Auf Youtube stellt Annika Prigge in ihrer Webserie ":in" ab dem 15. April drei junge Frauen vor, die in männerdominierten Berufen tätig sind. Das Handwerk vertritt Isabelle, die ihre Erfahrungen und Gedanken mit ihren rund 4.000 Followern unter dem Instagram-Account @die.tischlerin teilt. Drei weitere Episoden der Webserie ":in" sollen im Laufe des Jahres folgen.

Auf Youtube stellt Annika Prigge in ihrer Webserie ":in" ab dem 15. April drei junge Frauen vor, die in männerdominierten Berufen tätig sind. Das Handwerk vertritt Isabelle, die ihre Erfahrungen und Gedanken mit ihren rund 4.000 Followern unter dem Instagram-Account @die.tischlerin teilt. Drei weitere Episoden der Webserie ":in" sollen im Laufe des Jahres folgen. (Foto: © :in – die Webserie)

Webserie zeigt junge Frauen in männerdominierten Berufen

Bildung

Ab dem 15. April sind auf YouTube die ersten drei Folgen der Webserie ":in" zu sehen. Darin werden junge Frauen porträtiert, die sich in Männerdomänen behaupten. Aus dem Handwerk ist Isabelle aka @die.tischlerin mit dabei.

Als Frau ist Annika Prigge schon seit der Oberstufe in der Minderzahl. Das Sportprofil an einem Kieler Gymnasium belegten mit ihr 20 Jungs und zehn Mädchen. An der Uni verschlechterte sich die Quote weiter. Für den Studiengang Sportjournalismus hatten sich 25 junge Männer und nur vier junge Frauen eingeschrieben. Noch extremer wurde es im Berufsleben. "Bei Pressekonferenzen war ich die einzige Frau. Der Sportjournalismus wird extrem von Männern bestimmt."

Doch nicht nur dort. Bei einem Gespräch im Freundeskreis wird Annika Prigge bewusst, dass bei der Berufswahl keiner ein weibliches Vorbild hatte. Im September 2020 pitcht sie schließlich die Idee für ihre Webserie ":in". Darin sollen junge Frauen zu Wort kommen, die sich für einen hauptsächlich von Männern gewählten Beruf entschieden haben. 

Winzerin, Rapperin, Tischlerin

Liser, Pauline und Isabelle (v.l.n.r) sind die ersten drei Protagonistinnen der Webserie :in. Foto: © :in – die WebserieLiser, Pauline und Isabelle (v.l.n.r) sind die ersten drei Protagonistinnen der Webserie :in. Foto: © :in – die Webserie

Eine Weinprobe vermittelt ihr die erste Protagonistin. "Winzer war bis dahin ein Beruf, den ich mit alten, weißen Männern in Verbindung gebracht habe. Pauline zeigt jedoch, dass es auch agile, junge Winzerinnen gibt."

Über eine befreundete Kulturjournalistin kommt sie an Liser, die als Rapperin mit einem extrem testosteron-gesteuerten Umfeld zu kämpfen hat. In den sozialen Medien stößt sie auf ihre dritte Interviewpartnerin.

Isabelle Vivianne zeigt auf Instagram-Kanal @die.tischlerin, wie es im Holzhandwerk zugeht. "Ich habe dort viele junge Frauen gefunden, die dem Stereotyp einer Handwerkerin entsprechen. Isabelle ist aber so ganz anders", begründet Annika Prigge, dass ihre Wahl auf die 23-jährige Hamburgerin gefallen ist. 

Weibliche Vorbilder haben gefehlt

Obwohl Annika Prigge selbst gerne gebastelt und in der Werkstatt ihres Vaters mit Holz gewerkelt hat, wäre sie nie auf die Idee gekommen, nach der Schule eine Ausbildung als Tischlerin zu beginnen. "Mir haben dazu einfach die weiblichen Vorbilder gefehlt", erklärt die Schleswig-Holsteinerin. Das möchte sie mit ihrem Filmprojekt nun anderen ermöglichen.

Auftritt beim Girls'- und Boys'Day

Die Webserie ":in" umfasst sechs Videos. Davon sind drei bereits fertig produziert. Ab dem 15. April 2021 werden die sechs- bis siebenminütigen Filme bei YouTube freigeschaltet. Eine Woche später erhält Annika Prigge die Chance, sie einem großem Publikum auch live präsentieren zu können. Am 22. April 2021 wird im Rahmen des virtuellen Girls’- und Boys’Day ein kurzes Porträt von ihr ausgestrahlt. Anschließend stellt sie sich den Fragen der Hosts. "Außerdem wird Liser aus einem Studio im Live-Stream zugeschaltet und performt zwei ihrer Songs."  

Sponsoren der Webserie

Die Finanzierung der Webserie ":in" liegt auf mehreren Schultern. Die Mittel stammen aus dem Crowdfunding, vom Institut für Medienpädagogik Jugend Film Fernsehen (JFF) und vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit, das den Girls’- und Boys’Day organisiert.

Annika Prigge (unten) und ihr vierköpfiges Team produzieren die Webserie :in über Frauen in männerdominierten Berufen. Foto: © :in – die WebserieAnnika Prigge (unten) und ihr vierköpfiges Team produzieren die Webserie :in über Frauen in männerdominierten Berufen. Foto: © :in – die Webserie

Neben den Kurzfilmen entwickeln Annika Prigge und ihr Team zusammen mit Pädagoginnen und Pädagogen zu jeder Folge auch Unterrichtsmaterial, das den Schulen zur Verfügung gestellt wird. "Wir wollen Schülerinnen und Schüler für die geschlechterspezifischen Diskrepanzen bei der Berufswahl sensibilisieren, aber ihnen auch Mut machen, dass sie sich davon nicht abschrecken lassen sollen."

Das Info-Paket rund um das Thema Gendergerechtigkeit rundet der Instagram-Auftritt der Webserie ab. "Dort gibt es immer wieder kleine Teaser auf die Videos, aber wir zeigen auch andere Frauen, die sich in Männerdomänen durchgesetzt haben, und erklären Begriffe wie Gendern oder Feminismus."

Webserie auf YouTube und bei InstagramAlle Folgen der Webserie werden auf dem YouTube-Kanal von ":in" zu sehen sein. Annika Prigge hat mit ihren Protagonistinnen Liser und Isabelle kurze Trailer für YouTube produziert. Wer zusätzliche Informationen zum Thema Gender-Gerechtigkeit braucht, kann der Webserie ":in" bei Instagram folgen. Die Protagonistinnen für die nächsten drei Folgen stehen bereits fest. Wegen der Corona-Pandemie können Annika Prigge und ihr Team aber derzeit nicht drehen. "Wir hoffen, dass wir die Videos noch dieses Jahr fertigstellen und bei YouTube hochladen können."

Ob weitere Episoden folgen werden, ist noch offen. Ideen hätte die Filmemacherin genug. "Es gibt noch so viele spannende Berufe, die Frauen gar nicht auf dem Schirm haben." Schornsteinfegerin und Gefängniswärterin fallen ihr spontan als Beispiele ein. Bedarf für neues Videomaterial dürfte ebenfalls vorhanden sein. "Ein Format wie :in könnte man so lange fortführen, bis es keine Gender-Ungerechtigkeiten mehr gibt." In den nächsten zwei bis drei Jahren dürfte damit wohl nicht zu rechnen sein.

Text: / handwerksblatt.de

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