Zweiradmechanikermeister Spielmann

Uwe-Jens Spielmann ­konzentriert bei der Arbeit. Foto: © Inga Geiser

Nicht von der Stange

Zweiradmechanikermeister Uwe-Jens Spielmann aus Köln baut Fahrräder, die ganz auf die Bedürfnisse der Fahrer zugeschnitten sind. Er gehört zur Meistermeile in Köln-Ehrenfeld.

Alle Wünsche erfüllt er nicht. Dazu ist er zu sehr Experte in einem gefahrengeneigten Handwerk. Er baue keine Fixies, sagt er. Das sind die bei jungen Großstädtern beliebten Räder ohne Gangschaltung, bei denen Pedale und Hinterrad über die Kette fest miteinander verbunden sind (auf Englisch: fixed). Es gibt weder Leerlauf noch Rücktrittbremse, womit Fixies (Abkürzung für "Fixed Gear Bikes") gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. "Wenn die Kette abspringt, kann man gar nicht bremsen", warnt Uwe-Jens Spielmann, der seine Werkstatt in Köln-Ehrenfeld hat.


Ihm ist es wichtig, für einen Kunden ein individuelles Rad nach dessen Bedürfnissen zu bauen, aber sicher muss es sein. Im Gespräch findet Spielmann heraus, was der Kunde braucht. Soll das Fahrrad für den täglichen Weg zur Arbeit sein oder für ausgedehnte Wochenendtouren?

Keine Kettenschaltung für Stadtfahrräder

"Für Stadtfahrräder empfehle ich keine Kettenschaltung, weil die Kette zu schnell verschleißt, da ist eine Nabenschaltung besser", so der Experte. Das A und O des Rads sei jedoch die Sitzposition. Spielmann misst Bein- und Armlänge der Kunden, um zu berechnen, in welchem Verhältnis Sattel, Lenker und Pedale zueinander stehen müssen. Zudem erfragt er, ob der Radler eher sportlich oder moderat sitzen will.


Gibt es Probleme im Lendenwirbelbereich, ist eine gefederte Sattelstütze eine gute Option, erklärt Spielmann. Bei Verspannungen im Halswirbelbereich rät er zu einer gefederten Gabel. "Man sollte aber unbedingt vorab mit dem Arzt klären, ob Radfahren nicht schadet", betont der Handwerksmeister. Farbe, Beleuchtung, Schmutzschutz oder Beschriftung kann der Kunde frei wählen. Ab 600 Euro gibt es so ein individuelles Rad – in einfacher Ausstattung. Die teuerste Anfertigung hat über 4.000 Euro gekostet.

Handwerk steht für echte Qualität

MeistermeileAuch für seinen Meistermeile-Kollegen Joachim Hoff hat Spielmann schon ein Rad gebaut. Hoff brauchte für seine mobile Schreinerei eine Art fahrbare Werkstatt, mit je zwei Werkzeugkisten hinten und vorne. Dank Elektroantrieb und spezialangefertigtem Anhänger kann der Schreinermeister ganze Schränke mit seinem Lastenrad transportieren.


"Handwerk stellt echte Qualität her", sagt Spielmann. Das sei ein Vorteil gegenüber dem Handel und einer der Gründe, warum er bei der Meistermeile mitmache. "Ich muss hinter dem stehen können, was ich baue und verkaufe." Was mit einem gemeinsamen Auftritt beim Sommerfest auf der Venloerstraße angefangen hat, zieht Kreise (siehe Kasten). In der Adventszeit ist die Meistermeile auch beim Körnerstraßenfest dabei gewesen. Die Einnahmen haben die Handwerksmeister gespendet.

Mit 14 das erste eigene Rad gebaut

Unter dem Firmennamen Piratenrad baut Spielmann nicht nur Fahrräder, er repariert und wartet sie auch, bietet Fahrräder, E-Bikes oder Pedelecs zum Leasing an und betreibt eine mobile Werkstatt. Mit seinem Lastenrad holt er kaputte Räder in einem Umkreis von bis zu zehn Kilometern ab oder erledigt kleinere Reparaturen vor Ort. Die Anfahrt kostet zwei Euro pro Kilometer. Die Liebe zu Zweirädern kam früh, doch zu seinem jetzigen Beruf ist der gebürtige Rhöner erst über Umwege gekommen. Da sein Vater zwei linke Hände habe, sei er als Kind immer zu einem Großcousin gegangen, wenn das Fahrrad repariert werden musste, erzählt er. Der sei eine Koryphäe für Motorräder, einmal hätten sie sogar den Motor eines Matchless Motorrads, Jahrgang 1917, auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt.


Mobile WerkstattMit 14 hat Spielmann sein erstes eigenes BMX-Rad gebaut. Doch eine Ausbildung hat er zunächst als Industriemechaniker gemacht und in einer Schmiede gearbeitet, in der sein Chef ihm traditionelle Techniken wie das Schmiedeschweißen beigebracht hat. In dem Kunstschmiedebetrieb hat er auch Metallarbeiten restauriert und wollte schließlich selbst große Skulpturen schaffen. Den begehrten Platz an der Kunsthochschule in Kassel hatte er schon in der Tasche, als er sich beim Setzen einer Wendeltreppe einen Leistenbruch zuzog. Es war der zweite.

Bei Harley Davidson gelernt

Sein Arzt riet ihm dringend, mit dem Schlossern und Schmieden aufzuhören, so zerplatzte der Künstler-Traum. Er sei in ein tiefes Loch gefallen, erzählt er, und erst wieder herausgekommen, als er bei Harley Davidson die Ausbildung zum Zweiradmechaniker startete. Im Jahr 2000 hat er in Frankfurt den Meister gemacht, da wohnte er bereits in Köln. Gearbeitet hat er zunächst in Bonn und Remagen. Bei der Caritas hat er mit schulmüden Jugendlichen Maßfahrräder gebaut, bevor er 2014 Piratenrad gründete. Es laufe gut, sagt er. Die Kunden begeistert er mit intensiver Beratung, Tipps zur Fahrradpflege und seinem Können. Noch ist er dabei, sich einen Kundenstamm aufzubauen. Da hat die Meistermeile geholfen, ist er sich sicher: Auf dem Venloerstraßenfest hat er Inspektionen für zehn statt 28 Euro angeboten. Ein Renner, der bis heute nachwirkt.

Die Meistermeile: Drei Handwerksmeister und eine -meisterin aus dem Kölner Stadt­viertel Ehrenfeld haben sich im Sommer 2016 zur "Meistermeile" zusammengeschlossen, weil sie stolz auf ihren Beruf und ihren Meistertitel sind. Raumausstattermeisterin Sarah ­Tiefenberg, Schuhmachermeister Philipp Stallmann, Schreinermeister Joachim Hoff und Zweiradmechanikermeister Uwe-Jens Spielmann empfehlen sich gegenseitig und ­treten zusammen als "Meistermeile" bei Straßenfesten, lokalen Messen und anderen Veranstaltungen auf. Das Netzwerk hat mittlerweile einen ­eigenen Facebook-Auftritt, eine Schneidermeisterin und zwei Optikermeister aus Ehrenfeld haben sich der Gruppe angeschlossen. Mit gemeinsamen Aktionen wollen sie auch künftig Kunden auf sich aufmerksam machen und für meisterliche Handwerksqualität werben.

Fotos: © Inga Geiser

Text: / handwerksblatt.de

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