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EuroSkills 2021: Glaser Jonathan Schaaf mit starkem Start

Bildung

Bei den EuroSkills2021 liegt der erste Wettkampftag hinter den Teilnehmern. Bundestrainer Jens Erdmann ist überzeugt davon, dass Glaser Jonathan Schaaf gute Aussichten aufs Treppchen hat.

Bei den EuroSkills 2021 in Graz sieht Glaser-Bundestrainer Jens Erdmann seinen Schützling auf Medaillenkurs - "wenn Jonathan das Tempo und die Coolness in den nächsten zwei Tagen hält". Der erste Wettkampftag der Maler und Lackierer beginnt mit Tränen, endet aber hoffnungsvoll. Aus dem Titelrennen der Klima- und Kältetechniker haben sich wohl schon zwei Nationen verabschiedet. Erst EuroSkills-Gewinner, jetzt EuroSkills-Gewinner-Macher? Bundestrainer Tim Welberg prognostiziert einen "verdammt engen" Kampf um die Medaillen.  

Auflösung Welche Platzierung die fünf Teilnehmer am Ende erreicht haben, steht im Online-Artikel "EuroSkills 2021: Handwerk im Medaillenrausch" auf handwerksblatt.de

Glaser Jonathan Schaaf Foto: © WorldSkills Germany/Frank ErpinarGlaser Jonathan Schaaf Foto: © WorldSkills Germany/Frank Erpinar

EuroSkills-Premiere für die Glaser

Der erste Wettkampftag bei den EuroSkills 2021 fing für Glaser-Bundestrainer Jens Erdmann und Jonathan Schaaf gleich spannend an. "Die Aufgabe und das Bewertungsschema waren bis zum Start um 9 Uhr geheim." Alle Teilnehmer und die sie betreuenden Experten seien super-aufgeregt gewesen. Doch nun herrscht Klarheit. 

Die Aufgabe im Skill D2 besteht aus drei Modulen. "Es ist ein Möbelstück aus Glas, in das eine Kunstverglasung eingepasst wird. Das dritte Modul ist eine Überraschungsaufgabe, die den Schwierigkeitsgrad noch einmal steigern soll", gibt Jens Erdmann preis. Die Teilnehmer hätten bereits zusätzliches Glas gestellt bekommen. Es sei aber noch mit Klebeband versiegelt. 

Sechs Glaser, eine Schleifmaschine

Zu Anfang mussten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entscheiden, mit welchem Modul sie beginnen wollen. "Wir haben sechs Kandidaten, aber nur eine Schleifmaschine, auf der man die Kanten schleifen und polieren kann", erklärt der Glaser-Bundestrainer. Jonathan Schaaf habe das zweite Modul gewählt. "Bei der Kunstverglasung handelt es sich um ein klassisches Bleifeld, das mit dem WorldSkills-Logo gestaltet werden soll", beschreibt Jens Erdmann die Vorgaben. Mit der Ausführung ist der Experte zufrieden. "Jonathan hat gut gearbeitet, aber bewertet wird erst am Samstag."

Frauenanteil liegt bei einem Drittel

Die Konkurrenz ist überschaubar. Am Skill Glas Construction Technology nehmen nur sechs Nationen teil. Dafür ist der Frauenanteil überdurchschnittlich hoch. "Frankreich und Russland schicken eine Glaserin in den Wettkampf." Deutschland, Österreich, Frankreich und Luxemburg komplettieren das Teilnehmerfeld. Der Umgang mit den anderen Nationen ist freundschaftlich. Die meisten kennen sich bereits aus zwei gemeinsamen Trainings vor zwei Jahren. "Die Stimmung ist gut. Wir freuen uns alle, miteinander einen fairen Wettbewerb bestreiten zu dürfen."

Halle der Glaser ist gut besucht

Der Besuch von Zuschauern ist bei den EuroSkills 2021 erlaubt. Die Halle der Glaser beschreibt Jens Erdmann als "gut gefüllt". Den hohen Zuspruch erklärt er sich damit, dass es im Skill D2 viel zu sehen und zu erleben gebe. Man käme bis auf den Meter an die Teilnehmer heran. "Wir freuen uns, vor Publikum arbeiten zu können. Das bringt nochmal den Extra-Drive in den Wettbewerb hinein."

Skill D2 steht unter Beobachtung

Die Glasbautechniker nehmen zum ersten Mal an den EuroSkills 2021 teil. Der Skill D2 Glas Construction Technology steht als Demonstrationsdisziplin unter besonderer Beobachtung. "Wir merken, dass die Organisatoren der EuroSkills ein großes Interesse an uns haben", hat Jens Erdmann beobachtet. Die Schweden, Norweger und Dänen hätten Delegationen geschickt, um zu schauen, wie sich die Glaser schlagen. 

Aussicht aufs Treppchen

Mit den Leistungen seines Schützlings ist Jens Erdmann sehr zufrieden. "Jonathan hat sein erstes Modul schon beendet und mit dem nächsten Modul angefangen." Das Training und die Vorbereitung auf den Wettkampf in Graz hätten sich gelohnt. Am 22-Jährigen imponiert dem Bundestrainer vor alle dessen mentale Stärke und seine Kontinuität bei der Arbeit. "Wenn er das Tempo und die Coolness für die nächsten zwei Tage hält, dann darf er sich aufs Treppchen freuen", prognostiziert der Glaser-Bundestrainer Jens Erdmann. 

Holpriger Start für Jacqueline Kuhn

Den 23. September dürfte Jacqueline Kuhn wohl am liebsten aus ihrem Kalender streichen. Die 23-jährige Malerin und Lackierer hat bei den EuroSkills 2021 einen holprigen Start hingelegt. "Zuerst flossen einige Tränen, weil manche Sachen nicht genehmigt waren, danach hatte sie Probleme beim Tapezieren und dann hat sie die Tür dunkelgrün und nicht weiß gestrichen", fasst Bundestrainer Matthias List den verkorksten Start in den ersten Wettkampftag der Maler und Lackierer zusammen. 

Malerin und Lackiererin Jacqueline Kuhn Foto: © WorldSkills Germany/Frank ErpinarMalerin und Lackiererin Jacqueline Kuhn Foto: © WorldSkills Germany/Frank Erpinar

Teilnehmerstärkster Wettbewerb

Zu den Aufgaben des ersten Tages in Graz gehörte es, die Tapezierung der Koje fertigzustellen, Farbtöne nachzumischen, eine Farbharmonie dieser beiden nachgemischten Farbtönen zu erstellen sowie den Untergrund für den Speed-Wettbewerb vorzubereiten. Im Skill 22 "Painting and Decorating" gehen zwölf Nationen an den Start. "Damit sind wir der teilnehmerstärkste Wettbewerb", so Matthias List. Während des ersten Tages hat er auch die Zeit gefunden, die Arbeiten der Konkurrenz zu begutachten. Nach seiner Einschätzung ist noch nichts verloren. "Jeder fängt an einer anderen Ecke an, aber es ist keiner dabei, der am Freitag schon fertig ist." 

Alles ist noch möglich

Trotz der verschiedenen Missgeschicke bleibt Matthias List optimistisch. Die Karten werden jeden Tag neu gemischt. "Jacqueline hat alle Fehler gut ausgebügelt. Es sieht toll aus", macht der Bundestrainer der Maler und Lackierer der jungen Handwerkerin Mut. "Wenn Jacqueline bei der Stange bleibt und ihre Arbeiten konzentriert durchzieht, ist noch alles möglich." 

Fünf Nationen im Titelrennen

Bei den Kälte- und Klimatechnikern ist am ersten Wettkamptag der EuroSkills 2021 noch keine Vorentscheidung um Gold, Silber und Bronze gefallen. "Alle haben ihre Fehlerchen gemacht", fasst Bundestrainer Karsten Beermann zusammen. Zwei Länder sind beim Kampf um die Spitzenpositionen nach seiner Einschätzung wohl aus dem Rennen. "Tschechien und die Slowakei fallen im Vergleich zu den anderen fünf ab." Damit werden Deutschland, Russland, Portugal, Österreich und Frankreich den Sieger unter sich ausmachen. 

Aufgabe der Kälte- und Klimatechniker

Klima- und Kältetechniker Lukas Brenne (l.) und Bundestrainer Karsten Beermann Foto: © WorldSkills Germany/Frank ErpinarKlima- und Kältetechniker Lukas Brenne (l.) und Bundestrainer Karsten Beermann Foto: © WorldSkills Germany/Frank Erpinar

Im Skill 38 "Refrigeration and Air Conditioning" bauen die Teilnehmer den Umriss des Uhrenturms – das Wahrzeichen von Graz – auf der Wand als Kälte- und Klimaanlage nach. "Heute haben wir dafür drei verschiedene Teilmodule gefertigt", umreißt Karsten Beermann den Arbeitsauftrag für Lukas Brenne und die anderen sechs Teilnehmer. Mittels der Kälteanlage werde das als Turm gebogene Kupferrohr vereist. Auf der anderen Seite der Wand werde warmes Wasser produziert.  

Kein Wettkampf ohne Anspannung

"Lukas hat sich über einige seiner Fehler geärgert." Dies führt Karsten Beermann auf die Anspannung zurück, von der sich jedoch keiner der jungen Handwerker bei einem Wettbewerb wie den EuroSkills frei machen kann. Das Team von WorldSkills Germany begleiten zwei Mentaltrainer, die den Teilnehmer dabei helfen, zu entspannen und den nächsten Tag fokussiert zu beginnen. "Am Freitag kämpfen wir weiter um jeden Punkt."

Erfolgreicher Coach

"Yannic hat wider Erwarten nervös begonnen, aber im Laufe des Tages hat sich die Aufregung gelegt. Im Großen und Ganzen lief alles nach Plan", fasst der Bundestrainer der Fliesenleger, Tim Welberg, den ersten Wettkampftag von Yannic Schlachter bei den EuroSkills 2021 zusammen. Vor gar nicht all zu langer Zeit war der Fliesenlegermeister derjenige, dessen Arbeit bewertet wurde.

Fliesenleger Yannic Schlachter Foto: © WorldSkills Germany/Frank ErpinarFliesenleger Yannic Schlachter Foto: © WorldSkills Germany/Frank Erpinar

2015 trat Tim Welberg bei den WorldSkills in São Paulo, 2016 bei den EuroSkills 2016 in Göteborg an. In Brasilien belegte er den fünften Platz. Aus Schweden kehrte er als Europameister zurück. "Bislang macht es großen Spaß auf der anderen Seite zu stehen, aber am Freitag kommt mit der Bewertung wahrscheinlich noch sehr viel Arbeit auf uns zu", lautet seine Bilanz seiner EuroSkills-Premiere als Bundestrainer. 

Aufgabe der Fliesenleger

Die Fliesenleger haben zwei Wände und einen Boden als Arbeitsfläche. "An den Wänden muss mit zugeschnittenen Fliesen der Umriss von Österreich und in der Mitte ein Euro-Zeichen gestaltet werden. Den Boden bildet eine Anlage mit zwei Stufen, in denen ein Pool angedeutet ist", beschreibt Tim Welberg die Aufgabe. Am ersten Tag wurden die Fliesen vorgeschnitten und der Estrich gelegt. 

Unerwartet starke Konkurrenz 

Im Skill 12 "Wall and Floor Tiling" nehmen sechs Teilnehmer einen Platz auf dem Treppchen ins Visier. "Viele Länder haben wegen Corona abgesagt, aber Tschechien, Österreich, Russland, Estland, Frankreich und wir sind dabei." Von der Qualität der Konkurrenz ist Tim Welberg überrascht. Er hätte die anderen Länder nicht so stark eingeschätzt. Allerdings kristallisiere sich nach dem ersten Tag noch kein Favorit heraus. "Alle haben anders angefangen, aber sie sind zügig dabei und es sieht so aus, als ob jeder am Ende fertig wird." Seine Prognose für den Ausgang des Wettkampfes: "Es wird verdammt eng!" 

Text: / handwerksblatt.de

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