"Existenzbedrohende Lage": Dachdecker wenden sich an Wirtschaftsministerin
Eine Initiative deutscher Dachdecker warnt vor explodierenden Baustoffpreisen, die die Handwerksbetriebe bedrohten. Um auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen, wandten sie sich mit einem offenen Brief an Wirtschaftsministerin Katharina Reiche.
Die Initiative Bezahlbares Bauen des Roofer’s Club schlägt Alarm. Explodierende Preise für Baustoffe bedrohten Handwerksbetriebe, Sanierungsvorhaben und bezahlbares Wohnen. Die durch den Krieg im Nahen Osten seit März extrem steigenden Preise brächten das Dachdeckerhandwerk in eine existenzbedrohende Lage.
Innerhalb weniger Wochen seien die Preise für Bitumenprodukte, Dämmstoffe, Flachdachsysteme und weitere rohölabhängige Baustoffe um bis zu 40 Prozent gestiegen. Gleichzeitig gebe es kurzfristige Lieferstopps und verkürzte Preisbindungsfristen, obwohl nach Marktangaben vielerorts ausreichende Lagerbestände vorhanden seien.
Planungssicherheit in Gefahr
Während Industrie und Großhandel kurzfristig auf veränderte Rohstoffmärkte reagieren könnten, arbeite das Handwerk mit langfristigen Auftragsvorläufen und festen Bauverträgen. Viele Betriebe finanzierten die Mehrkosten derzeit aus der eigenen Substanz, da derartige Preissteigerungen gegenüber privaten Bauherren und Wohnungsbaugesellschaften kaum durchsetzbar seien. Die wirtschaftliche Planungssicherheit des Mittelstands sei damit in Gefahr.
Offener BriefHier finden Sie den vollständigen Brief an die Ministerin.Ohne wirtschaftliche Stabilität und politische Unterstützung würden viele Betriebe die kommenden Monate nicht schadlos überstehen, erklärt Urs Nies, von der Initiative Bezahlbares Bauen. Die Handwerker appellieren in einem offenen Brief an Ministerin Katharina Reiche (CDU), die Entwicklung nicht als vorübergehende Marktbewegung zu behandeln, sondern als ernsthafte Gefahr für zentrale Teile der deutschen Bauwirtschaft und des Mittelstands zu werten.
Das fordert die Initiative von der Politik:
- Sofortige Wiedereinführung von Preisgleitklauseln bei öffentlichen Bauaufträgen
- Steuerliche Sonderabschreibungen und Förderanreize für private Bauherren und Sanierungsmaßnahmen
- Kritische Überprüfung auffälliger Marktpreisbewegungen und Lieferbeschränkungen
- Kurzfristiger Branchendialog zwischen Politik, Industrie, Handel und Handwerk
- Maßnahmen zur Sicherung von Materialverfügbarkeit und Marktstabilität
- Stärkere wirtschaftspolitische Unterstützung des mittelständischen Bau- und Ausbauhandwerks
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Text:
Lars Otten /
handwerksblatt.de
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