Durch die Aufnahme des Friseurhandwerks ins Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz hat die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) mehr Kontrollmöglichkeiten.

Durch die Aufnahme des Friseurhandwerks ins Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz hat die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) mehr Kontrollmöglichkeiten. (Foto: © Generalzolldirektion / Zoll.de)

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Kampf gegen Schwarzarbeit: Friseure begrüßen neue Pflichten

Die neuen Ausweis- und Meldepflichten im Friseurhandwerk sollen das Problem der Schwarzarbeit endlich wirksam eindämmen. Friseurmeisterin Sabine Schömann-Kuhnen freut sich über die Vorschriften – auch wenn sie Mehrarbeit bedeuten.

Das Friseurhandwerk ist seit Jahresbeginn 2026 offiziell Risikobranche im Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz. Genau wie das Kosmetikerhandwerk. Für die Betriebe bedeutet das auf den ersten Blick mehr Arbeit: Alle Beschäftigten müssen jederzeit gültige Ausweisdokumente mit sich führen, neue Mitarbeiter müssen ab Tag eins elektronisch gemeldet werden und gezieltere Kontrollen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Zoll sind möglich.

Und doch ist man in der Branche überglücklich, so wie Friseurmeisterin Sabine Schömann-Kuhnen: "Ich habe gejubelt, dass wir das endlich erreicht haben", erzählt die Obermeisterin der Friseurinnung Bernkastel-Wittlich. Viele Jahre habe sie zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen für die Aufnahme in das Gesetz gekämpft.

Die Branche leidet extrem unter der illegalen Konkurrenz

Friseurmeisterin Sabine Schömann-Kuhnen bekommt Anfragen von Barber-Shops, ob sie als Meisterin zur Verfügung stehen würde. Foto: © privatFriseurmeisterin Sabine Schömann-Kuhnen bekommt Anfragen von Barber-Shops, ob sie als Meisterin zur Verfügung stehen würde. Foto: © privat

Friseure leiden wie kaum eine andere Branche unter der illegalen Konkurrenz: Unter Salons, die keinen Meister angestellt haben, obwohl es Vorschrift ist, die nach der Devise "Cash only" an der Steuer vorbei das Geld einstecken, ihre Mitarbeiter unter Mindestlohn bezahlen, Menschen ohne gültigen Aufenthaltstitel beschäftigen oder keine Sozialversicherungsbeiträge abführen. Schwarzarbeit hat im Friseurhandwerk viele Facetten – alle schaden den ehrlichen Betrieben.

Die Aufnahme ins Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (SchwarzArbG) sei ein zentraler Hebel gegen Dumpinglöhne, Dumpingpreise und Imageprobleme, sagt Sabine Schömann-Kuhnen, die sich seit vielen Jahren auch im Landesverband engagiert. "Das Thema hat bei uns große Wellen geschlagen, weil wir einiges dafür tun, damit die schwarzen Schafe intensiver verfolgt werden", sagt die Inhaberin von Friseurteam Schömann, aus Hetzerath – eine kleine Gemeinde im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz.

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SV-Sofortmeldung: "Die Trageweite ist unvorstellbar"

Kern der Neuregelung ist die Pflicht zur sofortigen Anmeldung der Beschäftigten bei den Sozialversicherungen. Für Sabine Schömann-Kuhnen ist gerade das ein "ganz, ganz großes Plus. Die Tragweite ist unvorstellbar". In der Vergangenheit seien bei Kontrollen immer wieder angebliche "Schnupperpraktikanten" oder "nur mal so" anwesende Personen angetroffen worden. Nun müssen alle Arbeitnehmer ab der ersten Minute gemeldet sein.

Der Landesverband Friseure und Kosmetik Rheinland sieht sich bei dem Thema in einer doppelten Rolle: Die Betriebe über die Neuregelung informieren und das Verständnis der Kundschaft für das Thema sensibilisieren, berichtet Geschäftsführer Dirk Kleis (Kreishandwerkerschaft MEHR). Denn ein ehrlich arbeitender Salon könne mit den Niedrigpreisen der illegalen Konkurrenz niemals mithalten. Die Wettbewerbsverzerrung sei enorm.

Barbershops suchen "Schein-Meister" über Social-Media

Ein großes Problem seien Teile der Barber-Szene. "Ich wurde schon mehrfach über Social-Media angesprochen, ob ich mich für einen Betrag von 2.000 oder 2.500 Euro im Monat als Meisterin eintragen lasse", erzählt Sabine Schömann-Kuhnen. "Ich sollte dann ein, zweimal die Woche anwesend sein." Ihre Innungskolleginnen und -kollegen bekommen ähnliche Anfragen. "Die Barbershops suchen verzweifelt nach Meistern." Problematisch seien solche Machenschaften gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen verlange das Recht, dass ein Meister nahzu Vollzeit im Betrieb präsent ist. Zum anderen liege die aufgerufene Summe deutlich unter dem Tarifniveau.

Aus Verbandssicht braucht es jetzt abgestimmte Prüfstrategien: eine Kombination von Finanzkontrolle Schwarzarbeit mit Handwerkskammern und Gewerbeämtern. Ziel sei, dass diese Behörden möglichst Hand in Hand kontrollieren, beziehungsweise ihre Erkenntnisse auch untereinander austauschen. Die Innungen und Kreishandwerkerschaften tauschen sich mit den Behörden aus und klären auf.

Es gehe dabei nicht darum die Barbershops pauschal an den Pranger zu stellen, betont Schömann-Kuhnen. "Wir arbeiten in der Innung eng mit sehr guten Barbershops zusammen." Entscheidend sei, dass alle die gleichen Rahmenbedingungen haben.

Cash only – "Heute leider keine Kartenzahlung" 

Ein weiteres Thema sind die Löhne: Die FKS prüfe nur den gesetzlichen Mindestlohn, nicht die im Friseurhandwerk teils deutlich höheren regionalen Tarifverträge. Im Gebiet des Landesverbandes Friseure und Kosmetik Rheinland (umfasst die Handwerkskammerbezirke Trier, Koblenz und Rheinhessen) existieren allgemeinverbindliche Lohn- und Gehaltstarifverträge. Der Unterschied zum gesetzlichen Mindestlohn (aktuell 13,90 Euro brutto pro Stunde) ist erheblich. Der tarifliche Anspruch eines Vollzeit-Meisters liegt derzeit bei über 3.000 Euro brutto. Mit Verdi verhandelt der Verband bereits über einen neuen Vertrag, der zum 1. Januar 2027 in Kraft treten und Löhne "in der Größenordnung von 15 Prozent" anheben soll, berichtet Dirk Kleis.

Dirk Kleis, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MEHR Foto: © : Landesverband Friseure und Kosmetik Rheinland Dirk Kleis, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MEHR Foto: © : Landesverband Friseure und Kosmetik Rheinland

Viele Verbraucher verbinden mit Schwarzarbeit die klassische "Barzahlung ohne Rechnung". Auch das ist im Friseurhandwerk ein Thema. In Deutschland sind offene Ladenkassen nach wie vor erlaubt. Man habe politisch gefordert, Barkassen verpflichtend durch digitale Registrierkassen zu ersetzen, erzählt Kleis. "Das ist aber im Moment bundesweit nicht umsetzbar."

Dennoch gibt es Indizien, auf die Kunden und Prüfer achten könnten. Ein Schild "Heute keine Kartenzahlung möglich" sei nicht automatisch verdächtig, könne aber ein Warnsignal sein. Auffällig sei das schon deshalb, weil nach Branchenschätzung in den Friseursalons 60 bis 70 Prozent der Umsätze mittlerweile bargeldlos laufen.

Wer bewusst auf Kartenzahlung verzichte, betreibe mehr Aufwand und trage ein höheres Risiko. "Warum mache ich das, wenn ich nicht irgendwelche Absichten damit verfolge?" Plausibilitätsprüfungen könnten helfen: Passt der ausgewiesene Umsatz zu den Terminbuchungen? Passen die Öffnungszeiten und die Zahl der Beschäftigten zusammen?

Wo kontrolliert wird, da gibt es Treffer 

Die FKS hat das Friseurhandwerk bereits ins Visier genommen. Im April des vergangenen Jahres kontrollierten 30 Hauptzollämter mit 1.300 Einsatzkräften bundesweit 334 Friseursalons, Barbershops und Kosmetikstudios. Die Bilanz laut Verband: 194 Strafverfahren, 20 Verfahren wegen nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge, 135 Fälle unerlaubten Aufenthalts und 171 Ordnungswidrigkeitenverfahren. "Man kann im Prinzip sagen: Da, wo kontrolliert wird, gibt es auch Treffer", sagt Kleis. Für das laufende Jahr seien weitere Schwerpunktkontrollen angekündigt.

Auch die kommunale Ebene reagiert. Die Gewerbeaufsicht sei dankbar für Ratschläge und Tipps, wie sich Kontrollen optimieren lassen, erzählt Schömann-Kuhnen. Der Verband ist mit den Behörden im Austausch. Flächendeckende Prüfungen seien zwar weder personell noch zeitlich möglich, es gehe aber um punktuelle Einsätze, vor allem bei auffälligen Konstellationen – etwa wenn ein Meister aus Oldenburg bei einem Salon im Rheinland als Verantwortlicher eingetragen ist. Auch anonyme Meldungen seien möglich und hätten nichts mit "Anschwärzen" zu tun.

Für ein besseres Image des Berufs

Sabine Schömann-Kuhnen liegt auch der Schutz der Beschäftigten am Herzen. Und für die öffentliche Wahrnehmung des Friseurberufs erhofft sich der Verband eine Trendwende.

Dirk Kleis appelliert an die Verbraucher: "Wer höhere Löhne und bessere Bedingungen für Beschäftigte fordert, kann nicht gleichzeitig auf einen Haarschnitt für zwölf Euro setzen oder Schwarzarbeit im Wohnzimmer in Anspruch nehmen. Bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne, mehr Dienstleistung, mehr Service und mehr Qualität gibt es nicht zu Billigpreisen."

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Text: / handwerksblatt.de

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