Andrea Nahles war zu Gast beim nordrhein-westfälischen Handwerk.

Andrea Nahles war zu Gast beim nordrhein-westfälischen Handwerk. (Foto: © Bundesagentur für Arbeit)

Vorlesen:

Arbeitsmarkt: "Wir müssen alle Potenziale erschließen"

Die Vorstandsvorsitzende der Agentur für Arbeit und ehemalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sprach bei "#handwerkumzwoelf" über Herausforderungen am Arbeitsmarkt.

Bei der 21. Ausgabe von "#handwerkumzwoelf" von Handwerk.NRW ging es um aktuelle Herausforderungen in der Arbeitsmarktpolitik. Zu Gast war diesmal die Vorstandsvorsitzende der Agentur für Arbeit und ehemalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Gastgeber Andreas Ehlert, Präsident von Handwerk.NRW, wies zu Beginn darauf hin, dass viele Aufgaben in Zusammenhang mit Megathemen wie Energie- und Mobilitätswende nur schleppend erledigt werden können. Grund dafür sei auch der Personalmangel.

Hier müsse etwas dafür getan werden, mehr Menschen für diese Aufgaben zu qualifizieren. Ein Ansatzpunkt könne die Berufsorientierung sein, besonders auch in Gymnasien, oder die Fachkräfteeinwanderung. Hier gehe es darum, die Verfahren möglichst bürokratiearm zu gestalten und zu beschleunigen, um die Betriebe zu entlasten. Außerdem sei mehr Engagement bei der Sprachförderung nötig.

Hunderttausende Arbeitskräfte fehlen

"Die Bundesregierung weiß selbst, dass hunderttausende Arbeitskräfte für die Energiewende fehlen", so Nahles. Im Rahmen der Treffen der "Allianz für Transformation" (Leitdialog zwischen Bundesregierung und den Spitzen aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Verbänden, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft) , bei der sie Mitglied ist, werde auch darüber gesprochen, wie die entsprechenden Berufe attraktiver gemacht werden können, um mehr Menschen dafür zu begeistern. Außerdem sollen wieder mehr Praktika stattfinden, die wegen der Corona-Pandemie lange Zeit kaum möglich waren. "Wir können auf jeden Fall sagen, je mehr Praktika realisiert werden, desto mehr Eintritte in die duale Ausbildung."

Nahles sei nicht ebenfalls wie das Handwerk nicht zufrieden mit der Berufsorientierung, besonders in Förderschulen und Gymnasien. Verglichen mit den Mittelschule gebe es hier unterdurchschnittliche Werte. "Das ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel." Bei den hohen Studienabbrecherzahlen auch in NRW sei es wichtig, dass man nicht nur Studienberatung macht, um zu verhindern, dass so viele den falschen Weg einschlagen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Berufsorientierung verbessern

Hier habe ein gutes Gespräch mit der Hochschulrektorenkonferenz ergeben, dass es eine verstärkte Zusammenarbeit geben soll, um Studienaussteiger in den Hochschulen neutral auch hinsichtlich beruflicher Bildungsmöglichkeiten zu beraten. "Wir werden versuchen, an der Stelle anzusetzen, weil es auch ein Potenzial für die duale Ausbildung oder auch für das duale Studium sein kann." Außerdem gebe es Initiativen, um Eltern anzusprechen und ihnen zu zeigen, "wie sieht eigentlich die moderne Berufswelt aus". Entsprechende Vorstellungen wurzelten nämlich oft in längst vergangenen Zeiten.

Auch sie halte Prozessvereinfachungen für notwendig. Das sei die Grundlage für weitere Digitalisierung und Automatisierung bei der Einwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten. Hier hoffe Nahles auf Fortschritte mit dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Ein Problem bei der Sprachqualifizierung sei auch der Lehrermangel. "Wir sehen das Problem und geben da Gas. Aber aus unserer Sicht sind wir gar nicht so langsam mit den Zahlen, die wir da schon erreichen konnten." Nahles sprach von etwa 80.000 Sprachkursabsolventen, die ihre Kurse im Mai beenden und auf den Arbeitsmarkt kommen. Eine gute Nachricht sei, dass das Qualifizierungschancengesetz deutlich entbürokratisiert werden und nach Betriebsgrößen gestaffelt werden.

Alle Potenziale erschließen

"Was wir erleben, gerade bei KMU und in Handwerksbereichen, ist das, was wir jetzt haben, viel zu kompliziert ist. Wir hoffen, dass wir dann auch im KMU-Bereich besser mit Transformationsqualifizierung und -begleitung unterstützen können, wenn das Gesetz kommt." Der Arbeitsmarkt werde immer mehr durch Arbeitskräfte- und Fachkräftenachfrage geprägt. Es sei wichtig, dass alle Potenziale erschlossen werden. "Wir müssen uns da zusammentun, niemand wird das Problem alleine lösen."

DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale DHB registrieren!

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: