Brandenburgs neue rot-schwarze Landesregierung mit Ministerpräsident Dietmar Woidke.

Brandenburgs neue rot-schwarze Landesregierung mit Ministerpräsident Dietmar Woidke. (Foto: © Staatskanzlei Brandenburg)

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Brandenburgs neue Regierung greift Forderungen des Handwerks auf

Die neue SPD-CDU-Landesregierung legt ihren Koalitionsvertrag vor und greift dabei wichtige Forderungen des Handwerks auf.

Seit dem 18. März regiert in Brandenburg eine neue Landesregierung aus SPD und CDU. Ministerpräsident bleibt Dietmar Woidke (SPD), der das Land seit 2013 anführt.

Koalitionsvertrag stärkt Handwerk in Brandenburg

Anfang Januar 2026 war das deutschlandweit erste Bündnis von SPD und BSW zerbrochen, nachdem einige BSW-Abgeordnete ihre Fraktion verlassen hatten und die damalige Koalition dadurch die Mehrheit im Landtag verloren hatte. In den vergangenen Wochen hatten dann SPD und CDU Koalitionsverhandlungen geführt und diese erfolgreich mit einem Koalitionsvertrag abgeschlossen. Für das Handwerk ist vor allem entscheidend, was im neuen Koalitionsvertrag steht. Unter der Überschrift "Handwerk – Grundpfeiler der brandenburgischen Wirtschaft" bekennen sich SPD und CDU zur "mittelstandsfreundlichen Ausgestaltung von Förderprogrammen".

Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung soll dauerhaft gesichert und die erforderlichen Haushaltsmittel dafür langfristig eingeplant werden. Die dadurch erreichte Entlastungswirkung für die Betriebe soll "mindestens auf bisherigem Niveau erhalten" bleiben. Außerdem wollen die Koalitionspartner weiter in die technische Ausstattung der Bildungsstätten des Handwerks investieren.

Berufliche Bildung im Koalitionsvertrag gestärkt

Die berufliche Bildung spielt im Koalitionsvertrag eine wichtige Rolle. SPD und CDU wollen das duale System der beruflichen Bildung "als wesentliche Grundlage zur Deckung des Fachkräftebedarfs und als Einstieg in die qualifizierte Erwerbstätigkeit" stärken. Auch soll künftig berufliche und akademische Bildung bei allen Maßnahmen gleichwertig behandelt werden. Dem Meisterabschluss kommt im Handwerk eine besondere fachliche und gesellschaftliche Bedeutung zu. "Wir setzen uns auf Bundesebene dafür ein, die Kosten der Meisterausbildung abzuschaffen. Die Meistergründungsprämie als bewährtes Instrument zur Förderung von Unternehmensgründungen und -übernahmen im Handwerk führen wir fort und vereinfachen ihre Abrechnung. Darüber hinaus werden wir erfolgreiche Meisterabschlüsse mit einem Meisterbonus honorieren."

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Wichtig für das Handwerk ist auch der Abschnitt zum Unternehmertum. SPD und CDU wollen junge Menschen schon in der Schule stärker für Selbstständigkeit interessieren und dazu die Partnerschaften zwischen Schule und Handwerk ausbauen. Geplant sind außerdem eine Stärkung der Praktikumsplattform der Handwerkskammern, eine Praktikumsoffensive gemeinsam mit Sozialpartnern und Kammern sowie eine engere Verzahnung bestehender Gründungsinitiativen. Eine von den Handwerkskammern geforderte Praktikumsprämie findet sich im Vertrag allerdings noch nicht.

Neuer Gründungsturbo: Selbstständigkeit vereinfachen

Die SPD-CDU-Koalition will den Weg in die Selbstständigkeit für Existenzgründer und Start-ups mit einem neuen "Gründungsturbo" beschleunigen. Digitale Gewerbeanmeldungen sollen unkompliziert abgewickelt und bereits bestehende Initiativen zur Unternehmensnachfolge besser vernetzt werden. Der 37 Seiten umfassende Koalitionsvertrag endet mit einem Maßnahmenkatalog von 60 Vorhaben. Darin wird das Wirtschaftsministerium unter anderem aufgefordert, eine einfachere Beantragung der Meistergründungsprämie und die Einführung des Meisterbonus sicherzustellen.

Das Infrastrukturministerium soll zudem die Wiedereinführung des Azubi-Tickets noch in diesem Jahr ermöglichen. Das neue Ausbildungs-Ticket soll in Brandenburg nach dem Sommer starten und 37,80 Euro pro Monat kosten. Auch die Novellierung der Bauordnung und der Baugebührenordnung soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Unter dem Stichwort "Bürokratieabbau" wird eine "Reduzierung und Bündelung von Berichts-, Informations-, Nachweis-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten" angestrebt.

Handwerkskammertag Brandenburg unterstützt Koalitionsvertrag

Robert Wüst, Präsident des Handwerkskammertages Brandenburg, bewertet den Koalitionsvertrag grundsätzlich positiv: "Unsere Betriebe brauchen in der aktuellen wirtschaftlichen Lage Planungssicherheit und klare politische Leitplanken. Die im Koalitionsvertrag verankerte Stärkung der Meisterausbildung ist ein wichtiges Signal für das brandenburgische Handwerk. Der Meisterabschluss ist die zentrale Qualifikation, die Qualität sichert, Innovation ermöglicht und die Grundlage für Ausbildung und Betriebsnachfolge bildet. Der angekündigte Meisterbonus und die Weiterentwicklung der Meistergründungsprämie schaffen dringend notwendige zusätzliche Anreize für den Schritt in die Selbstständigkeit. In einer Zeit, in der tausende Betriebe in Brandenburg vor einem Generationswechsel stehen, ist das ein entscheidender Beitrag zur Sicherung unserer wirtschaftlichen Basis. Von dem angekündigten 'Gründungsturbo' erwarten wir weitere wichtige Impulse.

Mit der langfristigen Sicherung der Förderung der Ausbildungslehrgänge und Ausstattungen in den Bildungsstätten des Handwerks werden die Qualität der Berufsausbildung gestärkt und Ausbildungsbetriebe gleichzeitig finanziell entlastet. Auch die Wiedereinführung eines Azubitickets und der Ausbau beim Azubi-Wohnen sind längst überfällige Schritte, die die duale Ausbildung spürbar stärken. Gerade in einem Flächenland wie Brandenburg sind die Bezahlbarkeit bei Mobilität und Wohnen entscheidende Faktoren bei der Ausbildung junger Menschen." Zugleich erinnerte Wüst daran, dass auch die Vorgängerregierung Unterstützung für das Handwerk angekündigt hatte, etwa bei Energiekosten, Fachkräftesicherung und Bürokratieabbau. Robert Wüst: "Diese Themen bleiben weiterhin drängend."

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Text: / handwerksblatt.de

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