WHKT-Präsident Berthold Schröder, Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke, Hauptgeschäftsführer von Handwerk.NRW, Ulrich Hermann, Vizepräsident der Handwerkskammer Südwestfalen, Dr. Florian Hartmann, Dr. Hendrik Röwekamp, Mona Neubaur, Peter Eul, Josef Trendelkamp Senior, Dr. Florian Speckmann und René Gassen (v. l.)

WHKT-Präsident Berthold Schröder, Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke, Hauptgeschäftsführer von Handwerk.NRW, Ulrich Hermann, Vizepräsident der Handwerkskammer Südwestfalen, Dr. Florian Hartmann, Dr. Hendrik Röwekamp, Mona Neubaur, Peter Eul, Josef Trendelkamp Senior, Dr. Florian Speckmann und René Gassen (v. l.) (Foto: © WHKT / RG)

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Verteidigung. Resilienz. Handwerk.

Um über Anforderungen und Chancen für Handwerksbetriebe, die sich durch die Veränderung der sicherheitspolitischen Lage ergeben, zu diskutieren, lud das NRW-Handwerk Vertreter aus Politik, Beschaffung und Praxis zu einer Konferenz.

Die Welt ist im Wandel. Die vielen Krisen und Kriege zwingen Europa und Deutschland zum Umdenken. Sicherheit, Verteidigung und Resilienz werden in diesem Kontext immer wichtiger. Auch das Handwerk spielt dabei eine wichtige Rolle, die allerdings oft unterschätzt wird. Um über Anforderungen und Chancen für Handwerksbetriebe, die sich durch die Veränderung der sicherheitspolitischen Lage ergeben, zu diskutieren, lud das nordrhein-westfälische Handwerk Vertreter aus Politik, Beschaffung und Praxis zur Konferenz mit dem Titel "Verteidigung. Resilienz. Handwerk." ein – bundesweit die erste dieser Art.

"Als wesentlicher Teil von Wirtschaft und Gesellschaft ist das Handwerk eng mit den tiefgreifenden Fragen unserer Zeit verbunden", sagte Peter Eul, Vorstandsvorsitzender Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) bei seiner Begrüßung. Es sei bereit, Verantwortung zu übernehmen für Wirtschaft, Gesellschaft und die Stabilität des Landes. Sicherheit und Resilienz seien längst nicht mehr nur Aufgaben von Staat und Bundesländern.

"Sie betreffen unsere gesamte Gesellschaft und damit auch den Mittelstand und insbesondere das Handwerk, denn ohne funktionierende Infrastruktur, ohne Versorgungssicherheit, ohne technische Kompetenz ist gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit nicht denkbar", so Eul. Gerade das Handwerk stehe für Verlässlichkeit, Pragmatismus und Innovationskraft, ob Bau, Versorgungstechnik, Elektrotechnik, Digitalisierung oder Mobilität. "Viele Bereiche unserer Sicherheits- und Bataillonsfähigkeiten beruhen auf den Fähigkeiten kleiner und mittelständischer Betriebe."

"Ohne Handwerk geht es nicht"

Ohne Handwerk gehe es nicht, sagte auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). Für die Sicherheit und Demokratie in Europa sei es von großer Bedeutung. "Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit bedingen einander." Angesichts der riesiger Schäden durch Cyberangriffe, jährlich 40 Milliarden Euro auf Landesebene und 200 Milliarden bundesweit, müsse Resilienz bereits im Alltag beginnen. "Deswegen ist die Frage von Resilienz eine, die ganz konkret anfängt bei der Frage: Wie gut sind eigentlich meine Daten, meine Datensysteme, meine Maschinen davor geschützt, dass von außen Cyberangriffe meine Arbeit lahmlegen?" Unternehmen und ihre Mitarbeiter müssten sich darauf vorbereiten und Abwehrstrategien entwickeln.

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Der Sabotageakt auf die Energieinfrastruktur in Berlin im Januar habe Schwachstellen aufgezeigt. Auch für den Schutz der Infrastruktur und die gesamte Energiewende sei das Handwerk unverzichtbar. Es sei hier sinnvoll, weniger auf Großeinheiten und stattdessen auf kleinere, dezentrale Strukturen zu setzen, denn sie seien schwieriger zu attackieren. Das gelte ebenso für die Nahrungsmittelversorgung. Gleichzeitig ließen sich so zu große Abhängigkeiten vermeiden. Die Landesregierung wolle sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass Handwerkbetriebe Zugang zu den Aufträgen der Bundeswehr bekommen. Es sei Aufgabe des Bundes, die Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik zu organisieren. Dafür stehe viel Geld zur Verfügung.

Politikwissenschaftler Dr. Thomas Speckmann beleuchtete in seinem Vortrag die gesellschaftlichen und geopolitischen Veränderungen der vergangenen Jahre. Er sprach von drei Zeitenwenden: der von Russland begonnene Krieg in der Ukraine, der Begin der zweiten Amtszeit Donald Trumps als Präsident der USA und möglicherweise die fortschreitende Auflösung europäischer Bündnisse, sollten vor allem in Frankreich und Großbritannien Parteien in Verantwortung kommen, die eher für weniger Europa als für mehr Europa stehen. Für Deutschland könne ein solches Szenario nach der Wahl 2029 eintreten.

Florian Hartmann wirbt für freiwilliges Handwerksjahr

Dr. Florian Hartmann, Hauptgeschäftsführer der LGH und des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) warb für die Einführung eines freiwilligen Handwerksjahres als Teil der Bundesfreiwilligendienste mit einer Dauer von sechs bis 18 Monaten. Diese könne den Bevölkerungsschutz stärken, demokratische Grundwerte vermitteln, Berufsorientierung bieten und zugleich neue Fachkräfte für das Handwerk begeistern. "Wir wollen dazu beitragen, der Bevölkerung Grundkompetenzen zu vermitteln", erklärte Hartmann. Ein wichtiger Faktor sei aber auch die Demokratiebildung und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts während des freiwilligen Handwerksjahres. Modellprojekte gebe es bereits.

Welche Möglichkeiten sich durch die sicherheitspolitische Neuausrichtung für mittelständische Unternehmen ergeben, beschrieb Hendrik Röwekamp, Fachanwalt für Vergaberecht bei Kapellmann und Partner Rechtsanwälte. Das Handwerk sei besonders bei Instandhaltung und Bauleistungen ein essenzieller Bestandteil der Verteidigungsbeschaffung. Damit das Handwerk profitieren können, brauche es mittelstandsfreundliche Ausschreibungen und gezielte Unterstützung. Weitere Beiträge kamen von Dr. Dirk Günnewig, Verwaltungsratsvorsitzender des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW, und René Gassen, Direktor des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. Sie gingen auf die Zusammenarbeit von Handwerk, Mittelstand und öffentlicher Beschaffung ein.

Zum Abschluss diskutierten Vertreter aus Handwerk, Bauwirtschaft und Verteidigungsbeschaffung auf dem Podium über Herausforderungen und Chancen der "Zeitenwende". Ulrich Hermann, Vizepräsident HWK Südwestfalen, Josef Trendelkamp Senior, Geschäftsführer der Trendelkamp Technologie GmbH, Dr. Bernhard Baumann, Hauptgeschäftsführer Bauverbände NRW, Dirk Günnewig und René Gassen nahmen an der Podiumsdiskussion teil.

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Text: / handwerksblatt.de

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