Viele Auszubildende sind für ihren Weg zur Berufsschule, ÜLU oder Ausbildungsbetrieb auf Bus und Bahn angewiesen. In einigen Bundesländern gibt es für sie schon ein spezielles Azubi-Ticket, mit dem sie günstig durchs ganze Land fahren können.

Viele Auszubildende sind für ihren Weg zur Berufsschule, ÜLU oder Ausbildungsbetrieb auf Bus und Bahn angewiesen. In einigen Bundesländern gibt es für sie schon ein spezielles Azubi-Ticket, mit dem sie günstig durchs ganze Land fahren können. (Foto: © rawpixel/123RF.com)

Azubi-Ticket: Kostengünstig durchs ganze Bundesland

Bildung

Sieben Bundesländer bieten bislang ein günstiges Ticket an, mit dem Azubis landesweit Busse und Bahnen nutzen können. Im Januar 2021 kommt mit Sachsen-Anhalt das achte dazu. Die Spanne reicht von 360 bis 984 Euro pro Jahr.

Hessen hat den Anfang gemacht. Dort gibt es für Auszubildende seit dem 1. August 2017 das Schülerticket Hessen. Es kostet jährlich 365 Euro – also einen Euro pro Tag. Voraussetzung ist allerdings, dass man den kompletten Betrag im Voraus bezahlt. Wem das zu viel ist, der kann das Geld auch in zwölf Raten vom Konto abbuchen lassen. In diesem Fall werden allerdings 372 Euro pro Jahr – also 31 Euro monatlich – fällig. Das Schülerticket Hessen ist landesweit sowie einige Halte über die Landesgrenze hinaus gültig, etwa an den Grenzen zu Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen.

Testphase in Thüringen

In Thüringen befindet sich das Azubi-Ticket Thüringen in der Testphase. Der Freistaat hat das Pilotprojekt am 1. Oktober 2018 begonnen. Enden sollte es ursprünglich am 31. Dezember 2019. Im November wurde es um ein weiteres Jahr verlängert. Eigentlich kostet das Azubi-Ticket Thüringen monatlich 179,44 Euro. Aber die Auszubildende zahlen nur 50 Euro – also maximal 600 Euro im Jahr. Den Rest übernimmt während der Pilotphase das Land. Die Fahrkarte ist nahezu in ganz Thüringen gültig. Bis auf den Landkreis Greiz beteiligen sich nach Informationen des Verkehrsministeriums alle Thüringer Landkreise und kreisfreien Städte am Azubi-Ticket.

Azubi-Ticket in Berlin-Brandenburg

Für 365 Euro im Jahr können Azubis in Berlin und Brandenburg mit dem VBB-Abo Azubi ab dem 1. August 2019 U- und S-Bahn nutzen. Foto: © Thomas Fehr/123RF.comFür 365 Euro im Jahr können Azubis in Berlin und Brandenburg mit dem VBB-Abo Azubi ab dem 1. August 2019 U- und S-Bahn nutzen. Foto: © Thomas Fehr/123RF.com

Seit Sommer 2019 bieten vier weitere Bundesländer eine landesweit gültige Fahrkarte gezielt für Auszubildende an. Ab dem 1. August können Lehrlinge aus Berlin und Brandenburg das VBB-Abo Azubi nutzen. Es kostet sie jährlich 365 Euro und ist im gesamten Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) gültig.

Modulares Modell in NRW

Nordrhein-Westfalen setzt seit dem 1. August 2019 auf ein modulares Modell. Grundlage ist dort ein regional gültiges Azubiticket des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS), der WestfalenTarif GmbH und des Aachener Verkehrsverbundes (AVV), das zu einer landesweit gültigen Fahrkarte ausgebaut werden kann. Der Preis für das regionale Azubiticket liegt je nach Verkehrsverbund zwischen 60,70 Euro und 62 Euro im Monat. Mit dem NRWupgrade, das monatlich 20 Euro kostet, lässt sich der Geltungsbereich auf ganz Nordrhein-Westfalen ausdehnen; macht 984 Euro pro Jahr oder 82 Euro im Monat. Das Angebot richtet sich neben Auszubildenden unter anderem auch an Meisterschüler.

Landesweit gültige Azubi-Tickets

 Bundesland  Bezeichnung  Kosten für Auszubildende  gültig seit
 Baden-Württemberg
 Bayern
 Berlin/Brandenburg  VBB-Abo Azubi  365 Euro pro Jahr  01.08.2019 
 Bremen
 Hamburg  BonusTicket für Azubis  360 Euro pro Jahr (30 Euro pro Monat)  01.08.2020
 Hessen  Schülerticket Hessen  365 Euro pro Jahr bei Einmalzahlung / 372 Euro pro Jahr (31 Euro pro Monat) bei Ratenzahlung  01.08.2017
 Mecklenburg-Vorpommern
 Nordrhein-Westfalen Azubiticket + NRWupgrade   984 Euro pro Jahr (82 Euro pro Monat)  01.08.2019
 Niedersachsen
 Rheinland-Pfalz
 Saarland
 Sachsen  AzubiTicket Sachsen  816 Euro pro Jahr (68 Euro pro Monat)  01.08.2019
 Sachsen-Anhalt  noch nicht bekannt  noch nicht bekannt  01.01.2021
 Schleswig-Holstein

 Thüringen  Azubi-Ticket Thüringen  600 Euro pro Jahr (50 Euro pro Monat)  01.10.2018
 Quelle: eigene Recherche; Stand: 1. Juli 2020        


In Sachsen können Auszubildende seit dem 1. August 2019 mit dem AzubiTicket Sachsen günstig mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch den gesamten Freistaat fahren. Grundlage ist ein regional gültiges Azubiticket des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV), des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS), des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), des Verkehrsverbundes Vogtland (VVV) und des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON). Pro Verbund kostet es 48 Euro. Wer in mehreren Verbünde mobil sein möchte, kann für je zusätzliche fünf Euro die anderen sächsischen Verbünde zukaufen. Unterm Strich ist eine landesweit gültige Fahrkarte damit für 68 Euro im Monat oder 816 Euro im Jahr erhältlich. Der vergünstigte Preis ist möglich, weil der Freistaat Sachsen dieses Angebot bezuschusst.

Ab dem 1. August 2020 wird der Kreis der Berechtigten erweitert. Dann können auch Auszubildende, die ihren Berufsschulort außerhalb von Sachsen haben, aber bei einem sächsischen Betrieb lernen, im Freistaat günstig Bus und Bahn fahren.

Hamburg: BonusTicket für Azubis

Ab dem 1. August 2020 können Azubis, die in Hamburg ihre Lehre absolvieren, für 30 Euro im Monat die öffentlichen Verkehrsmittel des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) nutzen. Foto: © HVVAb dem 1. August 2020 können Azubis, die in Hamburg ihre Lehre absolvieren, für 30 Euro im Monat die öffentlichen Verkehrsmittel des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) nutzen. Foto: © HVV

Auszubildende mit einem Ausbildungsplatz in Hamburg können ab dem 1. August 2020 das Abo "BonusTicket für Azubis" beantragen. Es berechtigt sie, im gesamten Netz des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) zu fahren. Pro Monat fallen 30 Euro für den Auszubildenden an (360 Euro pro Jahr) an. Die Stadt Hamburg und der Ausbildungsbetrieb beteiligen sich mit jeweils 20 Euro an den Kosten.

Ticket für Betriebe steuerlich absetzbar

Für Ausbildungsbetriebe, die sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren möchten, hat mobil.nrw – die Gemeinschaftskampagne des NRW-Verkehrsministeriums sowie der Verkehrsunternehmen, Zweckverbände, Verkehrsverbünde und -gemeinschaften – einen guten Tipp parat: Sie können das Azubiticket und das NRWupgrade zu 100 Prozent steuerlich geltend machen – egal, ob sie die Kosten dafür anteilig oder ganz übernehmen.

Semester-Ticket ist gängige Praxis

Auszubildende anderer Bundesländer müssen sich wohl noch gedulden. Dabei wäre die Einführung eines günstigen und landesweit gültigen Tickets für die berufliche Bildung extrem wichtig. Zum einen als bildungspolitisches Signal, dass die akademische und die berufliche Bildung nicht nur auf dem Papier gleichgestellt sind. "Schließlich ist das ,Semester-Ticket‘ für Studierende schon lange gängige Praxis", argumentiert Jens Christopher Ulrich vom Bayerischen Handwerkstag (BHT). Ab dem Ausbildungsjahr 2020/2021 werden immerhin die Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV) und die Verkehrsverbund Großraum Nürnberg GmbH (VGN) ein solches Angebot an den Start bringen. 

Urbane Zentren werden bevorzugt

Kommt da heute noch was?! Auszubildende müssen teilweise weit fahren, um zur Berufsschule oder zu ihrem Betrieb zu kommen. Verlässliche Bus- und Bahn-Verbindungen sind deshalb nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land unverzichtbar. Foto: © saksit kuson/123RF.comKommt da heute noch was?! Auszubildende müssen teilweise weit fahren, um zur Berufsschule oder zu ihrem Betrieb zu kommen. Verlässliche Bus- und Bahn-Verbindungen sind deshalb nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land unverzichtbar. Foto: © saksit kuson/123RF.com

Doch es geht auch darum, den ländlichen Raum nicht weiter zu schwächen. Beispiel Mecklenburg-Vorpommern. "Weite Wege zu den zentralisierten Berufsschulen oder Ausbildungsbetrieben führen oft dazu, dass sich Jugendliche eher für eine handwerkliche Ausbildung in urbanen Zentren entscheiden", erklärt Jens-Uwe Hopf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Auszubildende in ländlich geprägten Regionen von Meck-Pom würden durchschnittlich 51 Kilometer bis zu ihrem Ausbildungsort zurücklegen. Deshalb habe man die neue Bildungsministerin Bettina Martin bei ihrem Amtsantritt im Mai 2019 darum gebeten, kurzfristig die Einführung eines landesweiten Azubi-Tickets auf die Agenda zu setzen.

Laut dem Norddeutschen Rundfunk haben sich die beiden Regierungsparteien SPD und CDU darauf verständigt, zehn Millionen Euro für ein landesweit gültiges Azubi-Ticket in MV bereitzustellen. Zurzeit ist jedoch noch offen, wie viel die Fahrkarte kosten soll und inwieweit sich die Betriebe oder die Auszubildenden an den Kosten beteiligen.

ÖPNV-Angebot muss ausgebaut werden

Für die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) wäre die Förderung der Mobilität der Auszubildenden ein entscheidender Schritt, die Attraktivität der dualen Berufsausbildung zu steigern. Dabei sind auch die Teile des Landes zu berücksichtigen, die noch nicht vollständig vom Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) versorgt sind. "Die Ausweitung des ÖPNV und dessen Nutzung zu fördern ist aber von zentraler Bedeutung", meint Bildungsreferent Dr. Tobias Roeder. Dies gelte nicht zuletzt in Anbetracht des Anspruchs einer ortsnahen, erreichbaren Beschulung von Auszubildenden in einem Flächenland wie Niedersachsen. Die LHN fordert deshalb von der niedersächsischen Landesregierung ein Ticket nach hessischem Modell in Höhe von 365 Euro pro Jahr und gleichzeitig eine Bezuschussung von Fahrten in noch nicht vom ÖPNV abgedeckten Räumen.

Noch kein Azubi-Ticket für Bremen und Niedersachsen

Doppelstockzug von DB Regio auf der Strecke RE 1 Augustfehn – Oldenburg – Bremen – Verden – Eystrup. Foto: © Kluge Kommunikaton GmbHDoppelstockzug von DB Regio auf der Strecke RE 1 Augustfehn – Oldenburg – Bremen – Verden – Eystrup. Foto: © Kluge Kommunikaton GmbH

Laut einem Bericht des Weser-Kuriers sei ein vergünstigtes Ticket für Schüler, Auszubildende und Freiwilligendienstleistende für den Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) zum Sommer 2020 in Sicht gewesen. Als geplanter Einführungspreis sei monatlich 30,40 Euro – also umgerechnet einen Euro pro Tag – vorgesehen gewesen.

Doch es gibt Verzögerungen. "Eine landesweite Umsetzung ab dem Schul- bzw. Ausbildungsjahr 2020/2021 wird es noch nicht geben", erklärt ein Sprecher des VBN gegenüber handwerksblatt.de im Juni 2020. Hierzu seien weitere Gespräche mit den Ländern Niedersachsen und Bremen erforderlich, um die Finanzierung zu klären. Vor dem aktuellen Hintergrund der Corona-Krise sei nicht absehbar, wie sich die Länder hierzu künftig positionieren werden. Über einen möglichen Preis oder Einführungstermin könne man derzeit keine Aussagen machen.

Azubis müssen immer weiter fahren

In Sachsen-Anhalt belegt eine von den Handwerkskammern sowie den Industrie- und Handelskammern veröffentlichte Berufsschulstandortanalyse, dass die Auszubildenden auf Grund der veränderten Berufsschullandschaft immer weitere Wege zurücklegen müssen. "Auszubildende, die nicht wohnortnah, aber immerhin in Sachsen-Anhalt beschult werden, legen im Schnitt fast 100 Kilometer je Schultag zurück. Insofern wäre ein günstigeres Azubi-Ticket in Höhe von 365 Euro pro Jahr wünschenswert", heißt es in der Studie aus dem Jahr 2018. Die Einführung eines landeseinheitlichen Azubi-Tickets wird bereits seit 2016 anvisiert. Nun zeichnet sich eine Lösung ab. "Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat das Azubi-Ticket zum 1. Januar 2021 beschlossen und Finanzmittel dafür eingeplant", erklärt eine Sprecherin der Handwerkskammer Magdeburg gegenüber handwerksblatt.de. 

Wohnort- und betriebsnahe Berufsschulklassen

Im Vorfeld der Kommunalwahlen 2019 hat der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) einen Forderungskatalog für handwerksfreundliche Städte und Gemeinden vorgelegt. Zu einer "Kommune der kurzen Wege" gehört für BWHT-Präsident Rainer Reichhold auch, dass Auszubildende möglichst schnell und unkompliziert ihre Berufsschule erreichen können. "Wo immer möglich, müssen Berufsschulklassen wohnort- und betriebsnah erhalten bleiben. Die Einführung eines verbundübergreifenden Azubi-Tickets ist darüber hinaus ebenfalls erforderlich, wie es das bereits für Studierende gibt." Da seitdem nichts passiert ist, nimmt der BWHT das Azubi-Ticket in seine Forderungen für die Landtagswahl 2021 auf.

Handwerk im Gespräch mit der Politik

In einigen Ländern ist das Handwerk im engen Dialog mit der jeweiligen Regierung oder den zuständigen Ministerien. "Staatssekretär Barke aus dem Wirtschaftsministerium hat mir im persönlichen Gespräch seine Bereitschaft versichert, das Thema Azubi-Ticket anzugehen", erklärt Dr. Arnd Klein-Zirbes, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes. Auch die Kammern in Rheinland-Pfalz hoffen auf eine baldige Lösung. "Wir werden uns weiter für die Einführung eines Azubi-Tickets einsetzen und hoffen dann auch auf Erfolg", so Anja Obermann von der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammer Rheinland-Pfalz. 

Text: / handwerksblatt.de

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