"Bäckerhandwerk braucht dringend Entlastungen"
Der Sächsische Handwerkstag und das Bäckerhandwerk in Sachsen fordern die Abschaffung der Bonpflicht, flexiblere Regeln für die Arbeitszeit und niedrigere Strompreise.
Das Bäckerhandwerk in Sachsen leidet nach eigenen Angaben auch im neuen Jahr unter steigenden Personalkosten, Unsicherheit am Energiemarkt, hohen Strompreisen und immer neue bürokratischen Vorgaben im betrieblichen Alltag. Deswegen fordern der Sächsische Handwerkstag (SHT) und das sächsische Bäckerhandwerk eine spürbare Entlastung der Branche.
"Die Bonpflicht gehört endlich abgeschafft, so wie es im Koalitionsvertrag auch steht. Die Arbeitszeit für Bäcker am Sonntag muss flexibilisiert und die Regelungen zu den Industrie-Strompreisen müssen auch für die energieintensiven Handwerksbetriebe gelten", sagt SHT-Präsident Uwe Nostitz. Gerade die Bonpflicht sorgt in den Bäckereien für Unverständnis.
"Die Bonpflicht ist ein Bürokratie-Relikt"
Stefan Richter, Landesobermeister des Landesinnungsverband Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen, kritisiert die Regelung als realitätsfern: "Die Bonpflicht ist ein Bürokratie-Relikt. Sie bringt weder mehr Steuergerechtigkeit noch mehr Transparenz, belastet aber täglich unsere Verkäuferinnen und Verkäufer – vor allem in den Stoßzeiten. Wer morgens schnell Brot und Brötchen kauft, will keinen Kassenzettel, sondern einen reibungslosen Ablauf."
Wenn man jeden Bon, der an einem Tag in den sächsischen Bäckereien ausgedruckt wird, aneinanderlegen würde, reiche das von Dresden bis zum Fichtelberg und zurück, sagt Manuela Lohse, Geschäftsführerin des Verbands. Der Papierverbrauch sei enorm. "Die Mehrzahl der Verbraucher lässt den Bon am Tresen liegen. Das ist weggeschmissenes Papier."
Bonpflicht auch aus Umweltperspektive nicht vermittelbar
Kassenbons via QR-Code hätten die wenigsten Unternehmen. "Der Energieverbrauch digitaler Kassenbons ist real – auch ohne Papier. Digitalisierung ist sinnvoll aber nicht automatisch kostenlos oder klimaneutral", erklärt Richter. Der QR-Bon sei kein Null-Energie-Produkt. Die Hauptlast entstehe bei Nutzung und Anzeige, nicht im Rechenzentrum.
Auch aus Umweltperspektive sei die Bonpflicht aus Sicht des Handwerks nicht mehr vermittelbar. "Einerseits wird Nachhaltigkeit eingefordert, andererseits werden tausende Betriebe gezwungen, täglich Papier zu drucken, das niemand braucht", ergänzt Uwe Nostitz. "Die Abschaffung der Bonpflicht wäre ein sofort wirksames Signal – ohne Kosten für den Staat."
Strompreise für alle senken
Viele Bäckereien und Konditoreien in Sachsen spürten eine Kaufzurückhaltung und eine hohe Preissensibilität der Kundschaft. Gleichzeitig blieben die Energiekosten auf hohem Niveau. "Die Bundesregierung muss ihr Versprechen einlösen und die Strompreise für alle senken – nicht nur für die Industrie", fordert Nostitz. "Wenn der Staat Netzentgelte subventioniert, muss auch sichergestellt sein, dass diese Entlastung bei den Betrieben ankommt."
Ein weiteres drängendes Thema seien die Arbeitszeitregelungen im Bäckerhandwerk. "In der Produktion dürfen Beschäftigte sonntags bislang nur drei Stunden arbeiten. Das reicht in der Praxis nicht aus, um eine verlässliche Versorgung mit frischen Backwaren sicherzustellen", so Nostitz. "Hier brauchen die Betriebe mehr Flexibilität."
Lohnabstände erhalten
Hinzu kämen steigende Personalkosten. Die Erhöhung des Mindestlohns zum 1. Januar 2026 verschärfe die Situation. "Es geht nicht nur um den Mindestlohn selbst, sondern um die Lohnabstände zu Fachkräften und erfahrenen Mitarbeitenden", erklärt Lohse. "Diese müssen erhalten bleiben, sonst verlieren wir Qualifikation und Motivation."
Quelle: SHT
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Text:
Lars Otten /
handwerksblatt.de
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