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HWK des Saarlandes | Mai 2026
Hohe Wertschätzung für Ehrenamt
Am 23. Mai fand erstmals der deutschlandweite Ehrentag statt — initiiert von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch im Saarland wurden Engagierte geehrt.
Unternehmerin Silke Koch (Mitte) nimmt die Auszeichnung von Landeministerin Verena Schäffer (rechts) und HWK-Vizepräsident Josef Trendelkamp entgegen. (Foto: © WHKT)
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Mai 2026
Die sieben Handwerkskammern in NRW haben gemeinsam mit dem WHKT je einen Betrieb mit dem Integrationspreis ausgezeichnet. Die diesjährigen Preisträger seien Vorbilder, die das Land brauche, sagt Integrationsministerin Verena Schäffer.
Anlässlich des Deutschen Diversity-Tags zeichnen die sieben Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen und der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) jetzt zum fünften Mal Betriebe für ihre besonderen Leistungen mit dem Integrationspreis des Handwerks NRW aus. Der Preis ist mit jeweils 500 Euro dotiert.
Handwerkskammer zu Köln
Elektrohaus Bernhard Günther, Köln
Der Betrieb beschäftigt aktuell 30 Mitarbeitende, von denen elf einen internationalen Hintergrund haben, darunter vier Auszubildende. Die Liste der Herkunftsländer: Albanien, Eritrea, Italien, Indien, Irak, Marokko, Pakistan, Syrien, Türkei und Ukraine. Der Betrieb bildet seit den 1960er-Jahren aus – schon immer auch junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. "Wir brauchen geeignete Auszubildende und Mitarbeitende", sagt Geschäftsführerin Laura Günther: "Und wenn diese geflüchtet oder zugewandert sind, stellen wir uns eben der Herausforderung und integrieren sie. Die Welt war bei uns schon immer bunt – und das soll sie auch bleiben. Für unsere Firma sind alle Menschen gleich. Wir geben jedem eine Chance, der wie wir Lust auf Elektrotechnik hat. Unsere Gesellschaft benötigt mehr Fachkräfte – und es leben genügend Menschen in Deutschland. Sie müssen nur integriert werden. Wir erleben bei unseren Mitarbeitenden immer wieder aufs Neue, dass eine sinnstiftende Tätigkeit die beste Integration ermöglicht." Gerade in den vergangenen zehn Jahren hat das Elektrohaus Bernhard Günther viele junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eingestellt. Die beiden Geschäftsführer und andere Mitarbeitende helfen bei bürokratischen Hürden, die ein Neustart in Deutschland mit sich bringt, und bieten Unterstützung bei Wohnungssuche und Ämterangelegenheiten.
Handwerkskammer Dortmund
Hans Kanngiesser GmbH & Co. KG, Dortmund
Der 1924 gegründete Familienbetrieb ist im Ruhrgebiet fest verankert und bietet ein breites Leistungsspektrum: von klassischen Elektroinstallationen, über Beleuchtung, Wallboxen, smarte Gebäudetechnik, Brandschutz, bis zu Netzwerk- und Kommunikationstechnik sowie nachhaltige Energielösungen und Elektromobilität. Die Auszeichnung würdigt besonders das nachhaltige Engagement des Betriebs für die Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte. In den vergangenen 25 Jahren hat das Unternehmen fast 100 Elektroniker im Handwerk ausgebildet und damit einen Beitrag zur Fachkräftesicherung in der Region geleistet. Aktuell befinden sich fünf junge Menschen mit nicht deutschen Wurzeln in der Ausbildung. Besonders hervorgehoben wird die erfolgreiche Integration eines ukrainischen Geflüchteten, der inzwischen im zweiten Lehrjahr ist. Durch individuelle Unterstützung, sprachlich wie fachlich, wird er gezielt gefördert, etwa durch KI-gestützte Übersetzungen von Lernunterlagen. Dieses Angebot steht grundsätzlich auch anderen Mitarbeitenden offen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Zum integrativen Ausbildungskonzept gehören außerdem strukturierte Lernbegleitung, regelmäßige Feedbackgespräche und klar definierte Ausbildungsziele. Sprachförderung, Kundenkommunikation und kulturelle Umgangsformen sind feste Bestandteile der Ausbildung. Moderne Arbeitsbedingungen und innovative Unterstützung Britta Kanngiesser: "Für uns bedeutet Integration nicht nur, jemanden einzustellen. Uns ist wichtig, dass Menschen bei uns ankommen, gerne zur Arbeit kommen, sich einbringen können und wirklich Teil unseres Teams werden. Sprache, Ausbildung und Alltag unter einen Hut zu bringen, ist dabei oft eine Herausforderung. Deshalb versuchen wir, Arbeitsabläufe so einfach und verständlich wie möglich zu gestalten — auch mit digitalen Lösungen, die den Arbeitsalltag, das Lernen und die Kommunikation erleichtern. Das hilft gerade neuen Mitarbeitern dabei, schneller anzukommen und sich bei uns einzubringen."
Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld
Biber Tischlerei GmbH, Bielefeld
Die Tischlerei wird seit 2015 von Erhan Yüksel geführt. Der gebürtige Kurde kam selbst als Asylsuchender nach Bielefeld und lernte die Tischlerei Biber zunächst als Praktikant kennen. An das Praktikum schlossen sich die Ausbildung, die anschließende Berufstätigkeit und schließlich ein Studium der Innenarchitektur an. Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Studium kehrte Erhan Yüksel zu seinen beruflichen Ursprüngen zurück und übernahm die Tischlerei Biber. Seine Mitarbeitenden kommen aus unterschiedlichen Nationen. Einstellungskriterium ist neben der Begabung für das Tischlerhandwerk vor allem die Teamfähigkeit: Mitarbeitende und Auszubildende müssen ins Team passen – Nationalität, Geschlecht und Religion spielen keine Rolle. Einer Ausbildung geht ein zweiwöchiges Praktikum voraus. Derzeit wird ein Lehrling ausgebildet, ein zweiter wird im August dazustoßen. Gerne würde Geschäftsführer Erhan Yüksel noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund eine Chance bieten. "Arbeit ist die beste Integration", davon ist der Tischler auch aus eigener Erfahrung überzeugt.
Handwerkskammer Münster
Koch Kanaltechnik, Münster
Im Betrieb sind Menschen aus zehn Nationen tätig; er setze damit ein starkes Zeichen für gelungene Integration im Handwerk. Koch Kanaltechnik beschäftigt aktuell 30 Personen und vier Auszubildende. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen fünf Mitarbeiter aus Albanien eingestellt und sie beim Start in Deutschland intensiv begleitet. Dabei beschränkt sich das Engagement nicht allein auf die Arbeit im Unternehmen. So finanziert die Firma eigens eine Deutschlehrerin, die den Mitarbeitern dreimal pro Woche Sprachunterricht erteilt. Auch der Erwerb des Lkw-Führerscheins wird gefördert. Zusätzlich hilft Geschäftsführerin Silke Koch bei der Wohnungssuche, unterstützt die Mitarbeiter bei der Einrichtung der Wohnungen mit Haushaltswaren und leistet praktische Hilfe im Alltag.
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An der Verleihung des Preises im Kammerbezirk Münster hat Integrationsministerin Verena Schäffer (Grüne) teilgenommen. "Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger sind die Vorbilder, die unser Land braucht. Sie zeigen ein Nordrhein-Westfalen, auf das wir stolz sein können: weltoffen, pragmatisch und leistungsstark. Das ist gelebte Integration, die uns alle erfolgreich macht."
WHKT-Präsident Berthold Schröder sagte: "Der Integrationspreis des Handwerks in Nordrhein-Westfalen zeigt, was unser Handwerk stark macht: Offenheit, Zusammenhalt und die Überzeugung, dass Vielfalt ein Motor für Innovation und Zukunftsfähigkeit ist. Wer Menschen Chancen gibt, gewinnt Fachkräfte, Ideen und gesellschaftlichen Zusammenhalt."
Der Integrationspreis mache sichtbar, dass Fach- und Arbeitskräfte ausländischer Herkunft im Handwerk nicht nur willkommen sind, sondern fester Bestandteil einer gemeinsamen Handwerkskultur, so WHKT-Hauptgeschäftsführer Dr. Florian Hartmann.
"Und obwohl das Thema Fachkräfteeinwanderung gerade für kleine und mittlere Unternehmen zu den bürokratischen Schwergewichten zählt, sind wir überzeugt, gerade diese Säule der Fachkräftegewinnung für das Handwerk weiter ausbauen zu müssen. Wir brauchen Fachkräfte und wir müssen dafür sorgen, dass diese bestmöglich in den Betrieben ankommen, dort ihre Kompetenzen entfalten und vor allem auch langfristig bleiben. Schließlich geht es um nichts weniger als unsere Leistungsfähigkeit."
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