Isabella Krätz hat ihre Patisserie erst 2014 eröffnet. Jetzt haben sie und ihr Mann Christof die Firmenanteile schon an die Söhne Dominic (links) und David übertragen. Das war nur mit Hilfe der Bürgschaftsbank NRW möglich. (Foto: © Sabrina Weniger)

Bürgschaft: Sicherheit für Wachstum und Nachfolge ­

Die Erfolgsgeschichte der Pâtisserie Isabella ist einzigartig. Das Familienunternehmen schwimmt auf einer Erfolgswelle. Jetzt gab es den 3. Preis beim Handwerkspreis der Bürgschaftsbanken.

Isabella Krätz eröffnete 2014 in Düsseldorf die erste rein glutenfreie Patisserie und Bäckerei in Deutschland. Sie hat damit einen Nerv getroffen. Hier können nicht nur Gluten-Allergiker bedenkenlos schlemmen, viele der Brote, Tartes, Törtchen und Macarons sind zudem noch laktosefrei und vegan.

Foto: © Sabrina WenigerDas – und die edle Gestaltung des Cafés – sprach sich bei den Kunden, in den Medien und sozialen Netzwerken so schnell rum, dass die Gründerin innerhalb kürzester Zeit expandieren konnte.

Zum ersten Standort der Patisserie Isabella in Düsseldorf-Oberkassel sind inzwischen eine Filiale in der feinen Kö-Galerie und weitere Geschäfte in Aachen, in Stuttgart und Hamburg dazugekommen. Ein neuer Standort in Köln ist in der Planung.

Und jetzt kam der dritte Platz beim Handwerkspreis der Bürgschaftsbanken als Sahnehäubchen obendrauf.

Neue Backstube und Onlineshop

Foto: © Sandra WenigerDie Konditorei ist ein echtes Familienunternehmen: Isabella Krätz (Foto rechts) ist für die Rezepte zuständig. Sie hat aus einer Not eine Tugend gemacht, denn sie wollte nach der Diagnose Zöliakie nicht auf gute Backwaren und Süßes verzichten. 

Ehemann Christof der früher selbstständig in der Modebranche tätig war kümmert sich um Einkauf und Ladenbau und Sohn Dominic managt die Finanzen und Marketing. Sein jüngerer Bruder David studiert noch, hat aber auch schon Firmenanteile.

Hilfe durch die Bürgschaftsbank NRW

Foto: © Andreas EhlertAn dieser Stelle kommt die Bürgschaftsbank ins Spiel. Als die Söhne 2018 die elterlichen Anteile übertragen bekommen haben, verbürgte die Bürgschaftsbank NRW die Übergabe und gleichzeitig die Expansion des Unternehmens. Dazu gehören neben weiteren Standorten auch eine 1.200 Quadratmeter große Backstube in Duisburg, ein digitales Kassensystem und ein Onlineshop.

"Wir sind jetzt auf zehn Filialen ausgelegt", erzählt Dominic Krätz am Rande der Preisverleihung auf der Internationalen Handwerksmesse 2019 (IHM) in München. "Ohne die Bürgschaftsbank hätten wir die ganzen Kredite nie aufnehmen können."

7. Handwerkspreis der Bürgschaftsbanken

Das mutige und professionell vorbereitete Gründungskonzept überzeugte die Jury des 7. Handwerkspreises der Bürgschaftsbanken, den der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB) auf der IHM insgesamt an vier Unternehmen verliehen hat. Überreicht wurden die Preise vom VDB-Vorsitzenden Guy Selbherr, von Dr. Sabine Hepperle, Abteilungsleiterin Mittelstandspolitik im Bundeswirtschaftsministerium, und von ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer.

Auch der Düsseldorfer Handwerkskammerpräsident Andreas Ehlert und der Geschäftsführer der Bürgschaftsbank-NRW Manfred Thivessen gratulierte den Unternehmern vor Ort in München. 

Das Thema Nachfolge oder Übernahme spielt bei allen Preisträgern eine wichtige Rolle.

Foto: © VDBSo half beim Erstplatzierten, der Stegerer GmbH Metallbau aus Regenstauf, die Bürgschaftsbank Bayern bei der Übernahme eines weiteren Betriebs. Bei dem jungen Team ist 3D-Technik im gesamten Produktionsprozess Standard. "Für uns ist das Alltag und keine Spielerei", sagt Firmenchef Ingo Lederer, einer der beiden Geschäftsführer. In zehn Jahren sei das Standard. "Warum sollen wir das nicht heute schon nutzen?"

Vor Ort nutzen sie 3D-Laserscanner und Drohnen, im Büro VR-Brillen zur Begehung der Baustellen. Kunden bekommen 3D-Modelle und interaktive Projektionen mit Mixed-Reality-Brillen.

"Wir sind ein junges Team und sehen in der Digitalisierung nur Chancen, keine Herausforderungen", erzählt Ingo Lederer. Gemeinsam mit Alexander Artes leitet er heute drei Betriebe mit 90 Mitarbeitern und kann schon viele Auszeichnungen vorweisen. 

Foto: © VDBBeim Zweitplatzierten, der Elektro Schneider GmbH aus Kißlegg, unterstützte die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg den Umzug des Elektro- und Systemhauses an einen Neubau mit selbst entwickeltem Energiemanagementsystem. Schon jetzt arbeitet der Betrieb digital.

Der Neubau wird SMART gesteuert, Rechner, Produktion, Gebäude und Lager sollen mit selbst programmierten Schnittstellen vernetzt werden. Dann regelt die von Geschäftsführer Florian Schneider programmierte Telefonanlage auch Zugänge.

Foto: © VDBAuf einen weiteren dritten Platz kam die Manufaktur für Blechblasinstrumente Thein Brass. Seit Oktober 2015 ist Olav Brandt neuer Miteigentümer und löste Gründer Heinrich Thein in der gemeinsamen Geschäftsführung mit dessen Bruder Max ab.

Die Bürgschaftsbank Bremen unterstützte den langjährigen Werkstattmeister bei seinem Einstieg in die Geschäftsleitung. Thein Brass hat sich soweit möglich digitalisiert, präsentiert sich auf Facebook, betreibt einen YouTube-Kanal und hat eine eigene App. Gleichzeitig bewahrt Brandt als Obermeister der Bremer Innung des Musikinstrumentenmacher-Handwerks die Tradition des Instrumentenbaus.

Mehr Nachfolgen gefördert

Für die Bürgschaftsbanken wird das Thema Generationswechsel immer wichtiger. Seit 2017 fördern sie sogar mehr Übergaben als Gründungen. Der VDB geht davon aus, dass der Trend anhält. Die Bürgschaftsbanken unterstützen im vergangenen Jahr 1.623 Nachfolger und 1.496 Gründer.

Bürgschaften und Garantien im Bereich des Generationswechsels hatten ein Volumen von 352 Millionen Euro, acht Prozent mehr als im Jahr davor.

Sabine Hepperle vom Wirtschaftsministerium betonte, dass mehr als 90 Prozent aller Bürgschaften an kleine und Kleinstunternehmen gehen. "Dadurch können Nachfolgen und Arbeitsplätze gesichert werden."
 

Text: / handwerksblatt.de

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