Handwerk

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke (re.) und Peter Eul (li.), Vizepräsident der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe überreichten den Zukunftspreis an Eugen Penner, Lara Tilleke, Lars Jauer und Karl-Heinz Holste in der Skylobby des Theaters Gütersloh. (Foto: © T. Starke)

Mehr Anerkennung für die Selbstständigkeit

Bei der Verleihung des Zukunftspreises Handwerk Ostwestfalen-Lippe sprach sich ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke für eine Aufwertung der Selbstständigkeit aus.

"Das Thema Selbstständigkeit braucht mehr Anerkennung und Wertschätzung und muss stärker in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden." Mit dieser klaren Position fand ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke nicht nur Gehör, sondern ausgesprochen großen Zuspruch bei den 100 Gästen des Zukunftspreises Handwerk Ostwestfalen-Lippe in Gütersloh. Schon in den Schulen müsse das Thema aufgegriffen werden, "vielleicht sogar mit einem eigenen Unterrichtsfach Unternehmertum".

Noch Luft nach oben bei Übernahmen

Etwa 70.000 Betriebsgründungen und über 9000 Übernahmen pro Jahr seien noch nicht genug. Gerade bei Letzteren sei noch Luft nach oben. Schließlich würde das Wirtschaftsleben vor Ort ohne Gründungen und Übernahmen ausgedünnt, nur mit ihnen blieben Dienstleistungen und Produkte regional verfügbar, ist Schwannecke überzeugt. "Die soziale Marktwirtschaft lebt von Gründungen. Sie braucht den Mut von Gründerinnen und Gründern." Und er sieht im Gründen handwerklicher Betriebe noch mehr verwirklicht: "Es geht darum, etwas von Wert zu schaffen: Einen Betrieb, der bleibt. Der sichere Arbeitsplätze schafft. Der neuen Ideen zum Durchbruch verhilft."

Arbeit statt Formulare

Zitat: "Sie haben Grund, richtig stolz auf sich zu sein." (Holger Schwannecke, ZDH-Generalsekretär)Das sei allerdings gar nicht so einfach. Denn besonders Bürokratie schrecke junge Menschen ab, monierte der Generalsekretär: "Handwerker wollen arbeiten, nicht Formulare ausfüllen." Deswegen setze sich der ZDH in Berlin und in Brüssel für schlankere bürokratische Verpflichtungen der Handwerksbetriebe und für eine rasche Digitalisierung von Verfahren ein. Mit Blick auf die Berliner Politik mahnte Schwannecke, dass es immer mehr Regeln im Arbeitsrecht zu Lasten mittelständischer Betriebe gebe: von Brückenteilzeit bis zu Homeoffice. "Wir müssen aufpassen, dass an unsere kleinen Betriebe nicht der Maßstab von Konzernen angelegt wird, die von der Rechtsabteilung bis zum Personalreferenten bestens ausgestattet sind. Oft gelingt es uns, mit der Politik Ausnahmen für kleinere Betriebe aushandeln. Daran arbeiten wir weiter."

Meisterbrief ist beispiellose Qualifikation

Schwannecke hob auch die Bedeutung des Meisterbriefs für Gründungen und Übernahmen hervor. Er sei eine beispiellose Qualifikation: "Wer ihn hat, ist nicht nur eine Meisterin, ein Meister seines Faches. Er ist auch optimal gerüstet für die Selbstständigkeit." Dies sah auch HWK-Vizepräsident Peter Eul so. Der selbständige Friseurmeister forderte angesichts der besonderen Verantwortung, die Gründer und Übernehmer auf sich nehmen, mehr Wertschätzung für Unternehmerinnen und Unternehmer ein - auch, "weil sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen". Das gelte gerade in Zeiten ständigen Wandels und zunehmender Bürokratiebelastung. Den Preisträgern rief er darum zu: "Sie haben Grund, richtig stolz auf sich zu sein." Die vier Ausgezeichneten sollten als "Leuchttürme" anderen Mut zur Selbstständigkeit machen, so Eul.

Stolze Preisträger

Offenbar gar nicht abgeschreckt von bürokratischen und finanziellen Hürden des Gründens und Übernehmes zeigten sich denn auch die neuen Träger des Zukunftspreises, die ihre Auszeichnung aus den Händen Schwanneckes erhielten. Für die beste Gründung einer Handwerkerin in Ostwestfalen-Lippe erhielt der Bielefelder Fachbetrieb Brillenliebe Lara Tilleke den Preis. Das Unternehmen ZEP Zimmerei Eugen Penner, ebenfalls aus Bielefeld, wurde als beste Handwerker-Gründung ausgezeichnet. Für eine erfolgreiche Übernahme innerhalb der Familie bekam die Bielefelder Jauer Natursteine GmbH & Co. KG den Preis der Fachjury. Überzeugen konnte auch die Tischlerei Holste aus Rheda-Wiedenbrück mit einer externen Betriebsübernahme durch Pacht eines renommierten Betriebes. Vergeben werden die nicht monetär dotierten Preise von der Stiftung Zukunftspreis Handwerk Ostwestfalen-Lippe, einer Gemeinschaftsaktion der regionalen Handwerksfamilie, der Kammer und der fünf Kreishandwerkerschaften.

Text: / handwerksblatt.de

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