Der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Holger Schwannecke, bescheinigte der schwarz-roten Bundesregierung eine gemischte Bilanz nach knapp 300 Tagen Regierungszeit.

Der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Holger Schwannecke, bescheinigte der schwarz-roten Bundesregierung eine gemischte Bilanz nach knapp 300 Tagen Regierungszeit. (Foto: © ZDH/Henning Schacht)

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Frust und Ernüchterung in den Handwerksbetrieben

Handwerkspolitik

Im Vorfeld der Internationalen Handwerksmesse fordert ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke weitere Reformen von der Bundesregierung. Die schon umgesetzten Maßnahmen würden die Betriebe nicht spürbar entlasten.

Eine Woche vor Beginn der Internationalen Handwerksmesse und Zukunft Handwerk lud das Handwerk zum Wirtschaftspressegespräch nach München. Dabei betonte Holger Schwannecke erneut, dass die Betriebe des Handwerks weiterhin auf zusätzliche Entlastungen durch die Politik warten. Dort herrsche derzeit angesichts der kaum spürbaren Effekte der bereits umgesetzte Reformen vor allem Frust und Ernüchterung. Maßnahmen wie verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen, das Entlastungskabinett oder die Modernisierungsagenda seien zwar positiv, blieben im Betriebsalltag aber ohne große Wirkung.

Der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks bescheinigte der schwarz-roten Bundesregierung eine gemischte Bilanz nach knapp 300 Tagen Regierungszeit. "Nach wie vor überwiegt in den Betrieben der enorme Belastungsdruck durch Bürokratie, Steuern, Sozialabgaben und Energiepreise, und das drückt massiv auf die Stimmung", sagte Schwannecke. Das liege auch daran, dass viele Beschlüsse bislang noch nicht umgesetzt seien und grundlegende Strukturreformen, etwa bei den Sozialversicherungssystemen und Steuern, weiter auf sich warten ließen.

Gravierende strukturelle Schwächen

"Die strukturellen Schwächen am Standort Deutschland sind viel zu gravierend, als dass die bisherigen Regierungsbeschlüsse ein nachhaltiges Wachstum ausgelöst hätten." Das für das laufende Jahr vorausgesagte Wachstum basiere in erster Linie auf Schulden und sei alles andere als selbsttragend. Die wirtschaftliche Lage im Handwerks zum vierten Quartal 2025 spiegele das. Schwannecke: "Die Umsätze stagnieren, Investitionen werden verschoben, die Beschäftigung sinkt leicht."

Bereiche wie Gebäudetechnik, Energieeffizienz und Klimaanpassung entwickelten sich zwar stabil. Andere, besonders energieintensive Betriebe, Bauhauptgewerbe und Lebensmittelhandwerke, stünden durch hohe Kosten und lange Genehmigungsverfahren unter Druck. "Umso wichtiger ist, dass die Koalition jetzt die richtigen Weichen stellt und sich nicht in innerkoalitionären Debatten über Themen wie Teilzeitrechtsanspruch oder Erbschaftsteuer verliert", forderte Schwannecke.

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Handwerk mit viel Potenzial

Auch Diskussionen über Steuererhöhungen seien in der aktuellen Lage kontraproduktiv. Entscheidend seien jetzt Entlastung, Tempo und klare Prioritätensetzung: Bürokratieabbau, spürbare Entlastung bei Steuern und Sozialabgaben, verlässliche Energiepreise und Reformen der Sozialversicherungssysteme. "Nur auf dieser Grundlage entsteht der nötige Spielraum für Investitionen, unternehmerische Initiative und sichere Arbeitsplätze. Denn nach wie vor steckt in unserem Land und im Handwerk ganz viel Potenzial."

Wenn die Regierung jetzt die notwendigen Reformen entschlossen angeht und sich die Standortbedingungen verbessern, könne neue wirtschaftliche Dynamik entstehen. "Doch dafür muss die Politik Mut, klare Prioritätensetzung und den gemeinsamen Willen zur Umsetzung aufbringen. Und genau das erwartet das Handwerk von den politisch Verantwortlichen."

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Text: / handwerksblatt.de

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