Handwerksblatt Logo

Anzeige

Entspannt in die Abschlussprüfung

Der Berufsschullehrerverband vlbs und Personaltrainer Michael Kluge geben Azubis wertvolle Tipps für die heiße Phase der Vorbereitung. Für viele Berufe bieten die Verlage spezielle Prüfungsbücher an.

Handwerk
Foto: Fotolia

Was auf den Meister zutrifft, gilt erst recht für den künftigen Gesellen: Übung ist der Schlüssel zum Erfolg. Dabei geben die Berufsschulen den Auszubildenden das theoretische Rüstzeug mit auf den Weg. "Es ist unsere Hauptaufgabe, die Schülerinnen und Schüler zu qualifizieren und sie zu ihrem beruflichen Ziel zu führen“, erklärt Wilhelm Schröder. Die systematische Vorbereitung auf die Prüfung gehöre eigentlich nach Lehrplan nicht mit dazu.

"Fast alle Berufsschullehrer fühlen sich ihren Azubis verpflichtet"

AzubiTest-222x80Die Realität sieht freilich anders aus. "Fast alle Berufsschullehrer sind in Prüfungsausschüssen tätig und fühlen sich ihren Azubis verpflichtet“, so der Vorsitzende des Verbands der Lehrerinnen und Lehrer an Berufskollegs in NRW (vlbs). Um sie auf den Tag X vorzubereiten, gehen sie im Unterricht etwa alte Prüfungsaufgaben durch oder simulieren die stressige Testsituation. Gerade das Mentale spielt den jungen Nachwuchskräften nach Schröders Erfahrung oft übel mit. "Viele Schüler haben wahnsinnige Prüfungsangst.“

Handwerk
Foto: Fotolia
Kleiner Tipp des Pädagogen: Azubis sollten sich mit einem Satz alter Prüfungsaufgaben an einen ungewohnten Ort setzen, die Augen schließen und sich vorstellen, dass sie in der Prüfung sitzen. Schröder empfiehlt, erst einmal ohne Hilfsmittel nach der Lösung zu suchen und sich zeitlich ein Ziel zu setzen. Stimmt das Resultat nicht mit der Musterlösung überein, sollte es an der Aufgabe vermerkt und nach ein paar Tagen erneut versucht werden. "So kristallisiert sich allmählich heraus, wo die Schwachstellen liegen.“ Kommt man partout nicht weiter, kann der Fachlehrer helfen.

Mit der Vorbereitung im Unterricht alleine dürfte die Prüfung aber nicht zu bestehen sein. "Die Auszubildenden müssen auch zu Hause üben“, ist der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbands überzeugt. Die heiße Phase beginnt seiner Einschätzung nach spätestens zwei bis drei Monate vor dem Prüfungstermin.

Bilder und Beispiele helfen beim Lernen

HandwerkDie Prüfungsvorbereitung hängt aus Sicht von Personaltrainer Michael Kluge davon ab, was die Azubis erreichen wollen: einfach nur bestehen oder über den Prüfungstag hinaus glänzen. Wer Wissen langfristig parat haben will, muss kontinuierlich lernen. Abstrakte Begriffe, lange Formeln oder komplexe Zusammenhänge prägen sich am besten ein, indem man sie mit Bildern, einem Beispiel oder einer Geschichte verknüpft, schlägt der Autor der Bücher "Lerntraining für Azubis“ und "Lernen unter Zeitdruck“ (beide im Christiani-Verlag erschienen) vor.

Eher ergebnisorientiert ist das sogenannte Bulimie-Lernen ausgerichtet. „Schüler und Auszubildende ziehen sich den Lernstoff kurz vor der Prüfung rein, um ihn dann in der Klausur auszuspucken“, verdeutlicht Kluge, warnt aber davor, diesen Typ zu verteufeln. Wem dies eher liege, der solle sich kein schlechtes Gewissen machen lassen. "Das Lernen unter Zeitdruck ist eine hohe Fähigkeit.“

Erst Lernen, dann die "Simpsons" gucken

Computer Seminar Kurs 123rf
Foto: 123rf
Das Schwierigste dürfte der Einstieg sein.  "Die Hürde, mit dem Lernen anzufangen, ist oft sehr hoch.“ Zwei Stunden pro Tag wären vielleicht wünschenswert, sind aber neben der Arbeit kaum realistisch. Michael Kluge rät beispielsweise dazu, die Prüfungsvorbereitung mit der Lieblingssendung im Vorabendprogramm zu verknüpfen. "Erst eine Dreiviertelstunde lernen, dann 15 Minuten pausieren und danach zur Belohnung die ,Simpsons‘ gucken.“

Vom sturen Durchackern der Bücher hält der Personaltrainer wenig. Sein Vorschlag: Lieber fünf bis zehn Unklarheiten aufschreiben, zielgerichtet nachlesen, das Buch zuklappen und dann versuchen, die Fragen zu beantworten. Kleine Lerngruppen, die maximal aus drei Leuten bestehen, hält er für das A und O. "Der Austausch untereinander ist wichtig und motiviert.“ Den Ausbildern in den Betrieben rät er, in der Vorbereitungsphase vor allem ein offenes Ohr zu haben, zuzuhören und nicht ungefragt gut gemeinte Ratschläge zu geben. "Die Auszubildenden stehen unter großem Druck, weil von ihnen eine Punktlandung verlangt wird.“

Bernd Lorenz


Leserkommentare

nach oben