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Stabil und von Dauer

In vierter Generation führt Anne Bong die Glaserei Bong in Köln. Seit über 100 Jahren wächst und gedeiht das Unternehmen, dessen Angebote von der Schnellreparatur bis zur Ganzglasanlage reichen.

Unternehmerin Anne Bong  in ihrem Element: Wenn sie über die 300 Quadratmeter große Ausstellungsfläche führt, weckt sie auch im Besucher die Begeisterung für Glas. Foto: © Monika Nonnenmacher
Unternehmerin Anne Bong in ihrem Element: Wenn sie über die 300 Quadratmeter große Ausstellungsfläche führt, weckt sie auch im Besucher die Begeisterung für Glas.

"Glas ist ein faszinierender Werkstoff", schwärmt Anne Bong. Die dunklen Augen der Glasermeisterin und Geschäftsführerin von Glas Bong leuchten, wenn sie über ihr Fachgebiet spricht. "Sie können mit Pumpsaugern an einer nur vier Millimeter dünnen Glaswand hochklettern – und es passiert nichts." Das habe sie selbst ausprobiert. So viel zum Thema Zerbrechlichkeit. Auch die Vielseitigkeit und Schönheit von Glas haben es ihr angetan. Den Laden eines Computeranbieters in der Kölner Innenstadt besucht sie nur, um die gläserne Wendeltreppe zu bewundern, die in elegantem Schwung die beiden Etagen des Geschäfts verbindet.

Diese Leidenschaft für Glas entzündete sich früh. Schon als Kind hat sie in der Familienglaserei gespielt. Als sie und ihre beiden älteren Schwestern über den Werktisch gucken können, bringt der damalige Glasermeister ihnen bei, Glas richtig zuzuschneiden. In der 11. Klasse entschließt sich Anne Bong, Glaserin zu werden, startet nach dem Abitur die Lehre in Koblenz. Danach arbeitet sie unter anderem für einen auf Vitrinen spezialisierten Betrieb in Frankfurt. In dessen Auftrag fährt sie bis nach Bordeaux, baut Schaukästen für das Heimatmuseum.

Von Anfang an eigene Ideen einbringen können

1988 wechselt sie in die Geschäftsleitung des Familienbetriebs, ein Jahr vor der Meisterprüfung. Ihr Vater habe sie von Anfang an eigene Ideen zur Organisation der Arbeitsabläufe umsetzen lassen, erinnert sie sich – und auch mal Fehler machen lassen. Was lehrreich gewesen sei. Die Aufgaben hätten sie geteilt. "Es ist immer hilfreich gewesen, ihn als Stütze an der Seite zu haben", sagt Anne Bong. Mittlerweile ist der 84-Jährige im Ruhestand, doch wenn es um Firmenstrategien geht, ist er immer noch ganz Ohr, schließlich geht es um das traditionsreiche Familienunternehmen.

Den Grundstein dazu hat Anne Bongs Urgroßvater Christian Bong 1901 am Eigelstein, in der Nähe des Kölner Doms, gelegt. 1920 übernimmt dessen Sohn Paul Bong die Glaserei, muss das zerstörte Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufbauen. Während der Wirtschaftswunderjahre floriert das Geschäft, so dass Paul Bong 1955 mit seinem Betrieb in ein neues Gebäude um die Ecke in die Dagobertstraße zieht, laut Firmenchronik die damals modernste Glaserei der Stadt. 1980 übernimmt Paul Bong Junior das Unternehmen und expandiert weiter. 1983 eröffnet er in Köln-Chorweiler den neuen Firmenhauptsitz mit einer Werkstatthalle von 600 Quadratmetern, einer Ausstellungsfläche von 300 Quadratmetern und Büroräumen von 150 Quadratmetern. Das großzügig verbaute Glas weitet vor allem in den Büroräumen den Blick und lässt viel Licht herein. Beste Werbung für den Werkstoff, um den sich hier alles dreht. "Mein Vater hatte Pech, insofern als sich gerade im Jahr der Eröffnung die Konjunktur verschlechterte", erzählt Anne Bong. Doch er habe die schwierige Zeit hervorragend gemeistert. Zugute sei ihm damals auch gekommen, dass das alteingesessene Unternehmen für seine Qualität bekannt gewesen und deshalb weiterhin beauftragt worden sei.

Qualität braucht Zeit

Heute leitet Anne Bong die Geschicke des Betriebs mit elf Mitarbeitern und zwei Auszubildenden. Die Ungeduld der Kunden sei gewachsen. Alles müsse schnell, schnell gehen, sagt die Unternehmerin. Einen Grund sieht sie in der Digitalisierung. Anne Bong sieht das kritisch: "Bei uns wird jeder Auftrag individuell behandelt und berechnet. Das gehört zu unserem Verständnis von Qualität." Und das koste Zeit.

Auch die Fachberatung spielt eine große Rolle. Anne Bong und ihre Mitarbeiter erklären, was in Sachen Glas alles möglich ist oder warum eine Doppelverglasung in manchem Altbau energetisch sinnvoller sein kann als die beliebte Dreifachverglasung. Das Unternehmen sei bewusst breit aufgestellt, biete alles von der Reparatur bis zur Ganzglasanlage, so Bong. Begeistert ist sie derzeit von dem Trend, die herkömmlichen Keramikfliesen in Küchen oder Bad durch Glasflächen zu ersetzen. Jede Farbe ist möglich.

Ein Handwerk mit Zukunft

Glas Bong hat gut zu tun. Dank der niedrigen Zinsen investierten die Leute in ihr Zuhause, erklärt Bong. Sie engagiert sich auch als Obermeisterin in der Innung, denn sie möchte, dass die Branche weiterhin die Ausbildung in der Hand behält. "Das Glaserhandwerk hat Zukunft", sagt Bong. Weil es so vielfältig sei, könne jeder seine Nische finden. Leider seien zu wenige Kollegen in der Innung aktiv. Neuigkeiten über Produkte, DIN-Normen oder Steuergesetze würden immer weniger persönlich ausgetauscht. Auch sie informiere sich mehr über das Internet oder das Fachmagazin "Glas + Rahmen".


Über die Unternehmensnachfolge macht sie sich noch keine Gedanken. Zwar steckt ihr jüngster Sohn mitten in der Ausbildung zum Glaser. Doch der ist erst 20 Jahre alt. "Ob er die Verantwortung für ein Unternehmen übernehmen möchte, kann noch keiner sagen", so Bong. Sie wolle ihn nicht unter Druck setzen. "Die Ausbildung macht ihm großen Spaß – und das ist die Hauptsache."

Text: / handwerksblatt.de
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