Was tun gegen Faulpelze und Arbeitsverweigerer?

Es gibt sie überall: Mitarbeiter, die mit ihrer Arbeitsleistung deutlich hinter den Ergebnissen ihrer Kollegen zurückblieben. Einfach ist die Kündung eines "low-performers" aber nicht.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Was Sie als Chef im Handwerk wissen müssen
Handwerk
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Gegen arbeitsunwillige oder absichtlich faule Arbeitnehmer gestatten die deutschen Gerichte, allen voran das Bundesarbeitsgericht (BAG), den betroffenen Arbeitgebern inzwischen unter strengen Voraussetzungen die Abmahnung und sogar die Kündigung.

Persönliche Leistungsfähigkeit ausschöpfen

Sofern im Betrieb das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) gilt, also regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt sind, funktioniert das so: Grundsätzlich muss ein Arbeitnehmer "tun, was er soll, und zwar so gut, wie er kann!" Diese goldene Regel des BAG verpflichtet den Arbeitnehmer dazu, seine persönliche Leistungsfähigkeit "innerhalb der arbeitsvertraglichen Verpflichtung" jederzeit auszuschöpfen, ein Dienst nach Vorschrift ist damit schon mal tabu.

Schlechte Tage hat jeder mal
Freilich: Gelegentliche schlechte Tage hat jeder, und dagegen kann ein Arbeitgeber auch noch nichts unternehmen. Unterschreitet der Arbeitnehmer aber über mehrere aufeinander folgende Tage oder Wochen die betriebliche Durchschnittsleistung vergleichbarer Kollegen deutlich, darf der Chef reagieren. Konkret muss die messbare Arbeitsleistung  des Mitarbeiters ein Drittel unter den Leistungen der übrigen Kollegen liegen (BAG – 2 AZR 536/06).

Der Arbeitgeber muss Beweise vorlegen

Ein Beispiel: In einem Betrieb in Schleswig-Holstein sollte ein Schlosser Luftrohre als Abstands- bzw. Überbrückungsstücke für Produktionsmaschinen fertigen. Während andere Kollegen täglich etwa 150 bis 170 Rohre schafften, gelangen ihm nur zwischen 70 und 90 Stück pro Schicht. Nach einer entsprechenden Abmahnung kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis aus verhaltensbedingten Gründen. Grundsätzlich zu Recht, wie das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig urteilte.

Das Gericht gab dem Arbeitgeber aber noch auf, die vergleichbaren Leistungen der anderen Kollegen immer sorgfältig zu prüfen und vor Gericht nachvollziehbar darzulegen (LAG Schleswig – 5 Sa 398/07). Stichproben einzelner Kollegen oder gar Hochrechnungen aufgrund einzelner Tage reichen dem Gericht nicht. Der Arbeitgeber muss anhand durchgehender Aufzeichnungen die Arbeitsleistungen der leistungsfähigeren Kollegen dokumentieren!  
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