Zum Team von Kai Wiegand (r.) und Maya Wiegand (2.v.l.) gehören die Gesellin Inken Graumann (l.) sowie die Azubis Samira Anlauf (3.v.l.), Leonie Frey (3.v.r.) und Maya Mäurer.

Zum Team von Kai Wiegand (r.) und Maya Wiegand (2.v.l.) gehören die Gesellin Inken Graumann (l.) sowie die Azubis Samira Anlauf (3.v.l.), Leonie Frey (3.v.r.) und Maya Mäurer. (Foto: © Wilfried Meyer)

Frauen- und Girl-Power im Solinger Malerbetrieb

Bildung

Kai Wiegand bildet zurzeit drei junge Frauen zur Malerin und Lackiererin aus. Dass die Frauenquote in seinem Betrieb bei nahezu 50 Prozent liegt, will er auch für die Azubi-Akquise auf Facebook und Instagram nutzen.

Dass eine pensionierte Ärztin seinen Mitarbeiterinnen bei der Arbeit helfen will, erlebt Kai Wiegand eher selten. "Sie stand jeden Tag am Gerüst und war total begeistert davon, dass unsere Vorarbeiterin und unsere Auszubildende ihre Fassade gestrichen haben", erinnert sich der Geschäftsführer der Malerei-Anstrich Wiegand. Wäre er auf das Angebot eingegangen, hätte sich für die Endsiebzigerin vielleicht ein Traum erfüllt.

"Als junge Frau wollte sie unbedingt Schreinerin werden, aber ihr Vater hat ihr eine Lehre im Handwerk verboten", blickt der Betriebsinhaber aus Solingen auf das Gespräch mit der rüstigen Kundin zurück. Die Zeiten haben sich zwar geändert, aber die Vorbehalte sind geblieben. "Viele Eltern und Lehrer haben immer noch völlig falsche Vorstellungen vom Handwerk."  

Frauenanteil 50 Prozent

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"Sehr ungewöhnlich" bekommt Kai Wiegand deshalb oft zu hören, wenn es um die Zusammensetzung seiner Belegschaft geht. Der Malerbetrieb beschäftigt elf Mitarbeiter. Rund die Hälfte davon ist weiblich. Seine Frau Maya kümmert sich ums Büro. Eine Gesellin, die im Betrieb ausgebildet wurde, ist Vorarbeiterin. Alle derzeitigen Auszubildenden sind junge Frauen – eine im zweiten, zwei im ersten Lehrjahr.

Sehr gute Erfahrungen gemacht

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Die Frauenquote könnte sogar noch höher sein. "Bente hat uns gleich nach der Gesellenprüfung im Sommer verlassen, um zu studieren. Außerdem hat eine Auszubildende gerade innerhalb der Probezeit ihre Ausbildung abgebrochen", bedauert Kai Wiegand und hebt hervor, dass er sehr gute Erfahrungen mit weiblichen Azubis gemacht hat.

Seinen Enthusiasmus kann aber auch so mancher Kollegen aus dem Handwerk nicht teilen. "Was ist denn, wenn die mal schwanger werden …?" lautet einer der Haupteinwände. 

Junge Frauen zur Lehre ermutigen

"Dann ist das so!", erwidert der Maler- und Lackierermeister darauf. Eine potenzielle Schwangerschaft sei genauso wie vermeintliche körperliche Schwäche kein Ausschlusskriterium. "Wir brauchen gutes Personal, also müssen wir auch junge Frauen dazu ermutigen, ins Handwerk zu kommen", ist Kai Wiegand überzeugt.

Sein Betrieb arbeitet überwiegend für Privatkunden. Malerei-Anstrich Wiegand hat sich auf das Verarbeiten von Kalk- und Lehmputzen spezialisiert. Zu den Geschäftsfeldern zählen unter anderem der Denkmalschutz und die Fachwerksanierung. 

Einteilung nach Stärken

"Auf Dauer sind vor allem die großen Außenanstriche sehr anstrengend", gibt er zu. Deshalb komme es auf die richtige Einteilung an. "Als Chef kann ich doch steuern, mit wem und wie lange meine Mitarbeiter auf der Baustelle sind." Er teilt sie in Teams und nach ihren Stärken ein.

Seine weiblichen Auszubildenden lobt er vor allem für ihre hohe Auffassungsgabe. "Wenn man ihnen etwas zeigt, setzen sie es schnell um." Dass sie umgänglicher als Jungs sind, will Kai Wiegand nicht pauschalisieren. "Ein gepflegtes Äußeres, Freundlichkeit und Sauberkeit bringen nicht nur junge Frauen mit." 

Frauenmangel im Handwerk Im Online-Beitrag "Mehr Frauen ins Handwerk – so könnte es gehen" auf handwerksblatt.de wird nach Erklärungen gesucht, warum vergleichsweise wenige junge Frauen eine Lehre im Handwerk beginnen und wie ihr Anteil gesteigert werden könnte. Glaserin Cecile Höllmüller und Braumeisterin Doreen Gaumann haben ihren Traumberuf gefunden. Anlässlich des internationalen Frauentages 2021 rufen die Handwerkerinnen im Online-Beitrag "Frauen im Handwerk: Glücklich und erfolgreich" auf handwerksblatt.de zu mehr Mut bei der Berufswahl auf.  

Triales Studium bei Wiegand

Kai Wiegand hat den Betrieb im Jahr 2017 von seinen Eltern übernommen. Seitdem versucht der Maler- und Lackierermeister, neue Wege zu gehen. Schulabgänger mit Abitur können ein Studium an der Hochschule Niederrhein mit dem Gesellen- und Meisterbrief kombinieren.

"Wir werben seit drei Jahren auf unserer Homepage für dieses Triale Studium. Vorigen Sommer haben wir unsere erste Auszubildende und Studentin eingestellt", sagt Kai Wiegand stolz. Leider habe sich die junge Frau inzwischen anders entschieden. "Jeden Freitag und Samstag zum Studieren nach Mönchengladbach zu fahren, war wohl doch eine Nummer zu intensiv." Nun konzentriere sie sich erst auf die Ausbildung, strebe danach aber den Meister an. 

Wiegand auf Social Media

Für die Personalakquise baut Kai Wiegand seit etwa einem Jahr auch auf die sozialen Medien. "Wir merken natürlich, dass die Jugendlichen viel Zeit am Smartphone verbringen." Malerei-Anstrich Wiegand ist auf Instagram und Facebook präsent. Von seinem Social-Media-Engagement erhofft sich der Handwerksmeister eine höhere Aufmerksamkeit.

Seine Rechnung ist simpel: "Wenn die Mädchen sehen, wie viele Frauen bei uns arbeiten, dann fällt es ihnen leichter, sich bei uns zu bewerben." Seine eigenen Azubis werben allerdings nicht auf ihren Kanälen. Noch nicht. "Das wäre natürlich toll, um die Reichweite zu erhöhen." 

Ausgewogene Mischung

Kai Wiegand ist es wichtig, dass sich der Familienbetrieb stetig verjüngt. "Unsere Stärke war immer eine ausgewogene Mischung." Neben dem Alter gehört dazu auch das Geschlecht. Auch wenn er sehr begeistert von seinen weiblichen Auszubildenden ist, gibt er zu: "Natürlich freue ich mich darüber, wenn sich demnächst mal wieder ein passender junger Mann bei uns bewirbt."

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Text: / handwerksblatt.de