weiter, als wir gut ein halbes Jahr geschlossen hatten. Dann haben wir die Rahmenbedingungen gründlich überdacht und zum Teil umstrukturiert." Mit dem Faktor Zeit etwa gehen die Frauen jetzt bewusster um: "Unsere Läden sind nun von Mittwoch bis Samstag geöffnet, montags steht Büroarbeit an, dienstags geht’s zum Schlachthof."

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"Wir kämpfen jeden Tag"

"Heute planen wir eher mittel- als langfristig", sagt Julia (31). "Wir kämpfen jeden Tag und haben gelernt, auch nach uns selbst zu schauen. 24/7 arbeiten? Wir machen nur noch, was wir gut schaffen. Und wenn mal etwas nicht geht, dann akzeptieren wir das. In zwei, drei Jahren werden wir dann wieder Zukunftspläne machen." Auch die Reduzierung der Wege spart kostbare Zeit. "Nach der Hochwasserkatastrophe mussten wir umständehalber zwischen sieben Orten pendeln", berichtet Lena. "Das ist glücklicherweise vorbei." So haben die Schmitz’ langsam wieder Fuß gefasst – mit viel Unterstützung von außen. Die ganze Familie packt mit an: Sabines Schwester Christine Leisen, ihre Eltern Brigitte und Günter Schomers sowie Patenkind Marie Leisen. "Allein hätten wir das alles nicht geschafft", sagt Sabine Schmitz. Ihre Töchter nicken vehement. Wie fast immer sind Mutter und Töchter sich auch diesmal einig. 

Anteilnahme, Verbundenheit, Zusammengehörigkeitsgefühl und Mundpropaganda sind nicht die einzigen Gründe dafür, dass die Landfleischereien in Bitburg und Landscheid großen Zulauf haben. Die Kunden schätzen besonders auch die hohe Qualität ihrer Waren. »Wir stellen unsere Fleischprodukte zu hundert Prozent selbst her«, sagt Julia. »Darauf sind wir sehr stolz. Unsere Tiere stammen allesamt von regionalen Partnerbauernhöfen. Bewusste Ernährung wird vielen Kunden immer wichtiger, und bei unseren Waren ist die Produktionskette von A bis Z nachvollziehbar.« 

"Mit Herz und Liebe"

Bei der Preisverleihung zum Gründerinnenpreis Rheinland-Pfalz Foto: © Alexander Sell/ISB Bei der Preisverleihung zum Gründerinnenpreis Rheinland-Pfalz Foto: © Alexander Sell/ISB

Wenn wieder mehr Ruhe eingekehrt ist, würden die Schmitz‘ gerne ausbilden. "Unser Handwerk ist einfach toll!", sagt Lena. "Junge Leute sollten sich nicht scheuen, einen Handwerksberuf zu erlernen. Wir wollen ihnen Mut machen, dass es sich lohnt, für seine Träume zu kämpfen." Vor dem Hintergrund ihrer bewegenden Geschichte hat die Handwerkskammer Trier das tapfere und tatkräftige Trio Sabine, Julia und Lena Schmitz für den Gründerinnenpreis Rheinland-Pfalz nominiert. Mit Erfolg: Ende 2023 wurden die Schmitz’ in der Kategorie Unternehmensnachfolge für ihren Mut zum Neuanfang gewürdigt. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro Preisgeld verbunden.

"Papa hat sich immer gewünscht, dass wir für unsere Arbeit belohnt werden. So oft hat er zu uns gesagt: 'Mädels, Ihr seid der Maßstab!‘ Und noch heute hören wir von Dritten, wie stolz er auf unseren Fleiß war", sagt Lena. "Es fühlt sich an, als würde der Preis von Papa kommen oder als hätten wir ihn zu viert verliehen bekommen. Auch deshalb war die Preisverleihung für uns sehr emotional. Die Auszeichnung bestärkt unseren Weg. Und sie zeigt uns, dass wir für das Richtige gekämpft haben. Daher machen wir weiter – mit Herz und Liebe!"

 

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Text: / handwerksblatt.de

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