Die Anzahl der Ladestationen wächst in Deutschland. Viele Ladepunkte können mittlerweile mit Apps gefunden werden.

Die Anzahl der Ladestationen wächst in Deutschland. Viele Ladepunkte können mittlerweile mit Apps gefunden werden. (Foto: © nerthuz/123RF.com)

E-Autos: Zahl der Ladepunkte wächst

Der Erfolg der Elektromobilität steht und fällt mit der Infrastruktur. Obwohl die Anzahl der Ladepunkte für E-Autos wächst, ist die Ladegeschwindigkeit an der Zapfsäule entscheidend. Es gibt allerdings noch viel Luft nach oben.

Nein, für Elektroautos gibt es noch keinen Reservekanister oder, besser gesagt, eine Powerbank, wenn die Energie einmal aufgebraucht ist. Es gibt auch keinen Tauschplatz, an dem sich ein leergefahrener Batteriesatz mal schnell gegen einen frischen tauschen lässt. Richtig: Es geht um die Reichweitenangst, doch einmal mit einem Elektrofahrzeug liegen zu blieben.

Schließlich haben alle die begrenzte Reichweite vor Augen und vor allem im Kopf. Doch routinierte Fahrer wissen: Die meisten Fahrten im gewerblichen, aber auch im privaten Bereich liegen deutlich unter der realen Reichweite der Elektro-Fahrzeuge. Und wer länger unterwegs ist, muss genauer planen, um rechtzeitig eine Stromtankstelle anzufahren.

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Ladepunkte fehlen oder sind an falscher Stelle

Anzahl der Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Deutschland vom 1. Quartal 2018 bis zum 3. Quartal 2019. Foto: © DHB
Anzahl der Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Deutschland vom 1. Quartal 2018 bis zum 3. Quartal 2019. Foto: © DHB

Zahlreiche Apps helfen Smartphone-Besitzern, am jeweiligen Standort die nächstgelegenen Ladepunkte zu finden. Doch was für die einen schon ein gut ausgebautes Netz ist, vergleichen andere mit einem Flickenteppich. Jeder Fahrer eines Elektrofahrzeugs weiß Katastrophenberichte zu erzählen, wenn sich die dringend benötigte Stromtanke als defekt erweist oder mal wieder von SUV so zugeparkt ist, dass es keinen Zugang gibt.

Und es gibt immerhin bundesweit 83.200 Fahrzeuge (Stand 1. Januar 2019), die nur mit Strom vorwärtskommen und daher auf Ladepunkte angewiesen sind, weil sich nicht immer in der heimischen Garage oder auf dem Firmengelände laden lässt. Gerade in den Innenstädten erweisen sich Ladepunkte oft als unbrauchbare Imagepflege von Betreibern, stehen an der falschen Stelle oder fehlen.

Immerhin hat bundesweit die Zahl der öffentlichen Ladepunkte deutlich zugenommen und lag zuletzt nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e. V., kurz BDEW, bei 20.650, jede zwölfte davon übigens eine Schnellladestation. Die Bundesnetzagentur hat – für jeden kostenlos herunterladbar – exakt 10.107 Ladepunkte gelistet (Stand: 2. Oktober 2019). Allerdings schreibt das Gesetz keine lückenlose Meldung vor – deshalb ist die tatsächliche Zahl der öffentlich zugänglichen Ladesäulen höher. Das Statistische Bundesamt kommt auf 16.732 Ladestationen (siehe Grafik) und eine enorme Steigerung innerhalb eines Jahres.

Ausbau der Ladesäulen notwendig

Zugleich entstehen immer mehr Kooperationen und Allianzen, die sich eine lückenlose Infrastruktur auf die Fahnen geschrieben haben, zum Beispiel aus Autoherstellern und Energiekonzernen oder Dienstleistern. Supermarktketten installieren immer häufiger Zapfsäulen auf ihren Parkplätzen, an denen die Kunden während des Einkaufs laden können und Kommunen sowie Energieversorger arbeiten daran, ebenfalls das Netz zu erweitern. "Was wir brauchen, ist ein Zubau an Ladesäulen, der mit dem tatsächlichen Bedarf der Nutzer und mit dem technologischen Fortschritt im Einklang steht", sagt Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

"Nach unseren Berechnungen sind 350.000 öffentliche Ladepunkte für die geplanten zehn Millionen E-Autos vollkommen ausreichend." Das heißt auch, dass künftig entscheidend sein wird, dass die Stromtankstellen auch eine Schnellladung anbieten können. Der entscheidende Impuls für die Elektromobilität dürfte aber vor allem aus dem privaten Sektor kommen, an dem schließlich die Masse der Fahrzeuge hängt. "Jeder Mieter und Wohnungseigentümer muss die Möglichkeit haben, private Ladeinfrastruktur zu installieren", fordert daher BDEW-Chef Kapferer.

Forderungen an die Politik

Er setzt daher auf die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sich für die Anpassung des Miet- und Wohnungseigentumsrechts einzusetzen. Da ist es in der Tat schwierig, eine generelle Versorgung umsetzen. Klassisches Beispiel sind Wohneigentumgsgemeinschaften, die nur einstimmig Veränderungen beschließen können. In einem Haus mit zehn Eigentumswohnungen reicht dann schon eine Gegenstimme, um für die anderen neun Parteien die Installation einer Stromtankstelle in der Tiefgarage oder vor dem Haus zu verhindern.

 

100.000 Ladepunkte bis 2020 – und zwar europaweit

Das Joint Venture Charge4Europe von DKV Euro Service und innogy hat erfolgreich seine operative Tätigkeit aufgenommen. Betreiber gewerblicher E-Flotten können ab sofort ein europaweites, markenunabhängiges Ladenetz nutzen, das Charge4Europe konsequent ausbaut. Beim Ausbau wird das junge Unternehmen von Hubject unterstützt, einem der größten, international tätigen eRoaming-Plattformbetreiber, mit dem DKV und innogy schon in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet haben. Dazu unterzeichneten Charge4Europe und Hubject kürzlich einen Kooperationsvertrag.

"Mit diesem Vertrag werden wir den Aufbau eines der größten markenunabhängigen Ladenetze beschleunigen, um unsere Ziele zu erreichen", sagt Suthalan Gnanes, Supplier Management Charge4Europe. Christian Hahn, CEO Hubject, ergänzt: "Ich freue mich, mit Charge4Europe einen neuen und ambitionierten Partner in der Elektromobilität begrüßen zu dürfen, welcher mittels neuen, innovativen Ansätzen helfen wird, einen offenen und gemeinsamen Marktplatz für Elektromobilität zu schaffen."
Das Ladenetz von Charge4Europe soll konsequent zum größten in ganz Europa ausgebaut werden.

Text: / handwerksblatt.de