Wie Geely den deutschen Markt erobern will
Der Name Geely steht selten im Rampenlicht, seine Marken hingegen umso mehr. Längst hat sich der chinesische Konzern mit Volvo, Polestar oder Lotus in der europäischen Automobilwelt etabliert. Nun tritt Geely erstmals unter eigener Flagge an.
Der chinesische Automobilkonzern Geely startet seine offizielle Marktpräsenz in Deutschland. Während der Name des Mutterkonzerns hierzulande bislang nur wenigen geläufig ist, sind seine Beteiligungen und Marken umso bekannter. Zum Portfolio zählen unter anderem Volvo, Lotus, Polestar sowie LEVC, der Hersteller der legendären Londoner Taxis, die auch als Black Cabs bezeichnet werden. Darüber hinaus betreibt Geely gemeinsam mit der Mercedes-Benz Group ein Joint Venture für die Marke Smart. Konzernchef Li Shufu hält zudem rund zehn Prozent der Anteile an Mercedes-Benz.
Geely E5: Angriff im SUV-Volumensegment
Die Bedienung erfolgt größtenteils über den Touchscreen, was nicht immer optimal ist. Foto: © GeelyNun möchte auch Geely unter eigenem Namen Fuß fassen. Zum Marktstart werden zwei Modelle im volumenstarken SUV-Segment angeboten: der vollelektrische Geely E5 und der Plug-in-Hybrid Starray EM-i. Der E5 startet bei 31.924 Euro netto und positioniert sich im Umfeld etablierter Wettbewerber wie dem VW ID.4, dem Skoda Enyaq oder dem Ford Explorer. Der Elektromotor des chinesischen Kompakt-Stromers leistet 160 kW (218 PS) und stellt ein Drehmoment von 320 Newtonmetern bereit. Das sorgt für ordentliche Fahrleistungen. Zur Energieversorgung stehen zwei Batterievarianten mit 60,2 und 68,4 kWh zur Wahl.
Beim Boxenstopp am Schnelllader zeigt sich der Chinese mit einer Ladeleistung von maximal 120 bzw. 135 kW allerdings etwas zurückhaltend. Laut Geely sind Reichweiten von 430 bis 450 Kilometern möglich. Das Laden von 30 auf 80 Prozent soll jedoch nur 20 Minuten dauern. Ein echtes Highlight ist die hauseigene "Short Blade Battery": Mit 3.500 Ladezyklen soll der Lithium-Eisenphosphat-Akku eine Million Kilometer durchhalten. Gleichzeitig kommt die Zellchemie ohne Kobalt und Nickel aus.
Starray EM-i: Plug-in-Hybrid für die Langstrecke
Der Plug-in-Hybrid Starray EM-i soll eine Reichweite von bis zu 1.000 km haben. Foto: © GeelyIm Gegensatz zum E5 ist der Geely Starray EM-i ein Plug-in-Hybrid und positioniert sich mit einer Länge von 4,74 Metern im Segment des VW Tiguan. Die Preise für den Starray EM-i beginnen bei netto 27.723 Euro. Hier arbeitet ein 1,5-Liter-Benziner mit einem 160 kW starken Elektromotor zusammen, die Systemleistung beträgt 193 kW (262 PS). Zwei Batteriegrößen mit 18,4 bzw. 29,8 kWh ermöglichen einen elektrischen Aktionsradius von 83 beziehungsweise 136 Kilometern. Die kombinierte Gesamtreichweite liegt laut WLTP jeweils bei knapp über 1.000 Kilometern.
Auch beim Laden zeigt sich der Starray alltagstauglich: Der kleinere Akku benötigt für den Sprung von 30 auf 80 Prozent rund 20 Minuten, der größere lediglich 16 Minuten. Im Innenraum bietet das SUV großzügige Platzverhältnisse und ein Kofferraumvolumen von 528 bis 2.065 Litern.
Schwächen im Detail: Lohnt sich Geely trotzdem?
Geely E5 und Starray EM-i Die elektrische Reichweite des Starray EM-i beträgt bis zu 136 Kilometer. Foto: © GeelyBei unserem ersten Kennenlernen überzeugen beide Modelle mit einer soliden Leistungsentfaltung und einem großzügigen Raumangebot. Auch der Fahrkomfort ist insgesamt in Ordnung. Im solide verarbeiteten Innenraum dominiert ein stark digitalisiertes, reduziertes Bedienkonzept mit großem Zentralbildschirm. Der weitgehende Verzicht auf klassische Knöpfe erweist sich im Fahralltag jedoch als unpraktisch. Das teils verschachtelte Menü lenkt unnötig vom Verkehr ab und der Sprachassistent setzt die zugerufenen Kommandos nicht immer zuverlässig um. Auch die Assistenzsysteme greifen teils zu abrupt ein. Insbesondere der Spurhalteassistent wirkt phasenweise überengagiert. Darüber hinaus gibt es praktische Schwächen: Großgewachsene Personen können sich beim Be- und Entladen des Kofferraums den Kopf stoßen, da die Heckklappe nicht weit genug öffnet.
Angesichts der vergleichsweise günstigen Einstiegspreise relativieren sich einige der genannten Schwächen jedoch wieder. Sowohl der E5 für 37.990 Euro als auch der Starray EM-i für 32.990 Euro sind deutlich günstiger als viele etablierte Wettbewerber. Technisch basieren beide Modelle auf der Global Energy-efficient Architecture (GEA), einer Plattform für elektrifizierte Antriebe. Geely unterstreicht seinen Qualitätsanspruch mit einer langen Garantie von acht Jahren oder 200.000 Kilometern.
Klassischer Vertrieb statt Direktverkauf
Mit seiner großen Batterie kommt der Geely E5 bis zu 450 Kilometer weit. Foto: © GeelyBeim Vertrieb setzt der chinesische Hersteller bewusst auf klassische Strukturen. Anstatt reine Online-Direktverkäufe zu tätigen, baut Geely ein klassisches Händler- und Servicenetz auf. Zunächst erfolgt der Aufbau in Ballungsräumen wie Hamburg, München, Aachen und Osnabrück. Bis zum Jahresende sollen mindestens 50 Standorte entstehen. "Deutschland ist einer der wichtigsten Automobilmärkte in Europa", sagt Zack Zhang, Managing Director von Geely Auto Deutschland.
Bis Ende 2027 soll die Zahl der Vertriebspartner bundesweit auf 150 steigen und bis 2028 eine flächendeckende Präsenz erreicht werden, so heißt es aus der deutschen Geely-Zentrale.
Netzwerk wächst, Offensive rollt an
Parallel dazu baut Geely derzeit ein eigenes Ersatzteillager in Deutschland auf. Bis zur Inbetriebnahme erfolgt die Versorgung über das europäische Zentrallager in Amsterdam. Für Finanzierungs-, Leasing- und Versicherungsangebote kooperiert der Hersteller exklusiv mit Consors Finanz. Die Modelle E5 und Starray EM-i sind dabei nur der Auftakt einer Modelloffensive: Bereits im September 2026 soll mit dem Geely E2 ein günstiges Elektro-Einstiegsmodell im B-Segment auf den Markt kommen. Bis 2028 ist der Ausbau der europäischen Produktpalette auf mehr als zehn Baureihen geplant.
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Text:
Guido Borck /
handwerksblatt.de
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