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Das NRW-Baugewerbe will mit einer Stimme sprechen

Die sieben Verbände des nordrhein-westfälischen Baugewerbes formieren sich unter der Dachorganisation Bauverbände.NRW neu.

Der designierte Präsident Rüdiger Otto (r.) und sein designierter Vize Karlgünter Eggersmann sprechen mit dem Deutschen Handwerksblatt über die Hintergründe der Gründung des Dachverbands für NRW Foto: © Andreas Buck
Der designierte Präsident Rüdiger Otto (r.) und sein designierter Vize Karlgünter Eggersmann sprechen mit dem Deutschen Handwerksblatt über die Hintergründe der Gründung des Dachverbands für NRW

Der designierte Präsident Rüdiger Otto und sein designierter Vize Karlgünter Eggersmann sprechen mit dem Deutschen Handwerksblatt über die Hintergründe der Verbandsgründung. Otto ist Präsident der Baugewerblichen Verbände Nordrhein mit seinen fünf Branchenverbänden und Eggersmann Präsident der Bauverbände Westfalen mit weiteren zwei Branchenverbänden. Das neue Dach beendet die mehr als 70 Jahre bestehende Trennung in Nordrhein und in Westfalen. Bauverbände.NRW soll als rechtsfähiger Verein ab 1. Januar 2019 der Dienstleister und Interessenvertreter für die Bau- und Ausbauunternehmen in Nordrhein-Westfalen sein.

Seit wann gibt es die Idee, die baugewerblichen Verbände unter einem Dach zu vereinen?

Otto: Wir hatten schon längere Zeit darüber nachgedacht, eine Dachorganisation zu gründen. Es ist ja historisch bedingt, dass wir seit gut 70 Jahren zwei Verbände haben, die Baugewerblichen Verbände im Nordrhein mit fünf weiteren Branchenverbänden unter einem Dach sowie die Bauverbände Westfalen mit zwei Verbänden. Wir haben jetzt aber ein optimales Zeitfenster für die neue Formation. Die Verteilung zwischen Nordrhein und Westfalen bei der Anzahl der Mitgliedsbetriebe passt, beide bringen gut 2.000 Mitglieder mit. Keiner schwächelt, keiner ist besonders stark. Das war die Voraussetzung dafür, dass wir uns jetzt auf Augenhöhe begegnen können.

Warum jetzt das gemeinsame Dach?

Eggersmann: Mit diesem Dachverein für Nordrhein-Westfalen können wir mit einer Stimme sprechen – vor allem gegenüber der Politik, um unsere Interessen zu vertreten. Da brauchen wir eine starke Organisation, damit wir uns dementsprechend gut positionieren können. Eine stärkere politische Interessenvertretung ist auch der Wunsch unserer Mitgliedsbetriebe. Die Regulierungswut wird immer stärker, nur manchmal zu Recht. Aber der bürokratische Aufwand wird immer größer, sodass ein kleiner Betrieb ihn kaum noch erbringen kann. Da wünschen sich unsere Betriebe, dass wir eingreifen. Wie uns das gelingen wird, steht auf einem anderen Blatt, aber versuchen werden wir es.

Wie groß wird denn der Effekt bei der Interessenvertretung Ihrer Meinung nach sein?

Foto: © Andreas Buck Foto: © Andreas Buck Otto: Unsere Interessen vertreten wir natürlich auch jetzt schon. Aber es ist ein Unterschied, ob man für 2.000 Mitgliedsbetriebe spricht oder für 4.000. Wir werden die Dinge, die uns umtreiben, mit Sicherheit weiter lautstark angehen. Allerdings werden wir von der Politik jetzt sicherlich anders wahrgenommen.

Eggersmann: Das sieht man auch daran, dass wir den Staatssekretär im Bauministerium, Jan Heinisch, bei der Gründungsversammlung als Redner hatten. Wir haben ihm recht deutlich gesagt, dass wir in der Landespolitik alles, was Bau betrifft, beeinflussen wollen – und zwar konstruktiv. Wir wollen versuchen, bei jeder Ausschusssitzung und bei jeder Sitzung im Landtag da zu sein, um deutlich zu machen, hier ist eine geballte Kompetenz der Bauwirtschaft. Wir wollen unsere Argumente einbringen und auch sagen, wo die Betriebe der Schuh drückt. Da hoffen wir, mehr Gewicht reinbringen zu können.

Was ändert sich für die Mitgliedsbetriebe?

Eggersmann: Von der Kostenseite her nichts. Das Serviceangebot wird aber runder und vielfältiger, weil wir auf Kompetenzen des einen und des anderen Verbands zurückgreifen können. In Nordrhein haben wir zum Beispiel einen Diplombiologen, er ist Fachmann für Umweltfragen und Abfallwirtschaft. Das hatten wir bisher in Westfalen nicht. In Westfalen haben wir einen IT-Spezialisten, der sich mit Digitalisierungsfragen beschäftigt. Das hatten wir in Nordrhein nicht. Durch das Zusammengehen sind zukünftig wirklich mehr Dienstleistungen für alle Betriebe abrufbar.

Otto: Wir können mit Sicherheit effizienter arbeiten. Für unsere Mitglieder ist das eine Verbesserung, weil sie so eine noch schnellere Antwort bekommen. Ihnen steht ein stärkeres Expertenteam zur Verfügung.

Warum sollte ein Baubetrieb Innungsmitglied werden?

Otto: Wenn ein Bauunternehmen Probleme hat, können wir es als technischer beziehungsweise betriebswirtschaftlicher Verband unterstützen. Zum Beispiel im juristischen Bereich. Der Betrieb kann sich an uns wenden, ohne dass er sofort zur Kasse gebeten wird wie bei einem Rechtsanwalt. Und wir beraten den Betrieb ganz bauspezifisch. Bei technischen Entwicklungen mit ihren ständigen Veränderungen in kurzen Zeiträumen können wir den Unternehmen ebenfalls helfen.

Foto: © Andreas Buck Foto: © Andreas Buck Eggersmann: Jeder Betrieb stellt sich ja immer die Frage, was er von einer Mitgliedschaft hat. Wir können ein Doppelpaket anbieten: Die Fachkompetenz und die politische Vertretung. Durch die Mitgliedschaft hat man einfach das Recht auf Unterstützung. Vor allem bei der Unternehmensentwicklung, der Prozessvertretung und der Beratung. Technik ist ebenfalls ein großes Thema oder Marketing. Außerdem bieten wir einen Bürgschaftsservice an. Wir handeln Sonderkonditionen für Betriebe aus. Aber man darf nicht nur das Materielle sehen. Es gibt auch eine Gesamtaufgabe, die man hat. Dazu gehört eben eine starke Interessenvertretung.

Otto: Eigentlich gibt es kaum ein Argument gegen eine Mitgliedschaft. Auch der zu zahlende Beitrag kann kein Grund sein, weil der Verband so viele Möglichkeiten bietet. Ich glaube, viele Leute sehen erst mal diesen Kostenbeitrag und halten sich deshalb zurück, weil sie die Vorteile nicht sehen. Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Kollegen sogar drauflegen, wenn sie nicht im Verband sind. Der große Vorteil ist, dass unsere Beratung nicht noch zusätzlich bezahlt werden muss. Sie ist zudem betriebsorientiert, auf den Mittelstand bezogen und unabhängig. Eine Mitgliedschaft ist deswegen eine Win-win-Situation. Die Betriebe müssen sie natürlich ausnutzen und die Services auch in Anspruch nehmen.

Hoffen Sie, dass Sie den Organisationsgrad mit dem neuen Dachverband erhöhen können?
Otto: Das wäre natürlich wünschenswert. Da hoffen wir auch auf einen Effekt durch die Berichte über die Neugründung. Das werden – zum Beispiel im DHB - auch die lesen, die nicht Mitglied sind. Tatsächlich erbringen wir und die Innungen ja auch für sie Leistungen. Unser Ziel ist es daher, sie ebenfalls zu gewinnen.

Was haben Sie für Pläne im Bereich Marketing und mediale Präsenz?
Eggersmann: Wir wollen noch stärker in die sozialen Medien, zum Beispiel Facebook. Das ist jetzt noch klein, aber da sehen wir jetzt schon irre Resonanzen. Man sieht, dass diese Medien auch im Handwerk genutzt werden. Vielleicht mehr, als wir früher gedacht haben. Wir wollen daher auch in diesen Netzwerken darstellen. Das soll aber keine Einbahnstraße werden. Vielmehr wollen wir darüber auch in den Dialog mit den Betrieben kommen. Wenn wir zusammen sind, sind auch da die Möglichkeiten etwas besser.

Das Interview führte Lars Otten

Text: / handwerksblatt.de

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