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Maßschneider gegen Mindestausbildungsvergütung

2.500 inhabergeführte Maßschneiderateliers gibt es in Deutschland. Nur noch 340 von ihnen bilden aus. Eine Mindestvergütung für Azubis lehnen die Maßschneider strikt ab. 

Gabriele Albert-Wurst (rechts) ist Landesinnungsmeisterin in Bayern. Foto: © Thomas Plettenberg / GHM 2019
Gabriele Albert-Wurst (rechts) ist Landesinnungsmeisterin in Bayern.

Vor einer Ausbildungskrise und dem Ende der dualen Berufsausbildung im Maßschneiderhandwerk warnte Inge Szoltysik-Sparrer, Bundesvorsitzende der Maßschneider vor der Presse auf der Internationalen Handwerksmesse in München.

2017 gab es 679 Auszubildende. 2015 waren es noch 779 und 2016 713. "Jahr für Jahr brechen 40 Ausbildungsplätze weg", so Szoltysik-Sparrer.

Der Bundesverband macht dafür die zurückgehende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe verantwortlich, denn Bewerber auf die Ausbildungsplätze gebe es genug. Die Ausbildung würde häufig als Sprungbrett für ein Studium genutzt. Hemmschuh für die Unternehmen sei unter anderem aber die Diskussion um eine Mindestausbildungsvergütung, die das Bundesbildungsministerium plant. 

"Maßateliers stoßen jetzt schon an ihre finanzielle Grenze"

Laut dem Entwurf von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sollen Azubis mindestens 504 Euro im ersten Lehrjahr, 529 im zweiten und 554 im dritten Lehrjahr erhalten.

"Wir beobachten das mit großer Sorge, denn die Maßateliers stoßen jetzt schon an ihre finanzielle Grenze", so die Unternehmerin, die ihr Modeatelier in Hagen betreibt. "Die Ateliers werden so lange keine neuen Auszubildenden einstellen, so lange sie nicht wissen, ob das kommt. Wir sehen das duale Ausbildungssystem im Schneiderhandwerk in Gefahr."  

Argumente der Maßschneider gegen eine Mindestausbildungsgütung:

  • Die Anzahl der Ausbildungsbetriebe würde sich weiter deutlich reduzieren
  • Dies werde sich ebenfalls auf den Bestand der Berufsschulen auswirken
  •  Es würden zum Teil hohe Fahrtkosten und Übernachtungskosten entstehen wegen langer Anfahrt zu den "Bezirksschulklassen"
  •  Damit sei das duale System und die Zukunft des Handwerks gefährdet
  •  Durch die Höhe der geplanten Ausbildungsvergütungen werde den Auszubildenden die Ausbildungsbeihilfe wegfallen 
  •  Die Auszubildenden würden somit sozialversicherungspflichtig und müssten zum Teil Hartz 4 beantragen
  •  Durch die wenigen Auszubildenden sinke auch die Anzahl an Meisterschülern und Meisterschulen  
  •  Dies würde in absehbarer Zeit zu einem Fachkräftemangel führen
  •  Die Innungsattraktivität nehme aufgrund von wegfallenden Gesellenprüfungsabnahmen ab


Text: / handwerksblatt.de
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