Maik Rönnefarth in seinem Betrieb, den "Holzwürmern" in Dernau an der Ahr. (Foto: © 2017 Herbert Piel / P!ELmedia)

"Wir sind Obermeister"

Maik Rönnefarth ist Obermeister der Schreiner-Innung Ahrweiler. Bevor er der Innung beitrat, hat er lange gezögert. Jetzt ist er Ehrenamtler mit Leidenschaft. Sein Team gibt ihm Rückendeckung.

Hinter Maik Rönnefarth liegt ein turbulentes Jahr. Der Tischlermeister aus Dernau im Ahrtal hat sich und seinen Betrieb komplett neu organisiert. Seit einem Jahr ist der 41-Jährige Obermeister der Schreiner-Innung Ahrweiler. "Zwei bis drei Sitzungen im Jahr, mehr ist das nicht." Mit diesen Worten hatten die Kollegen aus der Innung dem Unternehmer das Amt schmackhaft gemacht. Aber wenn Maik Rönnefarth etwas macht, dann richtig. So hat er sich für 2018 vorgenommen, alle 53 Mitgliedsbetriebe der Innung persönlich zu besuchen und kennenzulernen. 

"Uns konnte keiner richtig sagen, was die Innung für uns macht"

Vor 14 Jahren hat der junge Meister gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Boris Ulmann die Tischlerei "Die Holzwürmer" gegründet. In einem kleinen Bürogebäude ging alles los. Heute gilt der Betrieb als eine der innovativsten Tischlereien im Landkreis und beschäftigt 25 Mitarbeiter, davon sechs Auszubildende. Die Werkstatt ist inzwischen von 300 auf 2.000 Quadratmeter angewachsen. Die "Holzwürmer" haben sich auf hochwertigen Innenausbau und Möbel spezialisiert. Vom Aufmaß über die Gestaltung und Planung bis zur Montage läuft alles aus einer Hand. "Das war immer unser Traum, und wir haben das geschafft", sagt Rönnefarth. Sogar für den König von Katar durfte der Betrieb schon arbeiten. 

Mit der Innung hatten die Jungunternehmer anfangs überhaupt nichts am Hut. "Man hat sich auch nicht groß um uns bemüht. Manchmal hing ein Zettel mit einer Anmeldung am Werkstatttor, den haben wir aber ignoriert", schmunzelt Rönnefarth. "Uns konnte auch keiner so richtig sagen, was die Innung für uns macht." Vor sechs Jahren ist der Betrieb dann doch beigetreten. Vor allem aus Interesse an Lehrlings- und Prüfungsthemen. Mehrere der eigenen Azubis waren bereits Jahrgangsbeste geworden.

"Ich nehme kein Blatt vor den Mund"

"Weil ich gerne rede und auch kein Blatt vor den Mund nehme, wurde ich sofort in den Vorstand gewählt und sollte eigentlich auch damals schon Obermeister werden. Ich wollte aber erst einmal verstehen, was eine Innung macht und was das Ehrenamt bedeutet", erinnert sich der Rheinland-Pfälzer. Maik Rönnefarth wurde dann Lehrlingswart. "Ein tolles Amt, in dem ich mich zu einhundert Prozent wiedergefunden habe."

Im November 2016 stellte sich der damals 40-Jährige in enger Abstimmung mit seinen Kollegen und Mitarbeitern doch zur Wahl als Obermeister. Vorher hatte er in einjähriger Vorbereitungszeit gesichert, dass der Betrieb läuft, wenn der Chef in Sachen Ehrenamt unterwegs ist. "Wir haben eine Stelle geschaffen, die mich abfängt, und drei Abteilungen im Unternehmen gegründet, um mehr Verantwortung an die einzelnen Mitarbeiter abzugeben."

Harte Monate mit vielen interessanten Kontakten

Nach der Wahl hieß das Motto dann auch: "Wir sind Obermeister." Bei den zwei, drei Terminen ist es wie erwartet nicht geblieben. Im ersten Jahr seiner Amtszeit stand die Fusion der Fachverbände von Hessen und Rheinland-Pfalz auf der Agenda. "Das waren harte Monate mit viel Reiserei, in denen ich interessante Kontakte knüpfen konnte. Auch Freundschaften haben sich daraus gebildet."

Der Unternehmer bereut den Schritt ins Ehrenamt nicht. "Ich sehe jetzt, was man in der Innung bewegen kann und welche positiven Auswirkungen das auch für den eigenen Betrieb hat. Man bekommt Weitblick durch das Ehrenamt. Und man wird durch eine andere Brille gesehen und wahrgenommen – nicht nur im Kundenkreis, sondern auch in der Handwerkskammer und auf Verbandsebene. Das öffnet Türen."

Änderungen gehen nur Schritt für Schritt

Dieses "Gesehenwerden" will Maik Rönne­farth nun nutzen, um in seinem Handwerk etwas zu bewegen. Die Themenliste ist lang. Wie in anderen Branchen des Handwerks auch, sind das an erster Stelle die Nachwuchsgewinnung und der Fachkräftemangel. Auch in der Innungsarbeit will er mit einem verjüngten Vorstand einiges ändern. "Aber Schritt für Schritt, hier muss ich erst das Fundament sichern. Änderungen gehen nur mit Nachhaltigkeit", sagt Rönnefarth. Was er schon besonders zu schätzen gelernt hat in der Innung und im Verband, das ist die Zusammengehörigkeit, der Austausch – "dieses Wir-Gefühl".

Text: / handwerksblatt.de

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