La Becasse in Aachen: Feiner Geschmack ohne Schnörkel
1. Dezember 2025
Seit 1981 steht Christof Lang im Aachener La Becasse für klassische französische Küche ohne Effekthascherei. Auch 2026 trägt das Restaurant einen Michelin-Stern. Mit seinem langjährigen Mitarbeiter und heutigen Partner Max Schafirstein stellt Lang sein Lebenswerk zugleich für die Zukunft auf.
Für seinen französischen Küchenstil 2026 mit dem Michelin-Stern ausgezeichnet, war Christof Lang und sein Küchenteam 2025 auch in der Handwerks Kochshow zu sehen.
Was sollen wir heute kochen? Eine Frage, die selbst Profiköche vom La Becasse in Aachen bei der Entwicklung neuer Menüs stellen müssen. Wie gut, wenn sie dann Sternekoch Lang zu Rate ziehen können. "Mach's lecker", erklärt er seinen Jungs und Mädels in der Küche sein Prinzip.
Französische Küche zu Mittagspreisen
Alle Gerichte tragen die Handschrift des Aacheners. Sein Faible für die französische Küche, gemischt mit modernen Elementen, ist unverkennbar. Abends ist das La Becasse ein echtes Gourmetrestaurant mit großer, aufwendiger Küche und ca. 300 verschiedenen Weinen. Mittags gibt es eine einfache, leckere Küche mit einem ganz anderen Preis. In der Sterne-Gastronomie stellt ein Mittagsmenü, wie es Christof Lang von Dienstag bis Samstag anbietet, schon etwas Besonderes dar. Das täglich wechselnde Mittagsmenü kostet derzeit 49,50 Euro. Nach einem Amuse-Bouche wählen die Gäste zwischen jeweils zwei Vorspeisen und Hauptgerichten; den Abschluss bildet ein Dessert.
Eigentlich wollte Christof Lang wie sein Vater Architekt werden oder Chirurg oder Zahntechniker. Nach wenigen Semestern stellte er fest, dass das sture Büffeln nicht sein Ding ist. Damals, Mitte der 1970er-Jahre, kamen die ersten Restaurantkritiken auf den Tisch. "Der Kölner Klaus Besser schrieb legendäre Kritiken", erinnert sich der Gastronom, die ihn sehr begeisterten. Dank der Vermittlung von Klaus Besser wurde aus einem wahrscheinlich mittelmäßigen Architekten ein hervorragender Koch.
Der Weg führte den damals Zwanzigjährigen ins südfranzösische Antibes. Im Restaurant La Bonne Auberge von Jo Rostang sammelte er erste Erfahrungen. Die Ausbildung zum Koch findet in Frankreich vorwiegend in der Schule statt. "Praktische Erfahrungen konnte ich nur mittwochs sammeln, beim Petersiliehacken", amüsiert sich der Sternekoch heute. Zum Glück entdeckte Jo Rostang schnell das Talent des Deutschen. Statt eine reguläre Ausbildung zu absolvieren, begann Christof Lang dort direkt zu kochen. Ein weiterer Glücksfall war, dass Joachim Splichal sein Zimmernachbar wurde. Wusste der Küchenneuling nicht weiter, konnte er auf das umfassende Wissen von Joachim zurückgreifen.
Nach der Saison im La Bonne Auberge folgten weitere Küchenstopps in der gehobenen französischen Gastronomie. Von Antibes ging es nach Nizza in das damals zu den Top Five Leading Hotels of the World gehörende Negresco, zu Lameloise ins Burgund, ins Trou des Halles nach Paris, ins Horatios nach Miami und andere große Häuser.
Christof Langs Erinnerungen an die Nouvelle Cuisine
An eine "schöne, verrückte Zeit" erinnert sich Christof Lang an die sechs Monate mit dem Koch aller Köche, Paul Bocuse. Der gehörte in den 1960er- und 1970er-Jahren zu den prägenden Vertretern der Nouvelle Cuisine. Wichtige Impulse hatte er zuvor von seinem Lehrmeister Fernand Point erhalten. Restaurantkritiker wie Henri Gault und Christian Millau formulierten 1973 die Grundsätze der neuen, leichteren Küche. Bis dato wurden Soßen mit Mehl gebunden. Der Garpunkt spielte bei Fleisch und Gemüse eine eher untergeordnete Rolle. Es wurde selbstverständlich alles auf Platten angerichtet, denn der Tellerservice von heute war damals noch verpönt. Aber das ist eine eigene lange Geschichte. Nur das zum Schluss: Heute kocht die ganze Fine-Dining-Welt selbstverständlich nach den Regeln der Nouvelle Cuisine. "Wir sollten uns alle bei den Köchen von damals für diese weltweite Veränderung in der Küche bedanken."
"Sein Lieblingsessen? Alles, was auf den Punkt zubereitet ist. Nach sieben wunderbaren Jahren in der französischen Gastronomie kehrte er nach Deutschland zurück. Dort wurde ihm das La Becasse in Aachen angeboten. Und da er in Aachen geboren wurde, griff er zu.
DHB-Interview mit Sternekoch Christof Lang
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La Becasse: 45 Jahre kulinarische Meisterklasse
Die Übernahme des La Becasse stellte sich anfangs als berufliche Herausforderung dar. Als Gourmetrestaurant geführt, genoss das Restaurant keinen guten Ruf. Die ersten Jahre waren eine schwere Zeit, auch finanziell und nicht zuletzt, weil das Ausgehen damals noch nicht so alltäglich war. Die Kochkunst des Küchenchefs sprach sich glücklicherweise unter den Gästen über die Grenzen der Stadt herum.
Auch noch nach 44 Jahren. "Immer wieder jedes Gericht vom Geschmack bis hin zum Aussehen und Anrichten auf hohem Niveau auf den Punkt zu bringen, das ist für mich das Handwerk des guten Kochens."
Lang bringt es auf den Punkt
So wichtig wie dem Restaurateur die exakte Zubereitung der Gerichte ist, so kompromisslos bringt er seine Meinung auf den Punkt. Wie zum Beispiel bei der Verwendung von Lebensmitteln aus anderen Ländern. "Was bedeutet denn lokale oder saisonale Produkte überhaupt?", fragte er im Interview mit dem Deutschen Handwerksblatt. "Im Winter ist auf der südlichen Halbkugel Saison und es gibt traumhafte Produkte. Warum können die Menschen, die im Winter in den Süden reisen, nicht die Produkte von dort mitbringen?" Die Flugzeuge fliegen doch sowieso.
Bei all seinem Tun ist ihm seine Mannschaft wichtig. Aber auch hier sagt er, dass ein Team nur so gut sein kann wie sein bester Mann. "Und das ist am besten der Küchenchef." Dennoch wünscht sich der Sternechef, in den kommenden Jahren sein Restaurant so zu organisieren, dass der Laden auch ohne ihn läuft. Diesem Ziel ist Christof Lang inzwischen nähergekommen: Seit September 2025 steht ihm sein langjähriger Mitarbeiter Max Schafirstein als Partner zur Seite. Küchenchef Andreas Schaffrath verantwortet weiterhin die Küche, Lang bleibt dem Restaurant verbunden. Und der erfrischend bodenständige Koch kann sich jetzt noch ein Hobby zulegen. Oder hier und da vor der Kamera der Handwerks-Kochshow-Follower die Kunst des Kochens näherbringen kann. Ein schöner Traum.
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