Kräftig klopfen mit dem Stenz: Anfänger und Fortgeschrittene auf "fixer Tippelei"
Fabio, Thor und Gabriel halten als Gesellen auf der Walz eine jahrhundertealte Tradition am Leben. Eine Stippvisite bei der HwK Koblenz lohnt sich.
Kräftige Stöße mit dem Wanderstab signalisieren in der Verwaltung der Handwerkskammer (HwK) Koblenz: "Wir haben Wandergesellen im Haus!" Regelmäßig klopfen Handwerker auf der Walz hier an. Sie sprechen mit einem Gedicht vor, denn die HwK unterstützt Wandergesellen mit einem kleinen Salär und bescheinigt den Besuch im Wanderbuch.
Nun fanden sich gleich drei von ihnen ein, in traditioneller Kluft, mit Stenz und Bündel: Fabio, 27-jähriger Zimmerergeselle vom Steinhuder Meer. Thor, 27-jähriger Tiefseeschlosser aus Schwäbisch Hall und der 26-jährige Tischlergeselle Gabriel aus Klausen bei Wittlich. Gabriel hat erst vor wenigen Tagen seine Heimat und Familie für die Walz verlassen, und wird nun an die Bräuche rund um die jahrhundertealte Tradition der "Tippelei" herangeführt. Unterstützt wird er vom "dienstältesten" Fabio, der seit drei Jahren und zwei Monaten unterwegs ist und Thor, der seit eineinhalb Jahren "tippelt". Die erfahrenen Gesellen wissen längst, dass man immer jemanden trifft, der einem einen Schlafplatz oder beruflichen Auftrag gibt und wie das mit dem Vorsprechen funktioniert. Gabriel hingegen steckt noch der Abschied in den Knochen: "Es war sehr emotional. Manche in meinem Umfeld hatten wenig Verständnis dafür." Die HwK Koblenz freut sich auf jeden Besuch von Wandergesellen, wünscht "weiterhin eine fixe Tippelei!" und glückliche Heimkehr, bei der traditionell über das Ortsschild der Heimatgemeinde geklettert wird.
Hintergrund: Walz Geschichte Die komplette Pressemitteilung zu den drei Besuchern bei der Handwerkskammer Koblenz gibt es hier.
Hintergrund Die Walz gilt seit dem Mittelalter als besondere Möglichkeit, das handwerkliche Können zu perfektionieren und sich persönlich weiterzuentwickeln. Sie ist immaterielles Kulturerbe in Deutschland und wird noch in mehr als zehn Gewerken, insbesondere der Bauhandwerke, praktiziert.
Dauer Die Walz muss mindestens drei Jahre und einen Tag dauern. In dieser Zeit dürfen sich die Gesellen ihrem Heimatort nicht näher als 50 Kilometer nähern. Sie dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel oder eigene Mobiltelefone nutzen, müssen zu Fuß oder per Anhalter reisen, dürfen kein eigenes Geld mit sich führen, sondern müssen den Lebensunterhalt durch ihre Arbeit unterwegs verdienen.
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Text:
HWK Koblenz /
handwerksblatt.de
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