Konjunktur im Handwerk tritt auf der Stelle
Die Handwerkskonjunktur ist ins Stocken geraten. Ihre Geschäftslage beurteilen viele Betriebe deutlich schlechter als vor einem Jahr. Auch die Umsätze sind rückläufig. Wie es weitergeht, hängt stark vom Iran-Krieg ab.
Im Herbst 2025 gab es einen Hoffnungsschimmer im Handwerk. Doch jetzt tritt die Konjunktur auf der Stelle. Das geht aus dem aktuellen ZDH-Konjunkturbericht für das erste Quartal 2026 hervor.
Externe Schocks wie der Iran-Krieg und die damit verbundenen explodierenden Energiepreise an den Rohstoffmärkten und angespannte Lieferketten hinterlassen Spuren bei den Betrieben. Bei vielen Produkten, beispielsweise bei dem für Dachdecker wichtigen Bau- und Abdichtungsmaterial Bitumen, explodieren gerade die Preise.
Wie es weitergeht, ist ungewiss. "Hinter der Verfügbarkeit vieler Erzeugnisse und Materialien steht zumindest in den nächsten Monaten ein großes Fragezeichen, die globale Nachfrage hat einen deutlichen Dämpfer erhalten", so der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin.
Der Energiepreisschock mache sich in den meisten Betrieben bislang vor allem beim Tanken der Fahrzeuge bemerkbar. "Höhere Energiekosten für Produktion und Heizung schlagen erst zeitverzögert durch, da im Handwerk in der Regel länger laufende Versorgerverträge mit festen Entgelten bestehen", berichtet der Verband.
Keine seriöse Prognose möglich
Wie es 2026 weitergeht, hänge stark von der Länge des Iran-Konflikts ab. "Ob das ursprünglich für 2026 prognostizierte leichte Umsatzplus im Handwerk erreicht werden kann, ist unter den derzeitigen Unsicherheiten nicht seriös prognostizierbar. Die notwendigen und immer wieder verschobenen Reformvorhaben der Bundesregierung gewinnen damit noch einmal an Dringlichkeit."
Das Handwerk fordert unter anderem "weniger Bürokratie, eine Absenkung der Steuer- und Abgabenlast, verlässliche Energiekosten, die zukunftsfähige Umgestaltung der Sozialsysteme und weitere Anreize für die Ausweitung des Arbeitsvolumens und zum Heben der stillen Reserve am Arbeitsmarkt".
Schlechtere Geschäfte
Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen die Handwerksbetriebe laut ZDH spürbar schlechter als vor einem Jahr: Der Geschäftslageindikator geht von 20 auf 13 Punkte zurück. Auch die Erwartungen trüben sich ein, berichtet der Verband: "Der Geschäftsklimaindikator für das Handwerk, der Lage und Erwartungen bündelt, fällt um sechs Zähler auf 107 Punkte zurück – die ohnehin geringe Aufwärtsentwicklung der beiden Vorjahre ist damit bereits wieder aufgebraucht."
Stärker rückläufig seien auch die Umsätze im Handwerk. Der Umsatzindikator, der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen zur Umsatzentwicklung sinkt um zwei Zähler auf minus 25 Punkte. Für das Frühjahr erwarten die meisten Betriebe aber keine weiteren Umsatzrückgänge.
Beschäftigung im Handwerk geht zurück
Die Beschäftigung im Handwerk gehe – wie bereits vor einem Jahr – spürbar zurück. Der Beschäftigungsindikator liege unverändert bei minus neun Punkten und entspricht damit dem Wert des ersten Quartals 2025.
Die saisonal im Winter ohnehin schwächere Nachfrage nach Arbeitskräften werde durch die Konjunkturflaute zusätzlich gedämpft. Verschärft werde die Lage durch die demografische Entwicklung: Für viele offene Stellen stünden keine ausreichend qualifizierten Fachkräfte zur Verfügung.
Auftragsreichweiten sinken, Investitionen werden zurückgestellt
Die Auftragspolster im Gesamthandwerk schrumpfen nach Angaben des ZDH erneut und diesmal stärker. Die durchschnittliche Auftragsreichweite liege bei knapp neun Wochen.
Auch die Investitionstätigkeit bleibe verhalten. "Viele Betriebe beschränken sich auf das absolut Notwendige." Auch das sei ein Warnsignal, so der ZDH, und ein Misstrauensvotum der Betriebe gegenüber den wirtschaftspolitischen Bedingungen.
Schwannecke: "Politik bietet keine verlässlichen Perspektiven"
ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke Foto: © ZDH/Henning Schacht"Die deutliche Eintrübung von Geschäftslage und Erwartungen ist mehr als ein Stimmungsbild, sie muss als Warnung verstanden werden. Wenn Betriebe den Glauben an eine Verbesserung verlieren, wird aus Unsicherheit Investitions- und Einstellungszurückhaltung. Diese ist nicht allein mit geopolitisch disruptiven Veränderungen und Entwicklungen zu begründen, sondern dafür ist auch eine Politik verantwortlich, die zu wenig mittelstandsorientiert ist und keine verlässlichen Perspektiven bietet. Nach dem ausgefallenen Reformherbst ist das Vertrauen in einen Reformfrühling auf einen Tiefpunkt gesunken. Was fehlt, ist ein Reform-Gesamtpaket, das für langfristig tragfähige Bedingungen sorgt, insbesondere auch bei den Energiekosten. Alles andere verschärft die Krise weiter", so ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
Quelle: ZDHDHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!
Text:
Kirsten Freund /
handwerksblatt.de
Kommentar schreiben