Handwerksbetriebe bei Einbrechern beliebt
Werkzeuge, Maschinen, hochwertige Materialien, zudem Elektronik und Computer – alles, was nicht niet- und nagelfest ist, ist als Diebesgut begehrt. Sicherheitstechnik schützt vor Einbruch und seinen Folgen.
Rund 49.000 schwere Diebstähle aus Dienst-, Büro-, Fabrikations-, Werkstatt- und Lagerräumen verzeichnete die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025. Ein erheblicher Teil dürfte Handwerksbetriebe betreffen – schon wegen der großen Zahl an Standorten und der oft leicht verwertbaren Ausstattung. "Die Schutzmaßnahmen vor allem kleinerer Unternehmen sind häufig überschaubar – vergleichbar mit denen mittelmäßig gesicherter Einfamilienhäuser", so Carl Becker-Christian, Geschäftsführer des BHE Bundesverbands Sicherheitstechnik e. V..
Sicherheit sei häufig ein Randthema, weil das Tagesgeschäft Zeit und Aufmerksamkeit nahezu vollständig beansprucht. Materielle Güter lassen sich zwar ersetzen, doch "gut versichert" zu sein ist kein Freibrief für nachlässige Prävention. Im Schadensfall prüft die Assekuranz genau, ob die in der Police geforderten Sicherungsmaßnahmen vorhanden und funktionsfähig waren. Falls nicht, kann der Versicherer die Leistung kürzen oder versagen.
Zudem können sich die Ersatzbeschaffungen von Werkzeugen und Material länger hinziehen und Aufträge erst einmal nicht ausgeführt werden. Löhne, Mieten und Leasingraten laufen unterdessen weiter und belasten zusätzlich die Liquidität. "Die Praxis zeigt, dass auch geringe Sachschäden zu erheblichen Betriebsstörungen oder -unterbrechungen führen können", warnt der Versicherer HDI.
Eine Betriebsunterbrechungsversicherung kann auch diese Folgen auffangen, vorausgesetzt, Einbruchdiebstahl ist als versicherte Gefahr eingeschlossen – und die Schutzmaßnahmen sind intakt.
Mit welchen Maßnahmen sind Betriebe auf der sicheren Seite? Das ist eine Frage nach Strategie und Taktik – und nach den technischen Möglichkeiten.
Wirksamer Einbruchschutz ist ein Wettlauf um Zeit
Ob ein Betrieb vor Einbrechern sicher ist, entscheidet sich zunächst an den schwächsten Stellen der Gebäudehülle: Türen, Fenster und Tore. Bei Neu- und Umbauten empfiehlt die Polizei, geprüfte einbruchhemmende Fenster und Türen nach DIN EN 1627 mindestens der Widerstandsklasse RC2 zu verwenden – besser noch der Widerstandsklasse RC3.
"Geprüft" bedeutet, dass das gesamte Bauteil - mit Türblatt, Zarge, Schloss, Zylinder und Beschlag - einem Belastungstest unterzogen wurde. Bauteile der Widerstandsklasse RC2 müssen einem Einbruchsversuch mit einfachen Werkzeugen, zum Beispiel Schraubendrehern oder Zangen, mindestens drei Minuten standhalten. Elemente der Widerstandsklasse RC3 müssen sogar intensiveren Angriffen, etwa mit Brecheisen oder Handbohrmaschinen mindestens fünf Minuten standhalten.
"Viele Betriebe erfüllen diese Standards nicht. Bestandsgebäude lassen sich allerdings entsprechend nachrüsten. Dabei müssen die Komponenten aber aufeinander abgestimmt sein. Eine widerstandsfähige Tür nützt wenig, wenn sich daneben ein Fenster oder ein älteres Werkstatttor leicht überwinden lassen", so Becker-Christian.
Elektronik toppt Mechanik
Robuste Mechanik, die den Tätern den Zugang zum Objekt erschwert, ist aber nur die erste Stufe eines wirksamen Schutzkonzepts. Zentraler Baustein ist eine Einbruchmeldeanlage.
Zur "Außenhautüberwachung" werden Türen, Fenster und Tore mit elektronischen Kontakten versehen, die einen Einbruchversuch detektieren und die Polizei oder einen Sicherheitsdienst alarmieren. Gelangen Täter dennoch in die Innenräume, treten Bewegungsmelder und Videokameras in Aktion.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Notruf- und Serviceleitstelle. Von ihr wird der eingegangene Alarm nach einem festgelegten Maßnahmenplan bearbeitet; eine Außensirene würde womöglich ungehört verhallen. Vom Tatort übermittelte Videobilder lassen sich zum Beispiel mittels KI dahingehend auswerten, ob es sich um einen tatsächlichen Einbruch oder um einen Falschalarm handelt.
Bei größeren oder schwer einsehbaren Betriebsgeländen empfiehlt es sich, schon an der Grundstücksgrenze Sicherheitstechnik einzusetzen. Schlagen Zaun- und Bodensensoren, Lichtschranken oder Videoanalyse an, werden – automatisch oder durch die Wachzentrale – Kameras aktiviert, Scheinwerfer eingeschaltet und Lautsprecherdurchsagen ausgelöst. Die Täter suchen das Weite oder können durch die ebenfalls automatisch alarmierten Sicherheitskräfte dingfest gemacht werden. "Dieser Perimeterschutz kann die entscheidenden Minuten Zeitvorsprung bei der Gefahrenabwehr bringen", so Becker-Christian.
Vernetzte Sicherheit
Während manche Unternehmen wenig Wert auf einen effektiven Einbruchschutz legen, haben andere ihre Sicherheitsvorkehrungen schrittweise erweitert. Häufig arbeiten die installierten Komponenten, etwa Kameras, eine Einbruchmeldeanlage oder ein Zutrittssteuerungssystem, unabhängig voneinander, ohne Informationen auszutauschen.
"State of the Art ist ein integrativer Ansatz, bei dem alle Systeme miteinander kommunizieren", sagt Becker-Christian. Damit lässt sich zugleich das Betriebsrisiko Feuer abdecken. Eine Brandmeldung kann gleichzeitig die Feuerwehr alarmieren, Brandschutztüren schließen, Rauchabzüge aktivieren und Lüftungsanlagen abschalten.
Besonders in hohen Hallen oder auf Freiflächen kann zusätzlich eine kamerabasierte Flammen- und Raucherkennung sinnvoll sein. Sinnvoll ist auch der Einsatz eines Zutrittssteuerungssystems. Es regelt, welche Beschäftigten, Lieferanten oder Dienstleister bestimmte Werkstätten, Lager und Büros betreten dürfen. Das hat auch organisatorische Vorteile. Verlorene Schlüssel und aufwendiger Schlössertausch gehören der Vergangenheit an. Chipkarten oder Transponder lassen sich in Sekundenschnelle programmieren und bei Verlust sperren.
Zertifizierte Fachbetriebe beauftragen
Welche Sicherungen im Einzelfall passen, hängt von Betriebsart, Lage, Sachwerten und den Abläufen im Unternehmen ab. Die Planung und Umsetzung von Sicherheitstechnik einschließlich der vorgelagerten Risiko- und Schwachstellenanalyse gehören in die Hände von qualifizierten Fachfirmen für Sicherheitstechnik. Laut DIN VDE 0833-1 dürfen Gefahrenmeldeanlagen nur durch sogenannte "Elektrofachkräfte GMA" geplant, errichtet, erweitert und geändert werden.
"Schwere Diebstähle" ist in der Kriminalstatistik das Synonym für Einbrüche. Im Jahr 2025 endeten von den knapp 49.000 angezeigten Fällen rund 18.000 im Versuchsstadium. Becker-Christian: "Nach aller Erfahrung führen sichtbare und widerstandsfähige Sicherungen dazu, dass Täter eine geplante Tat gar nicht erst beginnen oder bereits im Anfangsstadium von ihr ablassen."
➡️ Eine Liste qualifizierter Fachbetriebe veröffentlicht der BHE unter www.bhe.de/fachfirmen-sicherheitstechnik.
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Text:
Manfred Godek /
handwerksblatt.de
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