Groningen: Lebendig, lässig und hellwach
Heimelig und dennoch im Takt einer pulsierenden Stadt. Groningen ist reich an kulturellen und liebenswerten Begegnungen und unterstreicht eindrucksvoll ihren Slogan: "Er gaat niets boven Groningen."
Auf die Minute genau erreicht der Zug der Nederlandse Spoorwegen den Bahnhof Groningen. Auf dem Bahnhofsvorplatz begrüßt seit 1959 das "Peerd van Ome Loeks" die Ankommenden. Die Skulptur basiert auf einem beliebten alten Volkslied und gehört zur Identität der Groninger. Bevor die Entdeckungstour weitergeht, schnell noch ein kleiner Snack im Prinsenhof, einem der ältesten Backsteingebäude an diesem Ort. Beim ersten Biss in die knusprige Panade einer typischen "Kroket" stellt sich ein angenehmes und authentisches Holland-Feeling ein.
300 Stufen zur Turmspitze
Im Hinterhof des Gebäudes liegt der Prinsentuin. Der Renaissancegarten wurde im Jahr 1626 angelegt. Die stille, grüne Oase bot dem damaligen Stadthalter, dem Prinzen von Nassau, mitten im Zentrum einen Platz der Ruhe. Selbst Groninger kennen diese kleine gemütliche Ecke kaum. Für die Stadtführerin Gerda von Gidesenteam ist es der ideale Startpunkt für einen Streifzug durch die City. Aber erst einmal ein Anfängerkurs für Städtetourer: "Groningen sprechen wir Chro-ning-en aus wie im deutschen Bach, nur kurz und kehlig".
Mit dem frisch erlangten Phonetik-Wissen führt der Weg nur wenige Schritte weiter, direkt zum Wahrzeichen: dem Martiniturm. Seit über 500 Jahren widersetzt sich der 97 Meter hohe Turm Kriegen und Naturgewalten. Die Groninger sind stolz auf ihren "d’Olle Grieze" (der alte Graue), da er für Durchhaltevermögen und eine jahrhundertealte Stadtgeschichte steht. "Egal, wo du bist, der Martiniturm ist da", erklären die Einheimischen. Rund 300 Stufen führen in den Turm. Von dort soll es einen herrlichen Panoramablick geben.
Eine Stadt mit Flair
Wer keinen richtigen Spaß am Treppensteigen hat, der findet in dem wenige Meter entfernten Forum eine bequeme Alternative. Das moderne Kulturzentrum kommt zwar nur auf 45 Meter Höhe. Dafür verfügt das futuristische Gebäude über eine Rolltreppe, die die Besucher nach oben schuckelt. Der Ausblick auf der offenen Terrasse offenbart ein Bild aus idyllischen Grachten und gepflegten Backsteingebäuden aus der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts. Dazwischen moderne, architektonisch bemerkenswerte Bauten. Wie das Kunstmuseum, das allein wegen der leuchtenden Farben der Fassade hervorsticht.
Herzstück und ein guter Treffpunkt ist der Grote Markt. Das ganze Jahr finden Veranstaltungen statt. Da die Innenstadt autofrei ist, hat ein anderes Fahrzeug hier immer Vorfahrt: das Fahrrad. Besonders deutlich wird das vor dem Universitätsgelände. Ein Meer aus Rädern steht dicht gedrängt vor dem roten, neoklassizistischen Bau. Den rund 60.000 Studenten macht die Universitätsstadt ein besonderes Angebot: Monatlich können sie in einem Abo die Swapfiets für kleines Geld mieten.
Marina Bakker ist stolz, dass seit 2019 mehr als 100 Ladenbesitzer der Organisation Foto: © DHBAuch wenn das Fahrrad den Ton angibt, sind Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Shops fußläufig erreichbar. Zum Beispiel die "Lutje Lokaal". Als Gegenpart zum Black Friday im Jahr 2019 gegründet, vereint die Bewegung inzwischen mehr als 100 kleine Läden. "Das Angebot umfasst nachhaltige Mode, lokale, leckere Speisen und einfach alles, was das Herz jenseits einer Massenware begehrt." Marina Bakker von Koko Toko gehört mit zu den Gründungsmitgliedern. Sie freut sich darauf, dass es eine Übersicht über alle "Lutje Lokaale" bald auch in Deutsch geben wird.
Bummeln bis tief in die Nacht
Cor Dijkstra gibt sein umfassendes Wissen über Käsesorten und ihren Geschmack gerne an die Besucher weiter. Foto: © DHBEin Besuch in den Niederlanden bleibt unvollständig, würde man nicht in einen Käseshop reinschnuppern. Vor elf Jahren haben Cor Dijkstra und Gea Oeling mit null Ahnung "De Kaaskopp" in der Zwanestraat 24 eröffnet. Im Angebot ist einfach alles, was zu einem "smakeligen" Tag gehört. Die honiggelben Käselaibe liegen bis unter die Decke gestapelt in Regalen. Dazu gibt es regionale Produkte wie Nüsse oder Bier. Ein Recht auf einen Platz im Laden haben die Erzeugnisse nur, wenn sie fair und biologisch hergestellt sind.
Im Café von John Meijer. Foto: © DHBLangsam brauchen Beine und Augen ein kleines Päuschen. Zeit für einen Kaffee. Wenige Gehminuten weiter liegt das Museumscafé "Folkinge 14" von John Meijer in der gleichnamigen Straße Folkinge 14. John macht nicht nur einen richtig guten Kaffee. Der leidenschaftliche Sammler hat immer einen Insider-Tipp für seine Gäste parat.
In seinem Element ist John, wenn er über sein Sammelsurium von Dosen, Plakaten und Schachteln spricht. Die Erinnerungsstücke stammen aus der Zeit, als in Groningen der Grießpudding Polka hergestellt wurde. Mit einem behaglichen Gefühl wie früher bei der Oma in der Küche möchte eigentlich jeder bleiben. Doch die Zeit rennt, und es gibt noch so viel zu sehen.
Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht winkt John ab. Die gelassene Lebenseinstellung der Gemeinde zeigt sich darin, dass Restaurants, Pubs oder Pommesbuden bis tief in die Nacht ohne Einschränkung geöffnet bleiben dürfen.
Vor allem in den Sommermonaten sind die Terrassen rund um die Grachten bis in die frühen Morgenstunden bevölkert. So bleibt ausreichend Muße, mit der plötzlich gewonnenen Zeit durch die Stadt zu schlendern. Frei nach dem Motto: "Es geht nichts über Groningen."
Gronigen-InfosRund um den Martiniturm entstand seit dem Mittelalter das Zentrum Groningens. Um ihn herum entwickelten sich schmucke Gassen, Marktplätze und Handelshäuser. Die Stadt liegt im Nordosten der Niederlande, nahe der deutschen Grenze. Bis zur Küste sind es etwa 40 Kilometer.
Restaurant Prinsenhof
In einem der ältesten Gebäude befinden sich neben Hotelzimmern auch das Fine Dining Restaurant Nassau mit Aussicht auf den Garten, den Prinsentuin. In der Brasserie können Sie frühstücken, ganz zwanglos zu Mittag essen, einen Nachmittagstee trinken, festlich zu Abend essen oder ein paar Drinks genießen.
Martinikerkhof 23
9712 JH Groningen
prinsenhof.nl
Tales
Für das Menü im „Tales“ sollte der Gast Zeit mitbringen. Das Besondere: Zu jedem Gang und zu jedem Getränk wird eine fantasievolle Geschichte erzählt. Besonders liebevoll lässt sich die Küchencrew zu jeder Jahreszeit ein neues Menü und neue Geschichten einfallen.
Schuitendiep 33
9711 Groningen
talesgroningen.nl
Restaurant Pronk
Pronk ist ein Stadtcafé in einem charaktervollen, historischen Gebäude im Herzen Groningens. Gäste bekommen in dem quicklebendigen Ambiente einen guten Kaffee, frisches Essen und eine entspannte Atmosphäre.
Fischmarkt 56
9711 KV Groningen
stadscafepronk.nl/
De Betere Tijden
In den "Besseren Zeiten" können Gäste den Köchen in der offenen Küche bei der Zubereitung der köstlichen Speisen zuschauen. Mitunter kommen die Köche selbst an den Tisch, um ein Gericht zu präsentieren und mit Leidenschaft über die Idee hinter dem Gericht zu sprechen.
Gelkingestraat 52
9711 NE Groningen
debeteretijden.nl/
Restaurant Wijck
Mit Blick auf den Groten Markt bietet das Restaurant eine erlesene Auswahl internationaler Gerichte.
Grote Markt 33
9712 HS Groningen
wijckgroningen.nl
Stadtrundgang
Die ortskundigen Stadtführer von Gidsenteam kennen Groningen wie ihre Westentasche. Erkunden Sie die Stadt zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Boot.
groningergidsenteam.nl/de/
Bar
thehappytraveler.nl/de/
Lutje Lokaal
Im Jahr 2019 gegründet, haben die Ladenbesitzer entschieden, als Gegenbewegung zum Black Friday ihre lokalen, nachhaltigen und individuellen Produkte in kleinen Ladengeschäften in Groningen anzubieten. Inzwischen gibt es über einhundert "Lutje Lokaale", die zu einer spannenden Entdeckertour einladen.
lutjelokaal.nl/DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!
Text:
Brigitte Klefisch /
handwerksblatt.de
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