Nicht jede Fassadenfarbe passt zu jedem Untergrund. Prüfen Sie Putz, Altanstrich, Feuchtigkeit und Herstellervorgaben.

Nicht jede Fassadenfarbe passt zu jedem Untergrund. Prüfen Sie Putz, Altanstrich, Feuchtigkeit und Herstellervorgaben. (Foto: © AMH/ Sascha Schneider)

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Fassadenanstrich ohne Reklamation: Tipps vom Experten

Betriebsführung

Fassaden zu streichen ist keine Routinearbeit: Wer Untergrund, Wetter, Material und Dokumentation ignoriert, riskiert teuren Streit. Ein Baurechtsexperte erklärt, was Malerbetriebe beachten sollten.

Nach Fassadenanstrichen gibt es oft Reklamationen wegen Mängeln. Meist liegt das nicht an den Materialien, sondern an vermeidbaren Ausführungsfehlern. Rechtsanwalt Carsten Seeger, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht hat acht Tipps, wie Handwerker Reklamationen am besten vermeiden.

1. Untergrund prüfen

Bearbeiten Sie den Untergrund nie ungeprüft. Ein Anstrich hält nur so gut wie der Untergrund. Lose Altbeschichtungen, Kreidung, Feuchtigkeit oder Risse führen schnell zu Abplatzungen. Prüfen und dokumentieren Sie daher Tragfähigkeit, Saugfähigkeit, Feuchtigkeit, Risse und Verschmutzungen vor Beginn.

2. Fassade reinigen

Staub, Algen, Moose und Ruß stören die Haftung. Reinigen Sie die Fläche gründlich mit den passenden Verfahren. Der Untergrund muss danach sauber und tragfähig sein. Eine kurze Fotodokumentation "vorher / nachher" hilft später als Nachweis.

3. Grundierung passend wählen

Verzichten Sie nicht leichtfertig auf die Grundierung. Sie verbessert die Haftung, sorgt für gleichmäßige Saugfähigkeit und senkt den Farbverbrauch. Nutzen Sie möglichst ein System eines Herstellers und halten Sie die Vorgaben genau ein.

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4. Nur bei gutem Wetter arbeiten

Regen, Frost, starke Hitze oder direkte Sonne verschlechtern das Ergebnis. Dokumentieren Sie Wetter, Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Arbeitsbeginn und -ende. Notieren Sie auch Störungen und Ihre Reaktion darauf.

5. Schichtdicke einhalten

Sparen Sie nicht durch zu starkes Verdünnen oder zu wenig Material. Ein zu dünner Anstrich deckt schlecht, kreidet schneller und hält kürzer. Arbeiten Sie nach den Technischen Merkblättern und kontrollieren Sie den Verbrauch auf der Baustelle.

6. Richtiges System wählen

Nicht jede Fassadenfarbe passt zu jedem Untergrund. Prüfen Sie Putz, Altanstrich, Feuchtigkeit und Herstellervorgaben. Mischen Sie Produktsysteme verschiedener Hersteller nicht ohne sichere Freigabe.

7. Schäden nicht überstreichen

Risse, Hohllagen oder schadhafte Putzstellen müssen Sie zuerst instand setzen. Weisen Sie den Auftraggeber schriftlich auf Risiken hin, wenn er notwendige Arbeiten ablehnt. Eine klare Bedenkenanmeldung kann Ihre Haftung deutlich begrenzen.

8. Alles dokumentieren

Dokumentieren Sie Fotos, Materialien, Chargennummern, Wetter, Untergrundprüfungen und Hinweise an den Auftraggeber. Im Streitfall zählt nicht die Erinnerung, sondern der Nachweis. Eine saubere Dokumentation kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. 

Praxistipp

"Ein Punkt wird in der Praxis häufig unterschätzt: die Kommunikation mit dem Auftraggeber", sagt Rechtsanwalt Carsten Seeger, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht. "Erkennen Sie ungeeignete Vorleistungen, schadhafte Untergründe oder technisch bedenkliche Vorgaben, genügt es nicht, dies intern festzustellen. Weisen Sie Ihren Auftraggeber rechtzeitig und schriftlich auf die Risiken und mögliche Schäden hin. Eine ordnungsgemäße Bedenkenanmeldung schützt nicht nur die Qualität Ihrer Arbeit, sondern kann im Streitfall auch Ihre Haftung erheblich begrenzen oder auf Null reduzieren. Ein Bedenkenhinweis ist ein Warnhinweis an den Auftraggeber: 'Achtung! In unserem Vertragsverhältnis läuft was schief!' Das muss man immer kommunizieren. Meine Erfahrung aus zahlreichen Bauprozessen zeigt, dass erfolgreiche Handwerksbetriebe nicht deshalb seltener verklagt werden, weil sie nie Fehler machen. Sie werden seltener in Anspruch genommen, weil sie fachgerecht arbeiten, Risiken frühzeitig erkennen, ihre Leistungen sauber dokumentieren und rechtzeitig kommunizieren. Genau diese Kombination aus handwerklicher Qualität und rechtlicher Vorsorge ist der wirksamste Schutz vor kostspieligen Auseinandersetzungen."

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Text: / handwerksblatt.de

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