Foto: © Hannover Messe
HWK Münster | April 2026
Zulieferer zeigen Hightech auf Hannover Messe
Auch in diesem Jahr sind Handwerksbetriebe aus dem Kammerbezirk Münster auf der Hannover Messe mit einem Gemeinschaftsstand vertreten.
Früh in einer Männerdomäne gestartet, heute in Führung und Ehrenamt engagiert: Juana Bleker zeigt, wie Frauen Verantwortung übernehmen – und wie wichtig Vernetzung ist. (Foto: © Teamfoto Marquardt)
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Nach dem Abitur Anfang der 1990er-Jahre bewarb sich Juana Bleker um eine Ausbildung im Sanitär-Heizung-Klima-Großhandel. "Ich war das erste Mädchen in der Filiale", erinnert sie sich.
Ein Satz, der viel über die Zeit erzählt – und über den Anfang einer Laufbahn, die sie bis heute prägt. Der tägliche Kontakt mit Handwerkern, Baustellenbesuche und der direkte Austausch gehörten früh dazu. Für manche ungewohnt, für die meisten schnell selbstverständlich. Sie lernte die Sprache des Handwerks, durchlief alle Abteilungen, entdeckte ihre Stärke für Zahlen und Organisation. Die Ausbildung verkürzte sie, absolvierte anschließend das Studium zur Diplom-Betriebswirtin an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie. Handwerk wurde mehr als ein Berufsumfeld – es wurde Teil ihres Alltags und ihrer Identität.
Nach der Geburt ihres Kindes stand sie vor einer Entscheidung, die viele Frauen kennen: Karriere oder Familie? Ihre Antwort war ein selbst gewählter Weg. Sie machte sich selbstständig, bot zunächst Bürodienstleistungen für Handwerksbetriebe an. 2010 folgte der nächste Schritt: Gemeinsam mit ihrem Mann, Theo Bleker, übernahm sie einen Betrieb, 2015 wurde daraus die Bleker Haustechnik GmbH in Bocholt. Heute ist sie Gesellschafterin und er Geschäftsführer. Die Aufgaben sind klar verteilt – sie verantwortet Finanzen, Personal und den gesamten kaufmännischen Bereich. Entscheidungen treffen sie gemeinsam. "Wir sind eine gute Kombination", sagt sie. Eine Doppelspitze, die zeigt, wie modernes Unternehmertum im Handwerk aussehen kann.
Was sie antreibt, ist Verantwortung. Für den Betrieb, die Mitarbeiter, die Zukunft. Erfolgreiche Betriebsführung bedeutet für sie Offenheit, Ehrlichkeit und Wertschätzung. Kommunikation auf Augenhöhe, eine gelebte Fehlerkultur und das Bewusstsein, dass man Menschen mitnehmen muss. Führung versteht sie als Haltung. Dass Frauen in Führungsrollen im Handwerk heute sichtbarer sind als noch vor Jahren, erlebt sie deutlich. Dennoch gibt es Situationen, in denen alte Muster fortwirken – etwa im Kontakt mit Banken, wenn Fragen noch immer eher an den Mann gerichtet werden. "Es wird besser", sagt sie, "aber ganz verschwunden ist das noch nicht." Gerade deshalb hält sie es für wichtig, dass Frauen präsent sind, Verantwortung übernehmen und sich einbringen – im Betrieb ebenso wie in Gremien.
Seit 2007 engagiert sie sich bei den UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH). Ein Steuerrechtsvortrag war der Einstieg, geblieben ist sie aus Überzeugung. Ehrenamt bedeutet für sie Austausch, gegenseitige Stärkung und gemeinsames Gestalten. "Zusammen kann man mehr erreichen", sagt sie. Das Netzwerk bietet Frauen aus allen Gewerken Raum, Kompetenz zu zeigen, Wissen zu teilen und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Besonders am Herzen liegt ihr dabei ein Thema, das viele Unternehmerinnen betrifft: der fehlende gesetzliche Mutterschutz für Selbstständige. Eine Schwangerschaft dürfe kein unternehmerisches Risiko sein, betont sie. Derzeit seien Frauen auf freiwillige Zusatzlösungen angewiesen – ein Zustand, den sie ändern möchte.
Ihr Engagement reicht bis auf Landesebene. Als 1. Vorsitzende des UFH NRW (seit 2021) arbeitet Bleker daran mit, Strukturen weiterzuentwickeln, Projekte voranzubringen und das Handwerk insgesamt zukunftsfähig aufzustellen – auch im Austausch mit Ministerien und den Handwerksorganisationen. Die Themen in den Betrieben ähneln sich, weiß sie, egal ob im Münsterland oder im Ruhrgebiet. Umso wichtiger sei es, Erfahrungen zu bündeln und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Auch in der Vollversammlung der Handwerkskammer bringt sie sich als Mitglied ein. Mitbestimmung bedeutet für sie, nicht nur zu kritisieren, sondern Verantwortung zu übernehmen. Ausbildung, Meisterqualifikation, Fachkräftesicherung, Digitalisierung und solide Finanzen – das alles sind Themen, die sie unmittelbar betreffen. Die Zusammenarbeit im Gremium beschreibt sie als respektvoll und professionell, auf Augenhöhe. Es gibt Synergien.
Ihr Blick nach vorn ist klar: Sie wünscht sich mehr Frauen im Handwerk, bessere Rahmenbedingungen für Vereinbarkeit von Familie, Betrieb und Ehrenamt – und einen gesetzlich verankerten Mutterschutz für Selbstständige. Vor allem aber wünscht sie sich, dass junge Frauen sich mehr zutrauen. "Jeder Beruf steht Frauen offen", sagt sie. Man solle das machen, wofür man Begeisterung und Stärke mitbringt – und sich nicht von überholten Rollenbildern abhalten lassen.
Ihr eigener größter Erfolg? Beständigkeit. Und die Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen zu sein. Was sie der nächsten Generation von Handwerkerinnen mitgeben möchte, fasst sie in einem einfachen Appell zusammen: den eigenen Weg gehen, sich engagieren, vernetzen, weiterbilden – und stolz darauf sein, Handwerkerin zu sein.
Hintergrund: UFHHintergrund Die UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) sind ein lebendiges Netzwerk engagierter Frauen aus dem regionalen Handwerk: Unternehmerinnen, Teilhaberinnen, Partnerinnen, Familienangehörige und Führungskräfte. Im Handwerk spielen Unternehmerfrauen schon lange eine wichtige Rolle – als Mitdenkerinnen, Organisatorinnen und Führungskräfte im Betrieb und in der betrieblichen Praxis. Die UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) sind eine starke Gemeinschaft, die Frauen im regionalen Handwerk gezielt unterstützt und vernetzt. Seit über vier Jahrzehnten bringen sie Frauen aus allen Gewerken zusammen, um Wissen zu teilen, Kompetenzen zu stärken und gemeinsam Zukunftsthemen anzugehen.
UFH NRW Unter dem Landesdachverband UFH NRW sind die regionalen Arbeitskreise organisiert. Insgesamt gibt es in Nordrhein-Westfalen rund 18 solcher Arbeitskreise, in denen sich Frauen aus dem Handwerk engagieren. Sie bilden das lokale Netzwerk vor Ort und sind zentrale Anlaufstelle für Austausch, Fortbildung und Vernetzung. Arbeitskreise organisieren regelmäßig Treffen, Workshops, Fachvorträge und Seminare zu Themen, die für UnternehmerFrauen relevant sind. Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, persönliche und betriebswirtschaftliche Kompetenzen zu stärken sowie Erfahrungen zu teilen – damit die Herausforderungen zwischen Betrieb, Familie und persönlicher Entwicklung besser gemeistert werden können. Zudem arbeiten die Arbeitskreise eng mit den Handwerksorganisationen und politischen Akteuren zusammen und vertreten die Interessen der Unternehmerfrauen öffentlich.
Arbeitskreise Im Kammerbezirk Münster sind fünf Arbeitskreise aktiv: Münster/Münsterland, Steinfurt, Warendorf, Bottrop und Borken. Sie bringen die Frauen im Handwerk zusammen – sowohl auf lokaler als auch auf überregionaler Ebene. "Mit ihrem Engagement tragen die UnternehmerFrauen dazu bei, das Handwerk als vielfältige, zukunftsorientierte und inklusive Wirtschaftsregion sichtbar zu machen", betont Juana Bleker aus Borken, 1. Vorsitzende des UFH NRW.
Online Hier geht es zur Internetpräsenz der UFH NRW.
Kontakt Arbeitskreis Borken Juana Bleker, E-Mail: juana.bleker@gmx.de; Arbeitskreis Bottrop Astrid Drost, Tel. 0173 8689338, E-Mail: as.drost@googlemail.com; Arbeitskreis Münster/Münsterland Gabriele Gehring-Evels, Tel. 0251 32263119, E-Mail: gehring-evels@evels.de; Arbeitskreis Steinfurt Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf Tanja Feistmann, Tel. 05971 40031210, E-Mail: ufh-st@kh-st-waf.de; Arbeitskreis Warendorf Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf Kira Pepinghege, Tel. 05971 40031420, E-Mail: ufh-waf@kh-st-waf.de.
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