Um den gewünschten Ausbildungsplatz zu bekommen, müssen junge Menschen mitunter auch umziehen. Doch bezahlbare Unterkünfte sind rar gesät. Deshalb sollen die Angebote des Jugendwohnens ausgebaut werden.

Um den gewünschten Ausbildungsplatz zu bekommen, müssen junge Menschen mitunter auch umziehen. Doch bezahlbare Unterkünfte sind rar gesät. Deshalb sollen die Angebote des Jugendwohnens ausgebaut werden. (Foto: © Vadim Georgiev/123RF.com)

Bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende schaffen

Bildung

Nicht nur Studenten brauchen günstige Unterkünfte, sondern auch Auszubildende. Ein Programm der Bundesagentur für Arbeit fördert bis zum Jahr 2021 die Modernisierung sowie den Um- und Neubau von Jugendwohnheimen.

Jahr für Jahr ist es dasselbe Spiel: Kurz bevor das neue Semester an den Hochschulen beginnt, wird nach mehr Wohnheimplätzen für Studierende gerufen. Ein ähnlicher Appell nach bezahlbaren Unterkünften für Auszubildende ist bestenfalls ganz leise zu hören. Nun nimmt sich der Westdeutsche Handwerkskammertag der Sache an. In einem Positionspapier fordert der WHKT, dass vor allem in den Ballungsräumen auch Wohnheime für Auszubildende geschaffen werden müssen. "Das Land Nordrhein-Westfalen investiert jährlich rund 95 Millionen Euro für Studentenwohnheime. Ein vergleichbares Angebot für Auszubildende fehlt", bemängelt der Handwerksverband. Meine man es mit der politisch propagierten Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung ernst, sei dies aber längst überfällig.

Förderung von Jugendwohnheimen verlängert

In einigen Regionen finden junge Menschen keinen Ausbildungsplatz mehr in der Nähe ihres Heimatortes. Laut einer Befragung der Bundesagentur für Arbeit und dem Bundesinstitut für Berufsbildung muss jeder vierte Lehrstellenbewerber mehr als 20 Kilometer pendeln, um seinen Betrieb zu erreichen. 8,6 Prozent der Befragten haben sich über 100 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt beworben. 6,3 Prozent sind für ihre Ausbildung tatsächlich umgezogen.

Die Allianz für Aus- und Weiterbildung – ein Zusammenschluss verschiedener Bundesministerien, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände – hat erkannt, dass diese Jugendlichen für die Zeit ihrer Lehre eine günstige Bleibe brauchen. Deshalb wurde die Förderung von Jugendwohnheimen für betriebliche Auszubildende bis Ende 2021 verlängert. Außerdem soll das Angebot transparenter werden.

Förderung von Jugendwohnheimen durch die BA – hier gibt es mehr Infos!Nachdem die erste Förderperiode Ende 2015 ausgelaufen war, kann die Bundesagentur für Arbeit seit dem 1. Januar 2019 wieder einen einmaligen Zuschuss für Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen zahlen. In der Regel übernimmt sie bis zu 35 Prozent der förderungsfähigen Gesamtkosten – aber höchstens 25.000 Euro pro Wohnheimplatz. In Ausnahmefällen können auch 40 Prozent gewährt werden.

Um die Finanzierungskosten bei Neubauten und Erweiterungen zu senken, beteiligt sich die BA außerdem mit Zinszuschüssen. "Diese Förderung konnte auch während der dreijährigen Pause beansprucht werden, dürfte wegen der niedrigen Zinsen aber nicht sonderlich interessant sein", vermutet Katja Janning von der Agentur für Arbeit in Rheine. Sie und ihr Team beraten und betreuen Träger aus ganz Deutschland, die ein neues Jugendwohnheim bauen, ein bestehendes erweitern, umbauen oder modernisieren lassen möchten.

Unübersichtlicher Markt

Förderungsfähig sind allerdings nur solche Einrichtungen, die betriebliche Auszubildende aufnehmen oder künftig aufnehmen wollen. Diese aus dem breit gefächerten Angebot herauszufiltern, ist Katja Janning schwergefallen, denn auch Reha-Träger, Internate für Blockschüler oder Unterbringungen für Schüler fallen unter die Kategorie Jugendwohnen. "Wir haben keinen Überblick, in welchen Häusern betriebliche Auszubildende untergebracht sind." Mehr als 500 Jugendwohnheime sind etwa bei der Initiative "Auswärts Zuhause" gelistet. Daraus wurden 390 potenzielle Adressaten für die Förderung ausgemacht und angeschrieben. 86 davon haben sich telefonisch beraten lassen. Etwas weniger als die Hälfte konnten die Förderkonditionen erfüllen. Bis Mitte November sind sechs Anträge für den Sanierungs- und Modernisierungszuschuss in Rheine eingegangen.

Größtenteils wird saniert

Aus der ersten Förderperiode sind inzwischen zehn der insgesamt 26 bewilligten Projekte abgeschlossen. Dazu zählen zwei Ersatzneubauten. "Ein, zwei Neubauten könnten noch in der Pipeline sein", vermutet Katja Janning. Größtenteils werden bestehende Häuser saniert, "da etwa ein Gemeinschaftsbad für die Bewohner einer ganzen Etage oder Vierbettzimmer nicht mehr den heutigen Standards entsprechen". Neben der Modernisierung sanitärer Einrichtungen stehen auch der Einbau neuer Küchen sowie die Versorgung mit Internetanschluss auf der Modernisierungs-Agenda.

Das Team Jugendwohnheimförderung gehört zur Agentur für Arbeit Bochum, hat seinen Sitz aber am Standort in Rheine. Es ist telefonisch unter der Rufnummer 05971/ 930700 erreichbar. "Wer außerhalb dieser Sprechzeiten anruft, kann eine Nachricht auf der Mailbox hinterlassen oder schickt uns ein E-Mail. Wir werden uns so schnell wie möglich melden", versichert Teamleiterin Katja Janning.

Träger aus Bayern und Baden-Württemberg bilden das Spitzenduo der Geförderten. "In der ersten und zweiten Förderperiode sind von insgesamt 69 Anträgen nur elf aus Nordrhein-Westfalen bei uns eingegangen", so Katja Janning. Dies sei – gemessen an der Einwohnerzahl – eher wenig. Vielleicht wird die Dringlichkeit im bevölkerungsreichsten Bundesland noch nicht richtig erkannt. Deshalb hat sich der Westdeutsche Handwerkskammertag in einem ersten Schritt an die Landesregierung in Düsseldorf gewandt und ein Bündnis für Lehrlingswohnen vorgeschlagen. 

Text: / handwerksblatt.de

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