"Klimafolgen sind eine ökologische, aber auch eine wirtschaftliche Herausforderung"
In diesem Jahr drehte sich das Kommunalpolitische Forum von Handwerk.NRW um den Klimawandel und notwendige Anpassungen an immer heißer werdende Sommer.
Der Sommer in diesem Jahr war laut dem Deutschen Wetterdienst der zweitwärmste, der in Deutschland je gemessen wurde. Bei den Höchsttemperaturen gab es einen neuen Rekord mit 41,8 Grad Celsius am 27. Juni in Sachsen-Anhalt. Mit dem Klimawandel wird extreme Hitze wahrscheinlicher, mit Folgen für die Menschen: Das Robert Koch-Institut meldete, dass in diesem Sommer 16.000 Menschen durch die Hitze gestorben seien – auch ein Rekord.
Welche Anpassungen sind nötig, um die Menschen vor der steigenden Hitze im Sommer zu schützen? Diesem Thema widmete Handwerk.NRW sein diesjähriges Kommunalpolitisches Forum. "Dass sich unser Klima verändert, wissen wir schon länger, das ist nicht neu. Relativ neu ist aber die Unmittelbarkeit, mit der uns die Folgen jetzt erreichen", stellte Thomas Kloden fest. Er ist Landesinnungsmeister des Fachverbandes Tischler NRW und Vorsitzender des Kommunalpolitischen Ausschusses von Handwerk.NRW. Die Klimafolgen seien längst nicht mehr nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Herausforderung.
Instrumente für die Klimafolgenanpassung
Antje Kruse vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) sprach über Maßnahmen, mit denen sich Städte und Regionen gegen extreme Wetterlagen wappnen können und stellte die Tätigkeiten des Fachzentrums Klima des LANUK vor, das sie leitet. Zu dessen Aufgaben gehört das Monitoring des Klimas in NRW. "Wir betreiben das Klimafolgen- und Anpassungsmonitoring mit insgesamt 79 Indikatoren. So beobachten wir den Klimawandel in Nordrhein-Westfalen auf der Landesebene und veröffentlichen die Daten kontinuierlich."
Die Datengrundlagen und Instrumente für die Klimafolgenanpassung veröffentlicht das LANUK im Klimaatlas. Es berät die Kommunen, die ab 2027 verpflichtet sind, Klimaanpassungskonzepte zu erstellen, zur Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen und auch zu passenden Förderprogrammen. "Inzwischen haben wir über 200 Beratungen durchgeführt. Das Interesse daran wächst", sagte Kruse.
"Hitze ist ein Gesundheitsrisiko"
Wie das Gesundheitsamt mit dem Thema Hitze umgeht, erläuterte Andrea Melville-Drewes, Leiterin des Gesundheitsamts Düsseldorf. "Hitze ist für uns ein Gesundheitsrisiko. Das ist das Wetterereignis mit der höchsten Sterblichkeit." Zu einem wirksamen Schutz gehörten zwei Dinge: Maßnahmen, die die Menschen am Hitzetag schützen, und die langfristige Anpassung von Gebäuden und Quartieren. Dazu gebe das Gesundheitsamt Informationen, Warnungen und Verhaltenstipps.
"Es geht um Versorgung, um kühle Orte und vor allem um den Schutz vulnerabler Gruppen." Es gehe aber auch darum, Gebäude, Arbeitsplätze und öffentliche Räume so zu gestalten, dass weniger Wärme aufgenommen wird. "Da müssen wir neue Wege gehen und überlegen, wie wir die Exposition von Hitze reduzieren können." Die Umsetzung konkreter Maßnahmen liege aber in den Händen der Kommunen und des Handwerks als ihrem Partner.
Einfache, handwerklich geprägte Lösungen
Der Architekt Dietmar Riecks sprach anschließend über die Ertüchtigung von Gebäuden im Bestand. Hier gehe es um möglichst einfache, handwerklich geprägte Lösungen. Beim Thema thermische Bauphysik ändere sich derzeit der Fokus. "Früher hat man immer gesagt, ich muss gucken, dass ich das Haus ohne Energieverbrauch über den Winter bekomme. Mittlerweile schaut man eher, wie komme ich denn mit vernünftigen Innenraumklimabedingungen über den Sommer." Und es sei nicht sinnvoll, alle Gebäude mit einer aktiven Klimatisierung auszustatten, um nicht noch mehr CO2 zu produzieren und mehr Energie zu verbrauchen.
Mit einer Permanentlüftung, möglichst mit zentraler Abluftanlage, könne das Haus nachts ohne aktive Klimatisierung entwärmt werden. Eine ausreichende Wärmedämmung verhindere Temperaturaufnahmen im Sommer, aber auch Wärmeverluste im Winter. Ein Hebel sei auch die Verglasung der Fenster. Je nach Ausrichtung erfordere es unterschiedliche Glastypologien. "Süd und Nord, das ist eigentlich die Herausforderung. Dem kann man begegnen, indem man sagt, eine Fassade nach Norden hat mehr die Aufgabe, die Wärme zu behalten, also ist eine Wärmeschutzverglasung und Verglasung nach Süden macht man primär als Sonnenschutzverglasung."
Größter Wärmeeintrag über Fenster
Zum Abschluss berichtete Ralph Icks, Obermeister der Glaserinnung Düsseldorf, über Ursachen der Sommerhitze in der Wohnung und Maßnahmen, die man dagegen ergreifen kann. "Wir arbeiten in vielen Bestandsgebäuden und im Bereich der Glasfassadensanierung. Fenster sind ein wesentlicher Bestandteil der Gebäudehülle und ein besonders wichtiger Bestandteil, wenn es um das Thema des solaren Eintrags geht. Der größte Wärmeeintrag ins Haus kommt über die transparenten Flächen, das heißt die Fenster."
Die Ausrichtung spiele eine große Rolle für die Solareinträge, aber auch die Position der Fenster an der Hausfassade. Dachflächenfenster etwa hätten einen deutlich höheren Hitzeeintrag. Eine wirksame Maßnahme sei die Außenverschattung. "Es können Rollläden sein oder Spanntextilien oder Screens, auch transluzente Materialien." Möglich seien auch Schlagläden, die Lichteinstrahlung abhalten können. "Was auch sehr wirksam ist, sind Jalousien im Scheibenzwischenraum. Das ist eine komplexe Technik, mit der man sich genau beschäftigen und gut planen muss." Daneben gebe es eine spezielle Sonnenschutzverglasung.
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Text:
Lars Otten /
handwerksblatt.de
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