E-Auto an Ladestation: Sparen und Umweltschutz sind wichtige Kaufgründe.

Elektromobilität: Sparen und etwas für die Umwelt tun sind die wichtigsten Kaufgründe. (Foto: © Renault)

E-Mobilität: Für Energieversorger ein milliardenschwerer Markt

Elektromobilität steht nicht nur im Fokus der Autohersteller. Auch für Energieversorger ist dies ein milliardenschwerer Markt. Was eine neue Studie prognostiziert und was die Energiebranche für die kommenden Jahre plant.

Erinnern Sie sich noch? 2010 wollte die Bundesregierung, dass 2020 rund eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Schon länger wissen wir: Es war eine Wunschvorstellung, bei der vor allem das Jahr nicht ganz korrekt ist, in dem wirklich eine Millionen Elektrofahrzeuge unterwegs sind. Denn wenige Monate vor dem Stichtag 1.1.2020 waren nicht einmal 100.000 Elektroautos unterwegs.

Aktuelle Studie gibt neue Erkenntnisse

Eine neue Studie konkretisiert jetzt das Datum: Laut des Beratungsunternehmens Accenture ist bis 2025 mit mehr als einer Million E-Autos auf deutschen Straßen zu rechnen. Bis 2040 wird erwartet, dass die Verkäufe von Elektroautos die konventioneller Fahrzeuge zahlenmäßig überholen. Dadurch entsteht ein 190 Milliarden schwerer Markt im Bereich Elektromobilität, den deutsche Energieversorger für sich nutzen können.

In der Studie "Utilities: Lead the Charge in eMobility Report" von Accenture prognostiziert, dass sich Energieversorger einen signifikanten Vorsprung sichern können, wenn sie ihre Dienstleitungen für Besitzer von E-Autos bündeln. Der Verkauf von Kilowattstunden allein birgt bis 2040 ein Potenzial von 150 Milliarden Euro. Aufgrund der geringen Gewinnmarge sollten Energieversorger den Verkauf von Strom jedoch nur als eine Komponente innerhalb eines umfassenden Servicepakets betrachten.

Weitere 30 Milliarden Euro können deutsche Energieversorger generieren, wenn es ihnen gelingt, Angebote wie Remote-Ladevorgänge, heimische Ladestationen, Bezahlungsabwicklung und die Finanzierung der E-Auto Anschaffung auf einer Plattform gesammelt anzubieten und so die gesamte Kundenerfahrung zu begleiten und zu verbessern.

Umweltschutz und erhoffte Kosteneinsparungen entscheidend für Kauf

"Unternehmen, denen es gelingt, E-Mobilität einfach und bezahlbar zu gestalten, werden nicht nur den Umstieg auf E-Autos beschleunigen, sondern können sich auch branchenübergreifende Vorteile sichern. Unter der Berücksichtigung, dass Kunden ihre Kaufentscheidungen zunehmend anhand von Unternehmenswerten wie etwa dem Umweltschutz treffen, ist das besonders wichtig", sagt Tobias Gehlhaar, Geschäftsführer des Bereichs Energiewirtschaft bei Accenture.

"Für Energieversorger bietet sich hier eine einzigartige Möglichkeit. Sie können eine wichtige Rolle auf dem Markt für Elektromobilität einnehmen, indem sie Kunden differenzierte Erfahrungen bieten und gleichzeitig für eine nachhaltige Umwelt eintreten." Laut der Studie von Accenture, bei der 500 Verbraucher in Deutschland befragt wurden, stehen Umweltschutz und erhoffte Kostenersparnisse im Zentrum der Kaufentscheidung, wenn es um E-Autos geht.

Die Hälfte (54 Prozent) der zukünftigen E-Auto Besitzer würde auf Elektromobilität umsteigen, um langfristig Geld zu sparen. Obwohl es stetig zu Fortschritten in der Batterietechnik kommt und neue Leasingmöglichkeiten angeboten werden, bleiben sowohl die Anschaffungskosten als auch heimische und öffentliche Lademöglichkeiten ein Hemmnis für den Erwerb eines E-Autos.

Auf Kunden eingehen

86 Prozent der deutschen Verbraucher, die angaben, künftig ein E-Auto besitzen zu wollen, planen, dieses hauptsächlich von zuhause aus zu laden. Allerdings besitzt nur die Hälfte der Befragten (52 Prozent) eine eigene Garage. Versorgungsunternehmen können dann im Elektromobilitätsmarkt wachsen, wenn sie es schaffen, die Akzeptanz von Elektromobilität mit folgenden Maßnahmen zu erhöhen:

Kundenbedürfnisse verstehen: Im Dialog mit ihren Kunden entwickeln Energieversorger ein gutes Verständnis dafür, was Kunden motiviert oder daran hindert, auf E-Mobilität umzusteigen. So können sie die Kundenwünsche mit Blick auf E-Mobilität analysieren sowie ihre Services entsprechend ausrichten und verbessern.

Am Mehrwert orientieren: Führende Energieversorger werden einen Plattform-Ansatz nutzen und auf Partner setzen, die ihren Kunden Mehrwert bieten können. Dazu zählen Automobilhersteller und -händler, Flottenbetreiber, Betreiber von Ladestationen, Parkflächenbetreiber und viele mehr. Energieversorger werden Anreize für ihre Ökosystem-Partner schaffen und dafür sorgen, dass die Besitzer von E-Autos profitieren und so die Wertschöpfung für alle beteiligten Ökosystem-Partner steigt.

Viel Potenzial für Energieversorger

Die Konkurrenz abhängen: Zukunftsorientierte Versorgungsunternehmen werden strategisch in ein Service-Portfolio investieren, um den Besitz und die Nutzung von Elektroautos zu vereinfachen und so Hindernisse für ihre Akzeptanz zu beseitigen.

Dabei werden Elektrofahrzeuge nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines breiteren Spektrums neu entstehender Wachstumsmöglichkeiten wie dezentraler Energieversorgung und Connected Home verstanden – mit einem Fokus auf der weiteren Integration von Services. Das Rennen um Elektromobilität wird letztlich durch eine Kombination aus Geschwindigkeit und Wertschöpfung gewonnen.

"Es gibt enormes Potenzial innerhalb des Marktes für Elektromobilität, auf das Energievesorger jetzt abzielen können. Unternehmen, die über ein tiefes Verständnis des Energiemarkts und dessen Regeln und Regulatorien verfügen, schlau investieren und gezielte Angebote entwickeln, können auf diesem Markt erfolgreich sein. Aber, das wird ein hohes Maß an Fokus, Investitionsorientierung und Konsequenz erfordern," so Tobias Gehlhaar, Geschäftsführer Utilities bei Accenture.

Text: / handwerksblatt.de

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